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| Familie und Sippe | |
Eine Frau in der Zeit des Kindbetts, also in den sechs bis acht Wochen nach Ausstoßung der Nachgeburt, während der der weibliche Körper mit der Milchproduktion beginnt und sich Gebärmutter und Scheide wieder in den Zustand vor der Geburt umwandeln.
Eine besonders früher gefürchtete, noch heute in Deutschland meldepflichtige Erkrankung während dieser Zeit ist das Kindbettfieber.
Dieser nicht ungefährliche Lebensabschnitt ist von zahlreichem Brauchtum und Aberglauben umrankt.
wer in eine wochenstube mit einem tragkorb kommt, muß einen span vom korbe brechen und in die wiege stecken; sonst nimmt er der mutter oder dem kind die ruhe mit weg. (GRIMM, A. 1)
stirbt eine wöchnerin, wasche man ihre plätsche (suppenschüssel) sogleich aus, sonst kommt sie wieder. (GRIMM, A. 1049)
Zur Verhinderung des Wiedergangs gab man ihnen verschiedene Utensilien zur Kinderpflege mit ins Grab, oder der Dorfpfarrer bannte sie vor versammelter Gemeinde (WEHR, 226).
sieht eine wöchnerin einer leiche nach, so bekommt ihr kind keine farbe. (GRIMM, A. 1064)
geht eine kindbetterin ohne neue schuhe, so muß das kind, wann es laufen lernt, gefährlich fallen. (GRIMM, A. ?)
Im Lande ob der Ens warnte man: in den sechswochen darf die frau nicht spinnen, weil U. L. F. auch nicht gesponnen. sonst wird aus dem garn ein strick fürs kind. (GRIMM, A. 733; U. L. F. = Unsere liebe Frau, näml. die Maria) So heißt es auch in der Chemnitzer Rockenphilosophie: spinnt eine sechswöchnerin wolle, hanf oder flachs, so wird das kind dereinst aufgehängt. (GRIMM, A. 240)
Eine Wöchnerin soll keinesfalls Nadeln in Vorhänge stecken, da das Kind sonst böse Zähne bekomme. (Chemnitzer Rockenphilosophie, GRIMM, A. 458)
In der Chemnitzer Rockenphilosophie riet man zur Vorbeugung vor geisterhaften Kinderräubern: in einer wochenstube lege man an jede thür einen strohhalm aus dem wochenbette, so kann das Jüdel und kein gespenst in die stube. (GRIMM, A. 389)
Eine römische Göttin der Wöchnerinnen ist Carmentis.