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Brot

Die Kunst des Brotbackens dürfte gute 10.000 Jahre alt und damit eine der ältesten menschlichen Kulturtechniken sein. Funde wiesen darauf hin, daß im 5. Jt. v. in Ägypten und Babylonien bereits Sauerteig verarbeitet wurde.

-- Artikel in sammelnder Vorbereitung --

Ein verbreiteter und alter Brauch ist es, Gäste mit Brot und Salz zu begrüßen. Im Russischen bedeutet das aus Chleb („Brot”) und Sol („Salz”) zusammengesetzte Wort Chlebosolstwo „Gastfreundlichkeit”, ein Sprichwort sagt „Brot ist für alles ein Haupt”, womit ausgedrückt wird, daß zu allen Gerichten Brot gehört.

Weil erst das sterbende Korn viele Ähren hervorbringt und auch das Korn zermahlen werden muss, um Brot zu werden ist die Hostia der katholischen Messe in diesem Sinne eine Opfergabe. Als erster Hinweis auf das Opfer von Wein und Brot gilt das Opfer des Melchisedek, als er den Abram trifft (1. Mose 18-20).

Salz und Brot in das neue Haus zu bringen soll seine künftigen Bewohner vor Mangel an Lebensmitteln bewahren.

Damit keine widrigen Geister und Dämonen erzürnt (oder angelockt) werden, verzichtet man während der Zwölfnächte auf das Backen von Brot.

Am Karfreitag gebackenes Brot wird erst dann schimmeln, wenn sein Bäcker unaufricht geworden ist.

Um Hausgeister zu halten beherzige man „schäl keinen Baum, erzähl keinen Traum, back keinen Kümmel ins Brot

Die Verschwendung oder mißbräuchliche Verwendung von Brot gilt als verwerflicher Frevel.
Daß sie Mauerritzen mit Brot ausgestopft hätten ist eine der Vergehen, welche von den Einwohnern der hernach versunkenen Stadt Vineta erzählt wird. Ein Schloß bei Oberkamenz in Böhmen versank, weil das Burgfräulein ausgehöhlte Semmeln als Schuhe getragen hatte, bei Innsbruck ist die Riesenkönigin Frau Hütt wegen des frevelhaften Mißbrauchs von Brot versteinert.

Die dem Brot entgegengebrachte Achtung läßt auch eine Überlieferung aus Friedland erahnen: „Wer ein Stück Brot zur Erde fallen läßt, küßt es gewöhnlich beim Aufheben.” (HINTZ, S. 109, n. FRISCHBIER, 94)

In der Mark sagte man: „Ehe man ein Brot anschneidet muß man drei Kreuze darauf machen, dann sättigt es mehr.” (KUHN u. SCHWARTZ, C. 350)

 

Wohl in keinem anderen Land gibt es so viele Brotsorten wie in Deutschland, wo mehr als 300 verschiedene Arten von Brot und mehr als 1 200 Sorten von Kleingebäck (Brötchen, Brezen usw.) gebacken werden.

Zum Zwecke der Totenbeschwörung soll der angehende Nekromant zuvor einige Zeit ausschließlich Hundefleisch und ungesäuertes und ungesalzenes schwarzes Brot essen.

Ein Rabe versorgte den Elia mit Brot.
Ein Rabe versorgte den hl. Paulus von Theben in seiner Einsiedelei mit Brot.
Den hl. Benedikt bewahrte ein Rabe vor dem Tod, indem er das vergiftete Brot forttrug.

Redensart: „Des’ Brot ich eß, des’ Lied ich sing’.”

 

Bauernregeln zum Brot

„Vor Weihnacht viel Wasser,
nach Johanni (24. Juni) kein Brot.”

„Läßt der März sich trocken an,
bringt er Brot für jedermann.”

 

Brot im Aberglauben

In eine neue Wohnung sollte beim Einzug zuallererst Brot gebracht werden, damit es daran später nicht mangele. (KUHN u. SCHWARTZ, C. 348)

Ehe man ein frisches Brot anschneidet sollte man drei Kreuze darauf machen, damit es mehr sättigt. (aus der Mark, KUHN u. SCHWARTZ, C. 350)

„wer von der mahlzeit aufsteht, soll das brot, davon er gegessen, nicht liegen lassen; nimmt es ein anderer, und wirfts über den galgen, so kann jener dem galgen nicht entgehen” (aus Chemnitz, GRIMM, A. 168)

„wer gestohlen käse oder brot ißt, bekommt das schlucken davon” (aus Chemnitz, GRIMM, A. 188)

„wird ein laib brot auf die braune seite gelegt, so können hexen ins haus.” (aus Worms, GRIMM, A. 548)

„sieht ein hund in den backofen, wo man backt, so wird das brot erlöset oder abgebacken.” (?, aus der „Chemnitzer Rockenphilosophie”, n. GRIMM, A. 32)

Wer Brot ungleich aufschneidet, hat den Tag gelogen. („Chemnitzer Rockenphilosophie”, n. GRIMM, A. 99) Dagegen heißt es: „wer will werden reich, schneide das brot fein gleich.” (ebd., A. 38)

Dem Brot wird bannende Wirkung zugeschrieben. Ein Schatzgräber soll darum Brot mit sich tragen, damit die Gespenster ihn nicht verstören können. (GRIMM, A. 218). In Pforzheim riet man dem erfolgreichen Schatzsucher: „wer einen schatz findet decke kein kleidungsstück darauf, das am bloßen leib getragen wird, sonst ist er des todes, sondern ein schnupftuch, eine brotrinde.” (ebd., A. 612)
In der „Chemnitzer Rockenphilosophie” heißt es: „wäscht man sein geld in reinem wasser und legt salz und brot hinzu, so können der drache und böse leute es nicht holen.” (GRIMM, A. 6)

Burchard von Worms überliefert, daß Frauen zum Zwecke des Liebeszaubers auf ihrem entblößten Gesäß Brotteig kneten und davon dem Mann zu essen geben. (BÄCHTOLD-STÄUBLI i. Handwörterbuch, IV 67)

 

In Bergkirchen warnte man: „Wenn man in den Zwölften Mist austrägt oder bäckt, so wird das Brot schimmelig.” (KUHN u. SCHWARTZ, C. 171)

Eine Gans soll von der Weide zuverlässig heimkehren, wenn man sie dreimal durch die Beine steckt und ihr dabei mit den Worten „lauf hin, in Gottes Namen” drei Bissen gekautes Brot gibt. (Chemnitzer Rockenphilosophie, GRIMM, A. 195)

Wenn man bei der Taufe ein Stück Brot weihen läßt, wird es den Eltern des Kindes nie an Brot fehlen. (Chemnitzer Rockenphilosophie, GRIMM, A. 222)

Brot reagiert empfindlich auf manche Pflanzen:

„Wenn man Hungerblumen (Kornblumen) mit ins Haus bringt, so schimmelt das Brot”, mahnte man in Mellin. (KUHN u. SCHWARTZ, C. 349)

 

Hochzeitsbrot

„schimmelt die rinde des aufbewahrten hochzeitsbrots, so steht eine unzufriedene ehe bevor.” (GRIMM, A. 883, S. 466)

 

Vermischtes

„Die schwarzen Pocken hinterlassen keine Narben, wenn während der Krankheit der Brotteig beim Aufnehmen stets recht glatt gestrichen wird.” (aus Dönhoffstädt, FRISCHBIER, 80)