Das Schwarze Netz - zum Anfang< zurück
 Allmende / AT
 
 

Bann

In den älteren Büchern der (Luther-)Bibel taucht dieser Begriff häufig auf. Bann bezeichnet „etwas für Gott Ausgesondertes”. Insbesondere in den Kriegsberichten über die Landname wird die Bannung, das heißt völlige Vernichtung, eroberter Städte des Feindes einschließlich der darin lebenden Menschen und Tiere berichtet. 4. Mose 21 erwähnt zum Beispiel die Vernichtung der Städte der Kanaaniter durch Jahwe, nachdem Israel ihre Verbannung gelobt hatte. In Josua 6, 17-21 geht es um die Verbannung der Stadt Jericho nach der Eroberung durch Josuas Truppen, die einzig die Rahab überlebte:

... „und verbannten alles, was in der Stadt war, mit der Schärfe des Schwertes: Mann und Weib, jung und alt, Ochsen, Schafe und Esel.” (Josua 6,21)

Die gleiche Behandlung erlitten die Städte Makkeda, Libna, Lachis, Eglon, Hebron und Debir (10,28-40), in der Folge schildert das Buch die weitere Ausrottung kanaanitischer Stämme. „Also nahm Josua alles Land ein, allerdinge wie der HErr zu Mose geredet hatte, und gab es Israel zum Erbe, einem jeglichen Stamm sein Teil. Und der Krieg hörte auf im Lande.” (Josua 11,23)

Später, im Buch Samuel, wird solche Metzelei auch von Saul berichtet, als der die Amalekiter vernichtete, doch ließ Saul die ihm wohlgesonnenen Keniter lebendig abziehen, außerdem unterließ er die Bannung des eroberten Viehs (1. Samuel 15,5-9). Dafür wird Saul später „verworfen” und Samuel übernimmt die Vernichtung der zuvor verschonten (15,32f.).

Wie diese Völkerschaften so sollen auch diejenigen der Verbannung anheim fallen, die es wagen, anderen Göttern zu huldigen (2. Mose 19). Auch ganze Städte der Israeliten selbst sind zu vernichten, sofern darin andere Kulte geübt werden (5. Mose 13,13-18).

Bei Jesaja heißt es: „Denn der HErr ist zornig über alle Heiden und ergrimmt über alle ihre Scharen. Er wird an ihnen den Bann vollstrecken und sie zur Schlachtung dahingeben. Und ihre Erschlagenen werden hingeworfen werden, daß der Gestank von ihren Leichnamen aufsteigen wird und die Berge von ihrem Blut fließen.” (Jesaja 34, 2f.) Diese Stellen erinnern an Völkermorde, wie sie in der Menschheitsgeschichte traurig zahlreich sind.

Beim Propheten Hesekiel wird das Gebannte zur Gabe für die levitische Priesterschaft (Hesekiel 44,29).

Es sei aber auf die Interpretation als Propagandaschrift, wie sie auch die Moderne zu Genüge kennt und die offenkundig immer und überall für notwendig erachtet werden, hingewiesen. Tatsächlich sollen die Israeliten mal kriegerisch, mal friedlich in das „gelobte Land” eingesickert sein. Geschichten, welche eine Totalvernichtung des Gegners beschreiben und verherrlichen finden sich auch in anderen Kulturkreisen zuhauf.

Quelle: Reclams Bibellexikon, 63; Bibelzitate nach: Die Bibel oder die ganze Heilige Schrift des Alten und Neuen Testaments. Nach der Übersetzung Martin Luthers, Stuttgart 1961.

 

Eine Verbannung weltlicher Art kannte die römische Antike. So mußte sich der Dichter Ovid weg von der Hauptstadt Rom ins Exil am Schwarzen Meer begeben, als ihn der Bannstrahl der Obrigkeit getroffen hatte.

 

Im europäischen Mittelalter meinte der Begriff Bann das Recht eines Königs zu ge- und verbieten sowie spezielle Befugnisse, etwa die Gewalt Verordnungen zu erlassen und diesen zur Durchführung zur verhelfen. Auch Sonderrechte für bestimmte Personen oder Personengruppen, etwa geistliche oder Witwen und Waisen wurden als Friedensbann bezeichnet.

Der Kirchenbann oder die Exkommunikation ist der zeitweilige Ausschluß einer Person aus der Gemeinschaft mit der Kirche (nicht Ausschluß). Hier gibt es je nach zu strafender Handlung Abstufungen des Banns, etwa den Ausschluß des betroffenen vom bürgerlichen Leben oder das Verbot, an den Sakramenten teilzunehmen.

 

In Zauberei und Beschwörung meint Bannen das Unschädlichmachen eines Geistes oder Dämons durch Fixierung des Wesens an einen Ort, von dem aus es keine Wirkung entfallten kann. So wird etwa eine als Dämon verstandene Krankheit aus dem Kranken heraus in einen anderen Gegenstand oder in ein anderes Lebewesen gebannt. Auch wenn angerufene Kräfte abgeleitet werden, z. B. die Kraft des Feuers in einen Fluß, kann von Bannen gesprochen werden.