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| Familie und Sippe | |
Der Nachwuchs ist der wohl bestgehütetste Schatz der Familie. Kein Wunder, sind Kinder doch Leben von einem selbst und zudem die verläßlichste Versicherung für das Alter.
Christliche Schutzpatrone der Kinder sind (neben anderen) Bonaventura, Quiriacus. Patrone kranker Kinder sind Albin von Angers, Kaiserin Kunigunde.
Hier eine kleine Sammlung rund um Kinder:
Reger Nachwuchs soll sich einstellen, wenn sich in der Aussteuer eine Puppe befindet oder wenn das Hochzeitshaus mit Kinderrasseln geschmückt wird (WEHR, 123).
wird das kind, gleich nachdem es aus mutter leib kommt, in einen pelz gewickelt, kriegt es krause haare. (aus dem Lande ob der Ens, GRIMM, A. 734)
ein neugeboren kind lege man nicht zuerst auf die linke seite, sonst bleibt es linkisch. (Chemnitzer Rockenphilosophie, GRIMM, A. 137)
neugebornen mädchen lege man über die brüste ein netz von einer alten weiberhaube, damit sie der alp nicht aussauge. (GRIMM, A. 1104)
läßt man ein neugeborn kind lange ungetauft liegen, bekommt es schöne große augen. (Chemnitzer Rockenphilosophie, GRIMM, A. 375)
Wenn das Kind zur Taufe getragen wird soll die Mutter unterdessen zehnerlei Arbeiten verrichten. Dann werde das Kind recht fleißig und lerne viel, riet man in Stendal. (KUHN u. SCHWARTZ, C. 269)
In Pechüle bei Trauenbrietzen und Rauen bei Fürstenwalde eilt man gleich nach der Taufe mit dem Kinde nach Hause, wo es die Hebeamme erst unter die Bank und dann in die Wiege legt; hier dreht sie es dann mehrmals um und um. (KUHN u. SCHWARTZ, C. 260)
der vater gebe dem kind gleich nach der taufe ein schwert in die hand, so wird es kühn und beherzt. (Chemnitzer Rockenphilosophie, GRIMM, A. 131)
Wenn ein neugeborenes Kind im Hause ist, dürfen nicht zugleich junge Hunde oder Katzen aufgezogen werden, sonst sirbt entweder das Kind oder eins der Thiere, warnte man in Stendal. (KUHN u. SCHWARTZ, C. 274)
geht eine kindbetterin ohne neue schuhe, so muß das kind, wann es laufen lernt, gefährlich fallen. (GRIMM, A. 1064)
In der Chemnitzer Rockenphilosophie heißt es: neugeborne kinder soll man die drei ersten sonntage fein putzen, so stehen ihnen dereinst die kleider schön. (GRIMM, A. 77)
Der Magisch-Sympathetische Hausschatz warnt, ein Kind dürfe in den ersten sechs Wochen nicht vom Mond beschienen werden, da es sonst mondsüchtig werde (in: Das sechste und siebente Buch Mosis, 158).
Aus dem Erzgebirge stammt der Aberglaube, wenn man einen Schlüssel zum Säugling legt, könne er nicht ausgewechselt werden. (GRIMM, A. 484)
läßt man es [das Kind] unter einem jahr in den spiegel sehen, so wird es stolz. (GRIMM, A. 29)
Aus Pforzheim stammt der Aberglaube: ein in der wiege liegendes kind, das einen nicht ansieht, ist eine hexe. GRIMM, A. 637)
Ein Säugling soll bis zum ersten Geburtstag nicht an Blumen riechen, da er sonst den Geruchssinn verliere (WEHR, 133).
Mancherorts glaubt man, den zukünftigen Beruf eines Kindes daraus zu erfahren, daß man vor das Kind an seinem ersten Geburtstage verschiedene Gegenstände hinlegt; welchen es dann wählt, der Gegenstand deutet auf seinen zukünftigen Beruf. Zum Beispiel, es ist ein Schnapsglas, ein Gebetbuch, ein Geldstück vor ihm hingelegt worden, dann wird es ein Säufer, greift es nach dem Schnapsglas, ein Geistlicher, greift es nach dem Gebetbuch, und wohlhabend, greift es nach dem Geldstück. (Magisch-sympathethischer Hausschatz, 126)
In der Chemnitzer Rockenphilosophie heißt es: werden dem kind unter einem jahr rothe schuh angezogen, so kann es kein blut sehen. (GRIMM, A. 40)
In Halberstadt hieß es: Wenn man einem Kinde die ersten Schuhe kauft, so darf man nichts abhandeln. (KUHN u. SCHWARTZ, C. 440)
In Gernsbach im Speierschen mahnte man, einem Kind, ehe es einjährig, keine Kleider anzumessen. Tue man es doch, bekommt das Kind einen unförmigen Leib. (GRIMM, A. 580)
Ein Kind soll nicht während der Baumblüte entwöhnt werden, sonst bekomme es graue Haare, mahnte man in Osterode am Harz. (GRIMM, A. 767)
wenn eine frau auf dem markstein des scheidewegs sitzend ihr kind stillt, bekommt es nie zahnweh (ebd., A. 1008).
Kleiner Kinder Wachsthum darf man nicht messen, sonst wachsen sie nicht mehr, warnte man in Berlin. (KUHN u. SCHWARTZ, C. 437) Aus gleichem Grund, so mahnte man in Stendal, darf man sie auch nicht unter den Beinen Erwachsener weglaufen lassen oder über sie hinwegschreiten und muß sie, hat man sie durch ein Fenster gehoben, durch das selbe Fenster wieder ins Haus holen. (ebd., C. 461 u. C. 462) In der Chemnitzer Rockenphilosophie heißt es: wenn man über ein kind schreitet, wird es nicht größer. (GRIMM, A. 45)
Zum Zahnen der Kinder siehe den Artikel zum Zahn.
Wenn Kinder schwer gehen lernen, wird der hl. Tillo von Solignac angerufen.
kleine kinder nenne man nicht krebschen, sonst verbutten sie, weil die krebse rückwärts kriechen. (aus Chemnitz, GRIMM, A. 9)
Kleine Kinder sollen besonders unter den Nachstellungen dämonischer Wesen zu leiden haben.
Wilhelm von Auvergne (1180 bis 1249) und Gervasius von Tilbury (um 1152 bis 1221/8) führen die Lamien an. Das sind Hexen, die nachts in Häuser eindringen und kleine Kinder verzehren. (LECOUTEUX, 24f.)
In Bielefeld mahnte man: tritt eine alte, mit triefenden augen, ins haus, redet ein kind an und liebkost es, so behext sie es. (GRIMM, A. 787)
Ist ein Kind wohlgeraten und wird es deshalb übermäßig gelobt, so soll es davon verrufen (behext) werden können (FRISCHBIER, 3).
Von einem siebenjährigen Kinde gesponnenes Garn macht kugelfest, meinte man in Liepe. (KUHN u. SCHWARTZ, C. 441)
siehe auch Schwangerschaft