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 Allmende
 
 

Ernte

Das Mähen, Sammeln oder Roden der reifen Früchte sowie deren Einbringung zu weiterer Nutzung und somit der ger gute Abschluß landwirtschaftlicher Tätigkeit. Auch die so gewonnenen Früchte selbst werden als Ernte bezeichnet.

Zahlreiche Bräuche ranken um den für die menschliche Siedlung so bedeutsamen Vorgang der Ernte. So übergeben die Knechte dem Bauern die Erntekrone, geflochten aus dem zuletzt geschnittenen Getreide, wofür der Bauer sie zum gemeinsamen Umtrunk lädt. Oder die letzte Garbe bleibt bei der Mahd stehen, um den Feldgeistern das ihre zu überlassen, damit die auch im kommenden Jahr freundlich gesinnt sind.

Beispielsweise heißt es: „wer sommers zuerst mit fruchtschneiden auf seinem acker fertig ist, nimmt einen weidenzweig, schmückt ihn mit blumen, und steckt ihn an den letzten fruchtwagen, der eingefahren wird.” (aus Gernsheim, GRIMM, A. 897)

Um 1770 bildete sich das besonders im evangelischen Raum begangene Erntedankfest heraus, das am 1. Sonntag im Oktober gefeiert wird. Dabei werden die Altäre mit Früchten der Ernte geschmuckt und Gott für seine Gnade gedankt.

In biblischen Texten ist mehrfach von der Ernte die Rede. In Palästina erreichen die beiden wichtigsten Feldfrüchte Gerste und Weizen April/Mai ihre Reife, wobei die Reifezeit des Weizens etwa zwei Wochen später liegt. Die Erntezeit ist eine Zeit der Freude (Jesaja 9,2), da nun die mühen der Landarbeit belohnt werden, andererseits der Vernichtung (Joel 4,13, Offenbarung 14,14ff.), da die Ernte mit dem Tod der Getreidepflanzen einhergeht. Gefeiert wurde schon in biblischer Zeit das Mazzotfest (zu Beginn der Gerstenernte) und das Wochenfest, das Ende der Weizenernte gefeiert wird, also sieben Wochen nach dem Mazzotfest (3. Mose 23,15-21). Dieses Fest ist den Juden Fest der Gesetzgebung am Sinai und des Bundesschlusses, die Christenheit machte es zum Pfingstfest. (n. Reclams Bibellexikon, 127)

Etliche Wetterregeln befassen sich mit der Ernte, ist das Wetter doch für Gedeihen der Feldfrucht ebensowichtig wie seine Vorhersage für die Planung der Erntearbeit seitens der Bauern. Siehe unter Juli, August, September, Oktober.

Wenn die Hundsrosen stark blühen, soll dieses eine gute Ernte zu erwarten sein (WEHR, 130).

Schutzpatron für gute Ernte sind Antonius von Padua, Gregor von Nazianz, Isidor von Madrid, Jodokus, Johannes, Markus, Medardus, Vitus (Veit) und Wendelin.

Gegen Ernteschäden hilft Amalberga von Tamise, für gute Heuernte sorgen Gervasius und Protasius und für gute Futterernte garantiert Silvester I.

„im Lüneburgischen heißt das erntefest noch heute vergodensdêl”, was Bezug auf Fru Gode nehmen dürfte. (GRIMM, N. 209)

Die Leute in der Umgebung von Stendal glauben, daß Feld- und Gartenfrüchte, sobald sie am St. Gallentage noch nicht eingebracht sind, dem ersten besten gehören. (KUHN u. SCHWARTZ, C. 476)