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 Religion und Kultus
 
 

Aberglaube

(auch Afterglaube, „nachgebliebener Glaube”, „Glaube wider bessere Einsicht”) Eine meist abwertend gemeinte Bezeichnung für Erklärungen und Ansichten, die nicht mit herrschender Natur-(Schul-)wissenschaft oder Religion in Einklang zu bringen sind und als Ammenmärchen und barer Unsinn angesehen werden („Der Aberglaube ist die einzige Religion, deren niedere Seelen fähig sind”, Joseph Joubert, frz. Moralist, 19. Jh. n.).

Der Aberglaube bringt Erscheinungen aller Art, seien sie Witterung, Verhalten von Mitmenschen und Tieren, Gedeihen der Vegetation oder Eigenschaften in einen magisch-irrationalen Kausalzusammenhang und zieht daraus Rückschlüsse auf Verhältnisse oder die Zukunft.

Beispielsweise soll eine morgendliche Begegnung mit dem Schornsteinfeger für diesen Tag Glück verheißen. Oder das unvermittelte Kreuzen des eigenen Weges durch eine schwarze Katze wird als Verkündung von Unglück angesehen oder die Katze selbst ist der Dämon, der Unheil bringt. Oder eine alte Frau wird gefürchtet, weil man ihr den Bösen Blick nachsagt und der angenommenen Gefahr mit allerlei Zauber, z.B. Amuletten, begegnet wird. In solchen Anschauungen klingen häufig Mythen von verdrängten Gottheiten der Ahnen nach.

Auch der Glaube an ältere, von der vorherrschenden Religion verdrängte Gottheiten und Wesen wird als Aberglaube mitleidig belächelt, sofern er nicht als Götzendienst scharf bekämpft wird.

Als weniger wertend wird statt Aberglaube auch der Begriff Volksglaube genutzt. Es ist dieses ein Oberbegriff, der den Aberglauben und in das Brauchtum eingegange Volksfrömmigkeit umfaßt.
Volksfrömmigkeit meint die von Laien ohne Leitung eines ausgebildeten Geistlichen praktizierte Religion, die sich zwar an herrschender Dogmatik orientiert, in der Schwerpunktsetzung sich aber mitunter deutlich davon unterscheidet. Ein Beispiel hierfür ist die teilweise die Verehrung der Gottheit noch übertreffende Hingabe an manche Heiligen. Ihr Kult trägt mitunter Züge heidnischer Götterverehrung, vollzieht sich aber dennoch unter dem Dach der katholischen Kirche.