| Ägyptische Mythologie | ||
(die Alte) Sie ist die Große Mutter der alten Ägypter. Schon in Inschriften alter Königsgräber aus der Zeit um 2300 vor ist sie als eine der bedeutendsten Gottheiten genannt.
Sie gilt als Tochter der Erde Geb und dem Himmel Nuth und Gattin des Osiris, doch war sie in älterer Zeit wohl deren aller Urmutter, die um 2850 vor in das ägyptische Pantheon eingegliedert wurden. Von ihrer ursprünglichen Bedeutung zeugen ihre unzähligen Titel und Selbstzeugnisse, z. B.
oder
Sie ist die Jungfrau, die alles aus sich selbst heraus hervorbringt.
Ihr Gatte und Bruder Osiris regierte als göttlicher Pharao, der als Kulturbringer und Lehrer durch Ägypten zog. Derweil der unterwegs war, führte Isis als weise Herrscherin die Regierung, so daß ihnen beiden die frühen Ägypter Kultur und Sitte brachten. Isis brachte den Menschen die Kunst des Getreidebaus, des Webens, sie war Heilerin und Zauberin und begründete die Ehe.
Eines Tages lud ihr gemeinsamer Bruder Seth zu einem Fest. Zu diesem Anlaß führte er den Gästen eine kostbare Lade vor. Wer darin vollkommen Platz fände, verkündete Seth, dem solle der kostbare Schrein gehören. Als Osiris sich hineinlegt, schlägt Seth den Deckel zu und seine Komplizen nageln die Lade wie einen Sarg zu.
Samt seinem lebenden Inhalt werfen sie die Lade in den Nil, wo sie ins Mittelmeer hinaustreibt und endlich bei Byblos an der Küste Phöniziens strandet. Unterdessen hatte sich Isis auf die Suche nach ihrem geliebten Gatten gemacht. Mit Anubis wandelt sie trauernd umher, ihre Tränen lassen den Nil zur ersten Nilschwemme anschwellen. Doch als sie endlich die Lade mit dem mittlerweile gestorbenen Osiris finden und nach Ägypten zurücktragen.
Als Seth davon erfährt, zerstückelt er den Leichnam des Osiris und zerstreut seine Teile in der ganzen Welt. Die treue Isis sammelt die Einzelteile wieder ein und mit Hilfe des der Mumifizierung kundigen Anubis gelingt es, den Zerhackten wieder zusammenzusetzen, der Gott Thot leitet die ordnungsgemäße Bestattung. Isis kann so noch schwanger von Osiris werden, indem sie sich auf seinen Sarkophag setzt und ihm durch schlagen mit ihren Falkenflügeln neues Leben einhaucht.
Osiris wird daraufhin König der Unterwelt, als Kind gebiert die Isis den Horus. Ihn vor Seth zu beschützen wird nun das Hauptaugenmerk der Göttin. Als er herangewachsen ist, tötet er den Vatermörder und herrscht fortan über Ägypten (oder Isis duldet derlei Bluttaten nicht und sorgt nur für eine Verurteilung des Seth durch ein göttliches Gericht).
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Die heilige Familie aus Isis, Osiris und Horus entsprach menschlichen Erfahrungen so sehr, daß nicht verwunderlich ist, daß Isis eine der meistverehrtesten Göttinnen überhaupt wurde. Im Neuen Reich (1550 bis 1080) gingen in ihr als Universalgöttin mehr und mehr andere Göttinnen auf. Dargestellt wurde sie nun auch mit Sonnenscheibe und mit den Kuhhörnern (Füllhorn) der Hathor, als Gestirnsgöttin Isis Sothis war ihr die Nilflut zu verdanken (vgl. Sothis).
Einige ihrer vielen Beinamen sind Ägyptiaca, Athyri, Augusta, Bubasis, Campensis, Cornufera, Domina, Fructifera, Frugifera, Inachis, Linigera, Methyer, Muth, Myrionyma, Nilotis, Pelagia, Pharia, Regina, Salutaris, Triumphalis oder Victrix. Die in Saïs verehrte Neith wurde mit ihr gleichgesetzt.
Unter griechischem Einfluß, nach der Eroberung Ägyptens durch Alexander, wurde die heilige Familie hellenisiert. Horus wurde zu Har-pi-chrod, griechisch Harpokrates, Isis als seine ihn stillende Mutter zur Isis lactans, die sehr der Demeter ähnelte. Unverkennbar ist dieses Vorbild für spätere Darstellungen der christlichen Maria mit dem Jesuskinde. Osiris, der schon im selbständigen Ägypten in Sakkara bei Memphis mit dem heiligen Stier Apis als Osiris-Apis oder Osarapis verehrt wurde, wird nun der Sarapis, Gatte der Isis und wie sie Universalgottheit.
Als später die Römer Ägypten unter ihre Herrschaft brachten, verbreitete sich der Isis-Kult über die gesamte ihnen bekannte Welt und drang im Norden bis ins keltische Britannien und nach Germanien vor.
Der Isis wird eine besondere Liebe zu Musik und Tanz nachgesagt. Es heißt, auf der Isis Schiff erschalle nächtlicher Freudengesang. (GRIMM, 389)
| Apuleius beschreibt im 11. Kapitel seines Romans Der goldene Esel reich an Einzelheiten eine Einweihung in den Kult der Isis, wie er im zweiten Jahrhundert in Rom vollzogen wurde: Apuleius, Lucius Der goldene Esel (Metamorphosen) 1992, Insel, Frankfurt/M. |
Jean Terrasson (1670 bis 1750), ein gelehrter Geistlicher, der dem Priesterstand entsagte und sich als Literat versuchte, veröffentlichte 1731 den Roman Sethos, der sein Interesse am alten Ägypten verrät und ein Erfolg wurde. Das Buch handelt von Sethos, Prinz von Memphis, dem auf seinem Initiationsweg in die Mysterien der Isis harte Prüfungen auferlegt werden, ehe er ein würdiger König werden kann. Das Buch wurde von interessierten Zeitgenossen als Quelle ägyptologischer Gelehrsamkeit aufgefasst und beeinflußte literarische Erzählmotive ebenso wie die Ausgestaltung des Tarot. (GRAF, 25)