| < zurück | |
| Alchemie / Zauberei | |
Ein Schwarzkünstler, dessen Leben im lateinisch verfassten Buch eines nicht sicher zu fixierenden Autors als Vorbild/Typus des Gelehrten wird, der seinen Drang nach Wissen über die (Kirchen-)Zucht stellt. Von Christopher Marlowe (The Tragical History of Doctor Faustus, zwischen 1588 und 1593) wurde ein solches Leben zur mahnenden Tragödie vearbeitet und fand in Volksbüchern oder Puppenspielen vielfache Verbreitung. Eine dieser Aufführungen erlebte zu Frankfurt später der junge Goethe.
Des Stoffes nahmen sich Goethe in seinem Faust an, Heine in seinem Ballett Der Doktor Faust und viele mehr.
Die Geschichte beschreibt, wie Faust der vordergründigen und dürftigen Lehre der Schulwissenschaft überdrüssig wird. Die Suche nach dem Urgrund des Wissens ist sein tiefstes Verlangen, das er über sein Seelenheil stellt und ihn, hungernd nach Wissenschaft und dürstend nach Weisheit, veranlaßt, einen Pakt mit dem Teufel Mephistopheles einzugehen. Er gewinnt die Liebe der reinen Jungfer Grete, erlebt so manches mit Mephistopheles und fährt schließlich zur Hölle. In Goethes Alterswerk Faust II wird Faust endlich zum ewig weiblichen hinan gezogen werden, man lese am Besten selbst.
Doktor Johannes Faustus studierte zu Krakau an der Universität die freie Wissenschaft der Zauberkünste (das gab es wohl tatsächlich). Hier soll er mit dem Twardowski nach dem Stein der Weisen gesucht haben.
Als Astrologe, Zauberer und Quacksalber machte sich ein historischer Georg Faust verdient. Er war ~1480 in Knittlingen, Württemberg oder Helmstedt bei Heidelberg geboren und starb ~1540 in Staufen.
Heinrich Heine erwähnt ein 1587 in Frankfurt von Johann Spies herausgegebenes Werk und ein 1599 von Georg Rudolph Widmann verfasstes Faustbuch als Hauptquellen, weiter die Höllenzwänge, beliebte Zauberbücher, aus denen die Faustsage mehr oder weniger willkürlich zusammengestoppelt worden sei. Eine weitere Quelle sei ein Buck über Christoph Wagner, den Famulus (Gehilfe, wissenschaftl. Mitarbeiter) des Doktor Faust. Dieses Buch sei 1594 nach spanischem Original herausgegeben worden und weise Parallelen zur Sage vom Don Juan auf (H. Heine, To Lumley, Esquire, Director of the Theatre of Her Majesty the Queen).
Ob Faust eine historische oder rein literarische Figur ist, bleibt für Heine offen. Johannes Wierus, der ein Buch über das Hexenwesen verfasste, sowie Philipp Melanchton, der Mitstreiter des Reformators Martin Luther, erwähnen ihn als in Kundlingen/Schwaben gebürtig. Spies (1587) sieht in ihm den Sohn eines Bauern, der in Rod bei Weimar geboren war, bei Widmann (1599) ist Faustus (..) gebürtig gewesen aus der Grafschaft Anhalt und haben seine Eltern gewohnt in der Mark Solwedel, die waren fromme Bauersleute (zit. nach Heine). Die Volksbücher siedeln den Schwarzkünstler in Mainz (Erfindungsort des Buchdrucks) an, die Puppenspiele in Wittenberg (Geburtstätte des Protestantismus). Oder Faust war ein Marktschreier und Erzschelm, welcher Gott und die Welt besefelt habe (ebd.) namens Sabellicus, eine Auffassung, der Heine anhängt.
Dagegen wendet er sich gegen die Annahme, Faust sei Erfinder der Buchdruckerkunst gewesen. Er befindet diese Annahme aber für tiefsinnig, da die Denkweise, die der Schwarzkünstler repräsentiert, in der Erfindung des Buchdrucks das furchtbarste Werkzeug der Verbreitung gefunden, und dadurch eine Solidarität zwischen beiden entstanden (Heine, ebd.).
Als ein mögliches Vorbild für den Doctor Faustus des Christopher Marlowe gilt Dr. John Dee, ein Zeitgenosse Marlowes, der schon zu Lebzeiten den Ruf eines strebenden Schwarzkünstlers hatte. (KUPER in: KIESEWETTER, 38f.) Auch Agrippa von Nettesheim gilt als Vorbild für den literarischen Faust. (GRAF, 35)