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| Witterung - Gewitter | |
Wenn sich bei einem Gewitter elektrische Spannungen aufbauen, entladen die sich innerhalb der Wolken oder zwischen Wolke und Erde. Dabei kommt es zu mehreren rasch aufeinanderfolgenden Teilentladungen, wodurch das charakteristisch-zackige Erscheinungsbild eines Blitzes entsteht.
Die Stromstärke kann dabei gut 100.000 Ampère erreichen, die Spannung bis 1 Milliarde Volt.
Verschiedene Formen des Blitzes sind der am häufigsten zu beochtende Linienblitz, seltener ist der bei schwächerer Ladung auftretende Perlschnurblitz.
Eine Besonderheit sind die Kugelblitze. Hier zeigt sich die Elektrizität als Kugel von etwa Zwanzig Zentimetern im Durchmesser, die langsam über den Boden schwebt, ehe sie sich zerplatzend auflöst. Entstehung und Wesen der Kugelblitze ist nicht genau erforscht.
Der Blitz ist Waffe und Attribut himmlischer Gottheiten, als Funken repräsentiert er den Geistesblitz. Gottheiten, die im Himmel in Ungnade gefallen sind, werden wie ein Blitz in die Tiefe der Erde hinabgestürzt (Loki, Lucifer, Tammuz, Dionysos, Leviathan, Hephaistos, Typhon).
Auch der jüdisch-christliche Gott Jahwe macht sich mit Blitz und Donner bemerkbar (2. Mose 19,16) und verwendet sie als Waffe (Psalm 18, 12-15).
Als die Heiden Roms die hl. Agnes getötet und ihre Halbschwester gesteinigt hatten, gab es ein Erdbeben und viele fanden durch von Gott gesandte Blitze den Tod (de VORAGINE, 89f.).
Andere Himmels- und Gewittergottheiten schleudern häufig Blitz und Donner, z. B. der griechische Zeus, sein römisches Pendant Jupiter oder der germanische Donar bzw. Thor.
Blitz und Donner begleiten den Thor, wenn er seine Waffe, den Hammer Mjöllnir schleudert.
Der Blitz, der die Erde erreicht, wird als Funken angesehen, der die Erde befruchtet. In dieser Anschauung ist der Hinabstieg kein schändlicher Fall wie beim Lucifer (Lukas 10,18), sondern fruchtbringender Akt der Vereinigung. Dem nachzueifern ist Bemühen von Königen, deren Zepter Symbol des göttlichen Blitzstrahls ist. übertrieben hat es darin der Salmoneus von Elis, den Zeus per Blitz abstrafte.
Als ein Blitz in die Erde schlug, wurde aus der davon ausgelösten Feuersäule der Yima geboren, in der altiranischen Mythologie der Herrscher des goldenen Zeitalters.
Der einschlagende Blitz zerstört auf einem der Trümpfe im Tarot den Turm. Nach gängigen Deutungen steht Der Turm für den sich sicher wähnenden Menschen, der urplötzlich durch göttlichen Eingriff aus vermeintliche Sicherheit gerissen wird. Im übertragenen Sinne ist dieser Blitz der Funke der Erkenntnis, der das Gespinst gewohnter Gedanken unwiderruflich zerreißt — ein oft schmerzlicher, bei günstigem Ausgang aber fruchtbarer Erkenntnisprozeß.
Ein Baum, in den der Blitz eingeschlagen ist, hat nicht nur ein besonderes Äußeres. Er trotzte dem Schlag der Gottheit, war in Berührung mit ihr und hat ihre Energie aufgenommen. Das Holz solcher Blitzbäume macht es so geeignet für die Anfertigung von Amuletten, Zauberstäben und weiteren magischen Utensilien.
Besonders gern soll der Blitz in die Eiche einschlagen, seltener in Buche oder Linde:
Den Eichen solltst du weichen,
die Buchen sollst du suchen.
Auch der Hasel soll seltener als andere Büsche und Bäume vom Blitz getroffen werden.
In Süddeutschland und Teilen Österreichs wurden als Schutz vor dem Blitz auch Gebinde aus Johanniskraut an die Fenster gehängt oder auf das Hausdach geworfen.
Vor Blitzschlag soll am Johannistag gepflückter Klatschmohn schützen, indem man den bei sich trägt oder unter das Dach des Hauses hängt (WEHR, 146)
In ein Haus, in dem ein Donnerkeil ist oder Feuer auf dem Heerd brennt, oder ein Vogel ein Nest gebaut hat, schlägt der Blitz nicht ein. (aus Lauthenthal, n. KUHN u. SCHWARTZ, 411)
Der Magisch-sympathetische Hausschatz teilt mit, ein Schwalbennest unter der Dachtraufe bewahre ebenso vor Einschlag des Wetters wie Hauswurz auf dem Dach. (Das sechste und siebente Buch Mosis, 152)
Im Aberglauben heißt es, eine am Hause nistende Amsel bewahre vor Blitzschlag. Der sorgsame Hausbesitzer achtet darum auf ausreichende Nistmöglichkeiten. Auch ein Eselskopf soll schützen, läßt sich aber weniger leicht beschaffen.
Auch die Anwesenheit des Rotkehlchens soll vor Blitz schützen. (WEHR, 182)
Bei PLINIUS heißt es, vor Hagel- und Blitzschlag schütze der Smaragd, besonders dann, wenn er zu einem Adler oder einem Käfer geschnitten ist.
ins haus wo auf himmelfahrt genäht, oder auch nur eine nadel eingefädelt wird, schlägt das gewitter. (GRIMM, A. 703)
Ein Blitzamulett: Drei junge Kleeblätter, drei junge Erdbeerblätter, jedes an sich wieder dreiteilig und am Johannistag gepflückt, müssen in ein weißes viereckiges Taschentuch eingenäht werden. Das Täschchen muß mit einem Kreuzstich vernäht sein. (STOLL, Zauberglaube, n. STEGEMANN i. Handwörterbuch I,1419)
In einem Aberglauben aus Pforzheim heißt es: ein siebenjähriger hahn legt ein kleines ei, das muß man übers dach werfen, sonst schlägt das wetter ins haus; gebrütet gibt es einen basilisk. (GRIMM, A. 583)
Einen Blitzschlag zu überleben gilt als seltener Glücksfall. Martin Luthers engster Freund soll vom Blitz erschlagen worden sein, direkt neben Luther, der darauf sein reformatorisches Werk begonnen haben soll.
Es ist allerdings ungewöhnlich genug, überhaupt vom Blitz getroffen zu werden, die Trefferquote liegt etwa bei 1 : 1.400.000. Das ist zwar noch deutlich wahrscheinlicher als ein Sechser im Lotto (1: 14.000.000), doch darf das Gewitter insgesamt zu den ungefährlicheren Lebenslagen gerechnet werden, wenn man nicht gerade mitten im Zentrum des Gewitters angelt oder einen Baum erklettert. (Allerdings sind im Mai 2005 in Elmshorn (Schleswig-Holstein) binnen weniger Tage bei zwei Gewittern gleich zwei Menschen zu Schaden gekommen — die Gefahr ist also keineswegs geringzuschätzen!)
Es heißt, wenn durch Einschlag des Blitzes ein Feuer ausgebrochen ist, dann lasse sich der Brand nicht mit Wasser, sondern nur mit Milch löschen. (GRIMM, A. 1001)