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   Europa - Italien
 

Venedig

(ital. Venecia) Eine Hafenstadt in Norditalien, Hauptstadt der Landschaft Venetien am Golf von Venedig. Die Stadt befindet sich auf den 118 Inseln der Lagune von Venedig, die durch Nehrungen (Lidi) vom Meer abgeschlossen ist. Die Stadt wurde auf Pfählen errichtet, Gondeln und Boote sind das wichtigste Verkehrsmittel der von 160 Kanälen zerteilten Stadt.

Erstmals erwähnt wurde Venedig 523 in einem Brief des Cassiodorus, der Gelehrter, Mönch und Kabinettsleiter Theoderichs des Großen war. Demnach lebten hier im Altertum die Veneter, die 452 vor dem Hunnen Attila flohen und in der durch die natürlichen Gegebenheiten geschützten Lagune ihre Stadt erbauten.

Einer Legende zufolge war einst der Evangelist Markus predigend die Adriaküste entlanggereist. Dabei habe ihn ein Sturm in die Lagune getrieben und ein Engel habe ihm verkündet, hier solle dereinst eine große Stadt zu seinen Ehren entstehen. Jahrhunderte später, 828, holten Venezier die Gebeine des Evangelisten aus dem unterdessen von muslimischen Arabern eroberten Alexandria.

Der erste Doge Venedigs war Paolo Lucio Anafesto, der 697 vom Kaiser ernannt wurde. Ab 726 wurden die Dogen gewählt.

Im achten Jahrhundert war Pippin, Sohn Karl Martells, zum König von Italien geworden und verlangte auch von den Venezianern Unterwerfung. Diese weigerten sich und Pippin zog mit seinem Heer vor die Stadt, doch sorgten Hunger und Seuchen für eine Schwächung des Heeres, daß der Franke wieder abzog.

810 schloß Kaiser Karl d. Gr. mit Kaiser Nikephoras von Byzanz einen Vertrag, der Venedig als ein Teil des Oströmischen Reiches anerkannte.

Allmählich stieg das einstige Fischerdorf Venedig zu einer Handelsstadt auf, im gesamten östlichen Mittelmeer bis zum Schwarzen Meer entstanden venianische Stützpunkte. Reich wurde Venedig außer durch den Handel durch die Kreuzzüge, da sich die Kreuzfahrerheere hier einschifften und die Venezier sich die Transporte teuer bezahlen ließen. Venedig wurde nicht nur für das benachbarte Genua, sondern sogar für Konstantinopel zu einer Bedrohung.

1094 wurde der später so berühmte Karneval von Venedig erstmals urkundlich erwähnt.

Im 12. Jahrhundert verfügte Kaiser Manuel die Schließung der venezianischen Handelsstützpunkte im Byzantinischen Reich, zudem ließ er venezianische Vermögen beschlagnahmen. Dieses ließen sich die Venezianer nicht bieten. Der Doge Enrico Dandalo nutzte 1202 einen finanziellen Engpaß des Heeres des Vierten Kreuzzugs, das sich in Venedig zur Weiterfahrt gesammelt hatte. Weil die Kreuzfahrer die Überfahrt nicht bezahlen konnten, sollten sie als Bezahlung das jüngst von den Ungarn eroberte Zara an der gegenüberliegenden Küste Dalmatiens erstürmen. Dieses war ein unerhörtes Ereignis, denn Ungarn war christlich; Papst Innozenz exkommunizierte daraufhin das gesamte Heer.

Dandalo ging jedoch noch weiter. Er brachte das Kreuzfahrerheer zu einem Angriff auf Konstantinopel, das 1204 in die Händer der Kreuzfahrer fiel, die unter ihren byzantischen Glaubenbrüdern mindestens so grausam wüteten wie im „Heiligen Land”. Damit hatte der Doge zwar Venedig über Byzanz triumphieren lassen, doch hatte sich Venedig damit seines eigenen Bollwerkes gegen die Türken beraubt.

Zunächst sah man Venedig auf dem Höhepunkt seiner Macht. Es beherrschte die Adria und das Ionische Meer, in der Aegeis Kreta und die Kykladen, die Sporaden und einen Teil der Küste Thessaliens. Stützpunkte unterhielten Venezianer am Marmarameer und am Schwarzen Meer, überall an der Syrischen Küste bis hinunter nach Ägypten gab es venezianische Handelsniederlassungen, später wurde noch Zypern erobert.

Als aber das sich von der Niederlage niemehr erholte Konstantinopel 1453 in die Hände der türkischen Osmanli gefallen war und die Türken allmählich den Handel nach dem Orient blockierten, zudem seit der Umschiffung des Kaps der Guten Hoffnung 1488 ein Seeweg nach dem Osten gefunden war und sich damit eine Alternative zum Handel über das östliche Mittelmeer anbot, war es mit der venezianischen Bedeutung als Handelsmacht vorbei.

Als 1492 die Spanier alle Semiten von der iberischen Halbinsel vertrieben (Juden, Araber, einerlei ob jüdischen bzw. muslimischen Glaubens oder Marranen genannte Konvertiten), kamen viele der jüdischen Flüchtlinge nach Venedig das gewissermaßen zur Hauptstadt des Judentums in Westeuropa wurde. 1516 wurde hier, auf Wunsche der Juden selbst, das Judenghetto eingerichtet. Interessanter Weise nannte man dieses Viertel, das zum größten dieser Art in Europa wurde, Nazione Todesca, „Viertel deutscher Nationalität”.

In Kriegen gegen die Türken mußte Venedig im 17. Jahrhundert Niederlagen hinnehmen, Napolen I. hob 1797 in Campoformio vertraglich die den Staat Venedig auf. Mit Napoleon endete vorerst die Tradition des Karnevals von Venedig, denn der Eroberer verbot dieses Treiben maskierter Leute aus Gründen der inneren Sicherheit. Erst 1979 ließ man diese Tradition wieder aufleben.

1815 wurde Venedig als Teil des Lombardisch-Venezianischen Königreichs Teil des Habsburgerreichs, seit 1866 gehört es zu Italien.

Bekannte gebaute Meisterwerke des an Architekur reichen Venedig sind der Markusplatz mit dem byzantinisch-venezianischen Markusdom (San Marco) aus dem neunten Jahrhundert, dem Dogenpalast aus dem 14./15. Jh., dem 99 Meter hohe Campanile und der Seufzerbrücke, weiter die Rialtobrücke (16. Jh.) und zahlreiche weitere Kirchen und Paläste.

Schutzheiliger Venedigs ist der Evangelist Markus, von dem der Markusdom eine Reliquie beherbergt und der in Venedig am 25. Juni sein besonderes Fest hat. Vor diesem war der hl. Theodor Patron der Stadt, auch von diesem Märtyrer (er wurde wegen Brandstiftung hingerichtet) wird in der Kirche San Marco eine Reliquie aufbewahrt.

Berühmtester Sohn der Stadt ist wohl Marco Polo, der venezianische Reisende des 14. Jahrhunderts, der bis an den Hof des Mongolenherrschers Kublai Khan in Peking gelangt war.

 

Das Museum Carrer von Venedig beherbergt vier Tarotkarten, welche zu einem 1393 von Charles Gringonneur gemalten Kartensatz gehört haben sollen (WAITE, 30)