| < zurück | |
| Familie und Sippe | |
Im christlichem Raum ist der Pate (von lat. pater, Vater, im Sinne von geistlicher Vater) der Zeuge der Taufe (daher auch die Bezeichnung Taufzeuge) und Bürge für die christliche Erziehung des Kindes.
In der katholischen Kirche kennt man neben dem Taufpaten auch den Firmpaten, also den Zeugen der Firmung des jungen Katholiken.
Der veraltete Begriff Gevatter wird auch allgemein für einen guten Freund gebraucht, was auf das von der Patenschaft erhoffte Verhältnis zwischen Paten und Täufling hindeutet.
Um die Patenschaft rankt mancher Aberglauben:
pathengeld macht reich und glücklich (GRIMM, III. A. 219, S. 441).
soll ein kind hundert jahr alt werden, muß man ihm aus drei kirchspielen gevatter bitten (GRIMM, A. 27).
Bekömmt jemand einen Pathenbrief, so muß er ihn sogleich öffnen, dann lernt das Kind leicht sprechen. (aus Pechüle, KUHN u. SCHWARTZ, C. 261)
wer zu gevattern steht, soll etwas dazu borgen, so hat der pathe immer credit (GRIMM, A. 24).
Es ist gut, wenn eine Jungfrau zuerst bei einem Knaben und ein junger Mann bei einem Mädchen Gevatter steht, das bringt Glück beim anderen Geschlecht. (aus Stendal, KUHN u. SCHWARTZ, C. 273)
Am Tag der Taufe sollen alle Taufpaten frische Hemden tragen. Dann könne keine Hexe das Kind bezaubern. (aus Gernsbach im Speierschen, GRIMM, A. 562)
eine schwangere, die gevatter wird, soll das kind nicht selbst aus der taufe heben, sonst stirbt ein kind, das getaufte oder ihr eigenes. (Chemnitzer Rockenphilosophie, GRIMM, A. 176)
Gegen übermäßiges Weinen des Kindes rät ein Aberglaube aus dem Lande ob der Ens: den dritten tag nach der geburt muß der pathe dem kind das weinen abkaufen (ihm ein stück geld in die windel stecken), damit es ruhe erhält. (GRIMM, A. 739)
die pathen sollen dem kind ein löffelchen kaufen, sonst lernt es geifern. (Chemnitzer Rockenphilosophie, GRIMM, A. 48)
Zur Vermeidung des Bettnässens wird geraten: wer zu gevattern stehen will und hat sich schon zur kirche angezogen, soll nicht erst sein wasser abschlagen, sonst thut das pathchen desgleichen ins bett. (Chemnitzer Rockenphilosophie, GRIMM, A. 57)
niemand soll seine gevatterin ehelichen, denn so oft sie sich ehlich vermischen, donnerts. (Chemnitzer Rockenphilosophie, GRIMM, A. 163)
Den Tod nennt man scherzhaft (bzw. euphemistisch) auch Gevatter Hein oder Gevatter Tod.