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Rot

Wohl keine andere Farbe hat für den Menschen eine stärkere Signalfarbe als ein kräftiges Rot. Zum Einen ist Rot (bei Tageslicht) meist hervorragend sichtbar und auffällig, zum anderen erinnert es mit seiner Farbe an den Lebenssaft, der besonders im Kampf hervortritt, einer Situation allerhöchster Anspannung. Rot ist somit prädestiniert als Schreck- und Warnfarbe. Aber auch bei der Liebe gerät das Blut in Wallung, Rot ist darum Farbe sowohl des Krieges als auch der Liebe.
Faszination und Schrecken übt gleichermaßen auch das Feuer aus, Rot ist darum auch Farbe des Feuers (vgl. Fahrzeuge der Feuerwehr).

 

Sammlung zur Farbe Rot

Rot steht als Farbe des Blutes für das körperliche Innere des Menschen.

„Schon der Cro-Magnon-Mensch bestreute seine Toten mit Rötel (gebrannte Ockererde, um ihnen die Farbe des Lebens zu geben.” (Edelsteine in der Medizin II,, 9)

Gemäß der Lehre, das Ähnliches Ähnliches heile, werden in der Lithotherapie (Heilen mit Edelsteinen) rote Steine bevorzugt zur Behandlung von Erkrankungen des Blutes und des Herzens eingesetzt (z. B. Granat, Rubin, Koralle, roter Jaspis, Hämatit).
Vorbeugend sollen rote Steine die Lebenskraft steigern: „Henrik Ranzau gibt seinen Söhnen folgenden Rat: ,Am Ringfinger der linken Hand solltet ihr Ringe mit Smaragden, Saphiren oder roten Edelsteinen tragen.’” (in: Sechstes und siebentes Buch Mosis, 198)

Ähnlich verhält es sich mit rot blühenden Pflanzen.

Einen „roten Hahn auf das Dach setzen” meint ein Gebäude abbrennen.

„Bei Hochzeiten bekommen im Havellande, z. B. in Liepe, der Prediger und Küster ein Glas Bier, ein Licht und einen Rosmarinstengel, mit einem Faden rother Florretseide umwunden; von dieser trägt auch die Braut einen Faden um den Hals; diesen nennt man die Brautseide.” (KUHN u. SCHWARTZ, G. 282)

In der „Chemnitzer Rockenphilosophie” heißt es: „werden dem kind unter einem jahr rothe schuh angezogen, so kann es kein blut sehen.” (GRIMM, A. 40)

Ein rotes Tuch soll beim Stierkampf den Stier reizen, im übertragenen Sinne sagt man „der ist ein rotes Tuch für mich”, wenn man auf einen Menschen abzielt, den man nicht ausstehen und am liebsten erwürgen (wenn auch nur verbal) würde.

Von roter Farbe ist das sagenhafte Gold der Nibelungen. Er stammt vom Ring des Zwergen Andwari her.

Die rote Farbe, mit der im Kalender die Festtage gekennzeichnet sind, stammt aus germanischer Zeit. Damals wurden im Runenkalender mit roter Farbe die Todestage der Helden markiert. Diesen Brauch übernahm später das Christentum (AU, 178).

Rot ist die Farbe des Herrschers, wie blau die Farbe des spirituellen Menschen ist. So ist Purpurrot die Farbe der Könige und der Kardinäle.
Als Farbe von Macht und Herrschaft klingt das Rot auch im roten Teppich an, wie er bei festlichen Empfängen ausgelegt ist.

Die Farbe Rot steht für den „roten Planeten” Mars (laut G. BRAUNGER besonders Hellrot, Dunkelrot entspreche dem Pluto; in: CHOCRON, 133) und die Tierkreiszeichen Widder und Skorpion.

In alchemistischem Zusammenhang ist die Farbe Rot dem Element Feuer zugeordnet (im Traktat „Quadripartitium Hermetis”, n. BIEDERMANN, 143).

Rot ist eine der liturgischen Farben der katholischen Messe. Diese Farben sind einzelnen Festen und Sonntagen zugeordnet und man findet sie auf Tüchern vor Altar und Kanzel oder am Gewand des Priesters.
Rot gilt dabei als Farbe des Feuers, des Heiligen Geistes, der Liebe, der Königswürde, der Märtyrer und Blutzeugen, deren Blut laut Kirchenvater Tertullian zum „Samen für neue Christen” wurde. Üblich ist die liturgische Farbe Rot zu Pfingsten, am Palmsonntag und am Karfreitag.

Die Farbe Rot ist nach biblisch-jüdischer Überlieferung die Farbe der Sünde, der das Weiß gegenübersteht: „Wenn eure Sünde gleich blutrot ist, soll sie doch schneeweiß werden.” (JESAJA 1,18)

In Berlin meinte man, Rothaarigen sei nicht zu trauen: „Rother Bart, Teufels Art.” (KUHN u. SCHWARTZ, C. 435)
Ähnlich ist der Spruch: „Rote Haare / Sommersprossen / sind des Teufels Tischgenossen.”
Der nordische Gott Thor, im Süden als Donar bekannt, soll einen roten Bart besitzen und wurde im Zuge der Christianisierung diabolisiert.

Rot gilt im politischen Sinne als Farbe kommunistischer oder sozialistischer Bestrebungen, in der Bundesrepublik Deutschland gelten SPD und PDS als „die Roten”, in Österreich ist es die SPÖ. Bereits 1917 hatte Lenin Rot zur Farbe seines Umsturzes im damaligen Zarenreich Rußland erkoren (darum „Rote Armee”, rote Fahne der KPdSU und anderer kommunistischer Parteien, Parteizeitung „Rote Fahne” usw.). Aber auch das Banner der Nationalsozialisten war ein roter Grund mit der weißen Scheibe und dem rechtsdrehenden schwarzen Hakenkreuz.

Das Rot in den Staatsflaggen vieler arabischer Länder bezieht sich auf die (früher oder noch immer) dort herrschende Familie der Haschemiten, die ihre Herkunft auf Mohammed, den Propheten des Islam, zurückführt und die ein rotes Banner führt (Irak, Jordanien, Syrien).

Verkehrszeichen mit Warn- und Verbotsfunktion enthalten stets eine deutliche rote Komponente (z. B. die Grundfläche des Stopschildes, das rote Licht an der Ampel, der rote Rahmen beim Vorfahrt-gewähren-Schild, Schranken). Die rote Laterne markiert das Ende einer Kolonne bzw. die Schlußleuchte an Fahrzeugen und soll vor Auffahrunfällen bewahren.

Das rote Licht steht für Prostitution („Rotlichtbezirk”).

Rote Edelsteine sind roter Jaspis, Karneol, Rubin.