Das Schwarze Netz - zum Anfangzurück
   Mesopotamien - Akkader
 

Tiamat

(„Meer”) Sie ist die Urmutter des Alls und aller Gottheiten, urzeitlicher Chaosdrache und Personifikation des salzigen Meerwassers. Als Gattin des Süßwassergottes Apsu ist sie Mutter von Lachmu und Lachamu. Später tötet Ea, Urenkel der Tiamat, den Apsu. Als Tiamat dieses rächen will, wird sie selbst von Marduk, dem Sohn Eas, getötet (BELLINGER, 468f.).

Aus der Vermischung des Meeres Tiamat mit dem Süßwasser Apsu waren die ältesten Götter hervorgegangen. Apsu litt jedoch unter dem lärmenden Treiben seiner Nachkommen und sann auf ihre Vernichtung. Apsu wurde samt der Wellen Mummu von Ea gefangengenommen, woraufhin Tiamat sich mit Kingu, einem ihrer Söhne, der als Dämon vorgestellt ist, vermählte und elf klauenbewehrte Ungeheuer mit reißenden Mäulern gebar. Mit diesem Trupp griff sie die Götter an und drohte sie zu vernichten, doch als sie den Marduk verschlingen wollte, blies der einen Wind in ihren Rachen, daß sie ihren Mund nicht mehr schließen konnte. Marduk konnte sie in ein Netz verwickeln und schoß ihr einen Pfeil in die Eingeweide. Er spaltete Tiamat und bildete aus einem ihrer Teile das Himmelsgewölbe, aus dem anderen die Erde, in der die unterirdischen Wasser eingeschlossen sind. Ihren Schwanz machte er zur Milchstraße und aus ihren Augen strömen seither Euphrat und Tigris, die beiden Flüsse Mesopotamiens (n. STORM, 80, BELLINGER, 468f. u. Lesermitteilung).

Tiamat soll der „Tiefe” Tehom des hebräischen Schöpfungsberichts (Genesis 1,2) entsprechen. Dieses sei eine Personifikation des Mutterleibes. Das erste Licht sei jenem vergleichbar, welches das Neugeborene bei seiner Geburt sieht, wenn es den Mutterschoß „durchbricht”, so wie im Mythos der Marduk seine Ahnin zerteilt (WALKER, 1089).

Auf Tiamat, die besonders gefährlich (verführerisch) war, wenn sie sich in eine Schlange verwandelte, soll auch die biblische Überlieferung von der Schlange am Baum der Erkenntnis zurückgehen, welche die erste Frau (Eva) verführte. Die Schlange stehe dabei für das aufgerichtete Glied des Mannes (DÖBLER, 12).