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 Alchimie
 
 

Tabula Smaragdina

(lat. „Smaragdtafel”) Ein der alchemistischen Tradition zufolge auf den Hermes Trismegistos zurückgehender Text, der Generationen von Alchemisten Stoff für gelehrte Spekulation gab, sollten die dreizehn darin enthaltenen Gesätze doch den Schlüssel zum Stein der Weisen aufzeigen.

 

Text der Tabula Smaragdina

1. Es ist wahr, ohne Lüge und wirklich.

2. Was oben ist, ist wie das, was unten ist, fähig, die Wunder des Einen auszuführen.

3. Und wie alle Dinge aus dem Einen gekommen sind, so werden auch alle Dinge aus diesem Einen durch adoption geboren.

4. Die Sonne ist sein Vater, der Mond seine Mutter. Der Wind hat es in seinem Bauche getragen, die Erde ist seine Amme.

5. Dies ist der Vater aller Vollkommenheit in der Welt.

6. Seine Stärke und Macht sind unbeschränkt, wenn sie in Erde verwandelt werden.

7. Du wirst die Erde vom Feuer, das Zarte vom Groben trennen, sanft und sorgfältig.

8. Es steigt von der Erde zum Himmel hinauf und steigt wieder herab auf die Erde, um die Macht der höheren und niederen Wesen zu empfangen. So wird dir der Ruhm der Welt gehören, und deshalb wird alle Dunkelheit von dir fliehen.

9. Bei ihm ist die Kraft, die stärkste aller Kräfte. Denn es wird alle zarten Dinge überwinden und in jedes grobe eindringen.

10. So wurde die Welt geschaffen.

11. Aus diesem werden entstehen und hervorgehen wunderbare Anwendungen, zu denen die Mittel hier gegeben sind.

12. Darum werde ich Hermes Trismegistos genannt, und ich bin im Besitze der drei Teile der Philosophie der welt.

13. Und was ich über das Wirken der Sonne gesagt habe, hat sich erfüllt.

(nach J. Ruskia 1926, In: A. Coudert, Der Stein der Weisen)

Anmerkungen dazu:
zu 2: Makrokosmos und Mikrokosmos entsprechen einander.
zu 4: Mit Sonne und Mond könnten Schwefel und Quecksilber und/oder Feuer und Wasser gemeint sein, Wind und Erde sind die entsprechenden Elemente Luft und Erde.
zu 5 und 6: Eben der Stein der Weisen, den es darzustellen gilt.

 

Ob die Tabula Smaragdina hohen Alters ist oder aber im Mittelalter verfaßt wurde, bleibt umstritten.

Gefunden wurde die Tabula Smaragdina einer Legende zufolge von Sara, der Frau Abrahams, die sie bei Hebron im Grab des Hermes Trismegistos gefunden habe (GEBELEIN, 113).

Andere Überlieferungen nennen diesen Hermes einen Sohn des ersten Menschen Adam, in dessen Grab er nicht nur ein Abbild seines Vaters fand, sondern auch diese Tafel.

Auch der mazedonische Eroberer Alexander der Große gilt (neben noch weiteren) als Finder der Smaragdtafel, die er in der Cheops-Pyramide gefunden haben soll. (GRAF, 36)

Unklar ist auch die materielle Beschaffenheit der Tafel. Zwar heißt sie Smaragdtafel, doch ist von Smaragden in der nötigen Größe nichts bekannt, zudem wurden grüne Malachite, wie man sie in Kupfergruben fand, häufig als Smaragde bezeichnet, weshalb dieses Mineral als Material in Frage kommt. Denkbar ist auch eine Holztafel, die mit smaragdgrünem Wachs überzogen war (GEBELEIN, 114)