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 Allmende
 
 

Baum der Erkenntnis

Das essen der Frucht vom Baum der Erkenntnis führte dazu, daß das Menschengeschlecht das Paradies der Urzeit verlassen mußte.

Die Bibel schildert diesen Vorfall so:

Gott der Herr setzte den von ihm als „ein Mann und ein Weib” (1. Mose 1.27) geschaffenenen Menschen in den von ihm selbst angelegten Garten, der gen Morgen in Eden gelegen war. Inmitten dieses Gartens standen zwei Bäume, der Baum des Lebens und der Baum der Erkenntnis des Guten und des Bösen (1. Mose 2.7-9). Von den Früchten aller im Garten wachsenden Pflanzen sollte der Mensch essen, einzig den letztgenannten Baum der Erkenntnis hatte der Mensch bei Strafe des Todes zu meiden (ebd., 16f.).

Da der Mensch als einziges der geschaffenen Lebewesen allein war, schuf Gott einen zweiten, indem er dem ersten eine Rippe entnahm und sie so in Mann und Frau schied (1. Mose 2.21-23, vgl. die griechischen Androgynes). Ohne einen Unterschied zu bemerken lebte das erste Menschenpaar sorglos dahin: „Und sie waren beide nackt, der Mensch und sein Weib, und schämten sich nicht” (ebd., 2.25).

Das ändert sich, als das klügste der Tiere, die Schlange, dem Weib den Genuß der Frucht vom Baum der Erkenntnis nahelegte (1. Mose 3.1-5). Das Weib nahm an, aß und gab auch ihrem Mann von der Frucht. Die Schlange hatte wahr gesprochen, Mann und Frau wurde „ihrer Augen aufgetan” und sie fertigten sich Schürze aus den Blättern des Feigenbaums (ebd. 3. 7).

Die Genesis schildert nun, daß Gott der Herr den ersten Menschen, nun Adam genannt, verhörte, der die Verantwortung auf die Frau schob und die ihrerseits auf die Schlange verwies (1. Mose 3., 8-13). Gott verfluchte alle drei (ebd., 14-19), kleidete sie mit tierischen Fellen anstelle der aus Pflanzen gemachten Kleider und vertrieb Adam und Eva aus dem Paradies, damit die Menschen, nun „wie unsereiner” nicht vom Baum des Lebens essen und unsterblich werden würden.
Seitdem bewachen die Cherubim den Garten Eden und verhindern die Rückkehr des Menschen (ebd., 20-24).

Das christliche Abendland bezeichnet diesen Vorfall als Sündenfall und Austreibung aus dem Paradies. Andere Interpretationen betrachten diese Geschichte jedoch als Aufbruch des Menschen aus einer tierähnlichen Vorstufe. Wie die Sonne im Osten aufgeht und ihren Weg über den Himmel beschreibt, so beginnt der Weg des Menschen im Osten, in Eden. Beiden Ansichten gemeinsam ist der Verlust des Paradieses, der Unterschied die Erklärung als Sünde und Vertreibung einerseits, Aufbruch und erwachsenwerden andererseits.

Sexualpsychologische Deutung sieht das Essen der Frucht vom Baum der Erkenntnis als Symbol für die sexuelle Lust, die Schlange stehe für das erigiert aufgerichtete Glied des Mannes (DÖBLER, 12).
Mit dem Begriff „Erkennen”, so DÖBLER weiter, muß nicht unbedingt der Geschlechtsakt selbst gemeint sein, da andernorts in der Bibel hierfür der Begriff „Beiwohnen” verwendet wird. Denkbar wäre auch, daß die Erkenntnis Adams darin bestand, daß er den Geschlechtsakt als Ursache der Schwangerschaft Evas „erkannte” (ebd., 14).

Das unwissende Tier weiß nichts von seinem eigenen Tod und den Umständen seiner Herkunft (so lehrt es jedenfalls die Verhaltensforschung bzw. Tierpsychologie). So gesehen ist es - aus seiner eigenen, subjektiven Perspektive heraus betrachtet, „unsterblich”. Es lebt gewissermaßen in einem „paradiesischen” Urzustand, der die Endlichkeit des eigenen Lebens nicht kennt. In diesem Zustand lebte auch das erste Menschenpaar, ehe es durch Essen der verbotenen Frucht Erkenntnis erlangte und damit das Paradies verlor.

Noch heute (oder erst recht heute) ist selbständiges Denken eines der größten Abenteuer, muß hinter jeder neuen Erkenntnis doch der Einsturz des bisherigen Weltbildes „befürchtet” werden. Und Erkenntnis weiterzugeben stellt in Zeiten (oft ~freiwillig selbst auferlegter) Denkverbote ein erhebliches Wagnis dar. Ein bekanntes Beispiel aus der Geschichte ist Galileo Galilei, der gegen das ptolomäische Weltbild argumentierte, später war es der Universalgelehrte Gottfried Wilhelm Frhr. v. Leibniz, der denkend die Grenzen der damiligen Geisteswelt durchbrach, in mythischer Vorzeit war es eben die Eva, welche ihr Wissen dem Adam weitergab und seitdem als Auslöserin der Erbsünde geprügelt wird.

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zitierte Bibelausgabe: Die Bibel oder die ganze Heilige Schrift des Alten und Neuen Testaments. Nach der Übersetzung Martin Luthers. Nach dem 1912 vom Deutschen Evangelischen Kirchenausschuß genehmigten Text. Württembergische Bibelanstalt Stuttgart 1961