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| Brauchtum und Kult | |
Die feierliche Übergabe des Leichnams in sein in der Erde befindliches Grab.
Schon aus der späten Altsteinzeit (bis 10.000 v. Z.) sind Funde von Leichenresten bekannt, die mit gemahlenem Ocker oder anderen roten Farbsubstanzen bestreut waren. Offenkundig gab es schon damals den Glauben an die Fortexistenz nach dem Tode. (KATHOLING, 31)
Was aus der Erde erwachsen ist, wird nach der Lebensspanne der Erde zurückgegeben; (Aus Erde bis du geworden, zu Erde sollst du werden) es kehrt zurück in den Mutterschoß, wenn die Erde als Mutter Erde und All-Gebärerin betrachtet wird.
Je nach Anschauung ist die Art der Bestattung von Bedeutung, etwa Verbrennung des Leichnams durch Feuer oder Beisetzung des Verblichenen in hockender oder liegender Haltung. Dabei wird besonders auf die Blickrichtung (z.B. Ost-West-Richtung) geachtet.
Eine unterlassene Bestattung ist ein schwerer Frevel und wird von den Göttern schwer bestraft. Als Meon von Phrygien den Attis hinrichten lassen hatte und eine Beerdigung verweigert, wurde dessen Geliebte Kybele rasend und Pest brach in Phrygien aus.
Vorzeiten gehörten Spezereien wie Aloe und Myrrhe zur ordnungsgemäßen Bestattung des Leichnams. Bei der Grablegung Jesu spendete der Pharisäer Nikodemus hundert Pfund Aloe und Myrrhe (JOHANNES 19,39).
Bei den Juden werden die nach langer Benutzung unbrauchbar werdenden Thora-Rollen feierlich berdigt.
Bei Muslimen ist eine Erdbestattung ohne Sarg üblich.
Bei Zaubern werden mitunter Gegenstände rituell begraben, also beerdigt. Das betrifft besonders Zauber, mit dem ein Verschwinden bewirkt werden sollte, häufig Krankheiten:
In Brandenburg soll man Warzen mit dem abgeschnittenen, noch lebenden Kopf eines Aals bestrichen, alsdann den Kopf begraben haben. Davon sollten die Warzen verschwinden. (Magisch-sympathetischer Hausschatz, 310)
In Posen sagte man, ein Sarg müsse ordentlich vernagelt werden, man dürfe um dessen Preis nicht gefeilscht haben und es müßten die Stühle, auf denen er gestanden hat, umgeworfen werden, da sonst der Versorbene zurückkehre. (Magisch-sympathetischer Hausschatz, 161)
Wird jemand begraben und der Wind geht mit dem Leichenzuge, so nimmt er Glück und Segen mit; weht er aber entgegen, so bleibt beides im Trauerhause, sagte man in Stendal. (KUHN u. SCHWARTZ, C. 301)
Fällt bei einem Begräbnis die Erde der Seitenwände des Grabes nach, so holt der Todte bald einen nach, mahnte man in Pechüle. (KUHN u. SCHWARTZ, C. 302)
Wird bei einem Begräbnis zuerst Erde mit einer Schippe auf den Sarg geworfen, so stirbt bald ein Mann, geschieht’s mit einem Spaten, so stirbt eine Frau. (aus Pechüle, KUHN u. SCHWARTZ, C. 303)
Weil das Läuten der Glocke Dämonen verjagen und die Seele rasch den Weg durch das Fegfeuer weisen soll, war eine Beerdigung während der Karwoche, in der das Läuten unterblieb, für die Hinterbliebenen besonders tragisch. (WEHR, 28)
Üblich war es, für ältere Verstorbene eine größere, für jüngere eine kleinere Totenglocke läuten zu lassen. (WEHR, 28)
Bei besonders frommen Menschen sollten die Totenglocken von selbst zu läuten beginnen. (WEHR, 28)
Die Chemnitzer Rockenphilosophie gibt folgende Mahnung wieder: während zu grabe geläutet wird, esse man nicht, sonst thun einem die zähne weh. (GRIMM, A. 39)
wer einen leibsschaden hat, wasche ihn während man zu grabe läutet mit bachwasser. (GRIMM, A. 798)