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| Dämonen | |
Teufelsaustreibung. Jemand, der einem Besessenen im Namen einer höheren Gottheit Dämonen austreibt, wird Exorzist genannt. Besessen ist der, in dessen Körper ein unerwünschter Geist eingefahren ist und der ihn nun plagt. Vorstufe der Besessenheit ist das Umsessensein, wenn fremde Mächte bereits in der Nähe des Opfers lauern.
In den Körper seines Opfers soll der Dämon oder unsaubere Geist durch eine der Körperöffnungen dringen, etwa durch den offenen Mund. Davor sucht man sich beispielsweise durch Hand-vor-den-Mund-halten beim Husten oder Gähnen zu schützen. Hexen wurde vorgeworfen, ihren Hausgeist in ein Nahrungsmittel zu bringen, bevorzugt einen Apfel, und jenes Nahrungsmittel dem Opfer zur Speise anzubieten (vgl. Eva, Schneewittchen).
Die Besessenheit zeigt sich dann durch Krankheit, Siechtum oder auffälliges Verhalten, besonders dem Gebrauch lästerlicher und roher Kraftausdrücke. Gelegentlich sollen die Besessenen auch urplötzlich Kenntnisse fremder Sprachen oder geheimer Lehren gehabt oder ungewöhnliche Dinge erbrochen haben. Bei Annäherung von Kreuz oder Weihwasser oder dem Vortragen von religiösem Text beginnt der Befallene zu toben und zu fluchen.
Zur Heilung der Besessenheit wurden verschiedene Mittel empfohlen, von Kaltwasserbehandlung und Prügeln (Geißelung) über Wallfahrten bis hin zur Hinzuziehung eines professionellen Teufelsaustreibers, dem Exorzisten.
Zum Gelingen des Exorzismus muß das Ritual streng befolgt werden, damit der Exorzist nicht selbst Opfer des Dämon wird, denn keinesfalls wird der unsaubere Geist freiwillig den Besessenen verlassen. Vielmehr ist ein alle Beteiligten aufs Stärkste herausfordendes Ringen zu erwarten.
In diesem geistigen Kampf gilt es herauszufinden, von welchem Dämon der Besessene geplagt wird und dem Geist den Befehl zur Ausfahrt zu erteilen. Je nach religiösem Hintergrund werden verschiedene Requisiten und beschwörende Formeln (Im Namen der Dreifaltigkeit, der heiligen Maria, der Apostel, Patriarchen und aller Heiligen...) und Requisiten herangezogen, beim christlichen Exorzismus natürlich besonders Bibel, Kreuz, Weihrauch und Vaterunser.
Ist der Dämon ausgetrieben, kann er, es können auch mehrere sein, in die Hölle zurück gebannt oder anderweitig abgeleitet werden. So trieb Jesus etliche Dämonen aus Rasenden aus, die er in eine Herde Sauen bannte (Matthäus 8,28-32, Markus 5,1-13, Lukas 8,26-33) oder Maria Magdalena, der Jesus sieben Dämonen austrieb, das Evangelium berichtet noch weitere solcher Ereignisse, sowohl durch Jesus selbst wie durch seine Anhänger, wodurch der Sieg Jesu über diese Geister der Finsternis Ausdruck finden soll (besonders bei Markus). In Jesu Tradition wird der Exorzismus auch gegenwärtig im katholischen Raum praktiziert, der amtlich bestellte Exorzist ist Träger eines niederen Weihegrades.
Auch Papst Johannes Paul II. soll als Priester Besessenen mittels Exorzismus geholfen haben.
Der rituelle Ablauf des Exorzismus wurde 1614 von Papst Paul V. in der liturgischen Schrift Rituale Romanum schriftlich niedergelegt. 1999 erschien nach zehnjähriger Vorbereitung eine überarbeitete Version des Werkes, das Handbuch De Exorcismis et Supplicationibus Quibusdam.
In protestantischen Ländern wurde der Exorismus im 17. Jahrhundert untersagt, doch treten auch protestantische Geistliche für die Pflege dieses Aufgabenbereichs ein.
Heilige, die gegen Besessenheit schützen sollen, sind unter anderen Bartholomäus, Cyriacus, Leodegar, Mauritius oder Veit.
Hildegard von Bingen riet: Wenn jemand vom Teufel besessen ist, soll man Wasser über den Stein [den Chrysopras] gießen und dabei sprechen ,Ego a aqua, super istum lapidem in virtute illa te fundo, qua Deus solem cum currente luna fecit.’ Dann soll der Unglückliche dieses Wasser trinken. (Edelsteine in der Medizin, 44)
Neben Menschen können auch Tiere oder sogar Gegenstände besessen sein, in solchen Fällen geht man allerdings eher von Verhexung aus. In hartnäckigen Fällen sollte aber durchaus ein Geistlicher zu Rate gezogen werden, etwa wenn der Wagen nicht anspringt — gerade zum Ende des Winters ist Befall durch Frostdämonen zu besorgen.