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Als Fluß bezeichnet man einen natürlichen Wasserlauf von gewisser Beständigkeit in Hinblick auf seine Lage und auf die Regelmäßigkeit seiner Wasserführung.
Sehr kleine derartige Wasserläufe bezeichnet man als Rinnsal oder Bach, sehr große als Strom. Der typische Fall ist, daß aus einer Quelle oder durch Niederschläge ein Rinnsal gespeist wird, das nach Zufluß einiger weiterer Rinnsale zum Bach und vereinigt mit weiteren Bächen zum Fluß wird.Fließen mehrere Flüsse zusammen und ist die Wassermenge dadurch von einiger Bedeutung, so spricht man von einem Strom.
Sonderformen, soweit überhaupt als Fluß im weiteren Sinne zu betrachten, sind der Gletscher, dessen Wasser vereist ist und der Priel, der in erster Linie nicht von einer Quelle, sondern vom Meer gespeist wird und der an schlammigen (Watten- und Mangroven-) Küsten zu finden ist.
Zeitweise trockenfallende Flußbetten, deren Wasserführung periodisch an die Jahreszeiten gekoppelt sind, kommen besonders in niederschlagsarmen Gebieten vor, beispielsweise die Fiumare und Torrenten des Mittelmeerraums. Nur gelegentlich nach starken Niederschlägen wasserführende Flußbetten in Wüstengebieten bezeichnet man als Wadi oder Rivier.
Künstliche, flußähnliche Wasserläufe sind der Vorfluter (norddt. Wedder), der Graben und der Ab- bzw. Regenwasserkanal.
In den natürlichen, frei ihr Bett gestaltenden Wasserläufen mit ihrem ständig sich ändernden Erscheinungsbild und ihrem munteren Glucksen belebte Wesen zu erkennen, liegt nahe. Entsprechend zahlreich sind die Flußgottheiten oder geisterhafte Wesen, die in solchen Gewässern leben sollen bzw. diese selbst sein sollen.
Im Weltbild des antiken Griechenland waren — so steht es bei HOMER — die Flüsse Nachkommen des Okeanos (Ilias XXI, 196f.) und der Tethys.
Okeanos selbst war Flußgott und gedacht als gewaltiger Strom, der die Erde und auch die Unterwelt des Hades durchfließt, dabei gleichzeitig die äußersten Grenzen der Erde markiert.
Griechische Mädchen badeten vor der Hochzeit in Flüssen. (KERÉNYI, 19)
Der Grieche HESIOD mahnte: Nie ... durchwate das schön flutende Wasser, eh’ du mit Blick zum schönen Gewässer gebetet und die Hände im lieblich-hellen Wasser gewaschen hast. Wer einen Fluß durchquert, unwürdig und unrein an Händen, dem zürnen die Götter und senden ihm späterhin Leiden. (Werke und Tage, 736-741)
Weiter mahnt HESIOD: Pisse nie in die Wogen mehrwärts strömender Flüsse, nie auch in Quellen, nein, meide es gründlich. Entleere auch dort nicht den Leib, denn es bringt dir nichts Gutes. (ebd., 757-758)
Nach der isländischen Edda entströmen die Flüsse dem Geweih des Hirsches Eikthyrnir. Der äst das Laub des Baumes Lärad (vielleicht das Laubdach des Weltenbaumes Yggdrasil) und von seinem Horngeweih tropft es nach Hvergelmir: Davon stammen alle Ströme (Grimnirlied, 26).
Von diesem Dach der Welt rinnen die Flüsse durch Götterwelt Asgard und Menschenwelt Midgard herab in die Totenwelt der Hel, wo sie tief unten die drei Wurzeln der Weltenesche Yggdrasil aufsaugen.
Größter aller Flüsse ist nach SNORRI der Strom Wimur, in dem Thor und Loki einmal fast ertrunken wären. Er liegt zwischen der Wohnung der Riesin Grid und der des Riesen Geirröd (Skaldskaparmal, 60).