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| Künste, Gewerke und Gerät | |
Eine alte Kulturtechnik. Beim Spinnen werden nebeneinander angeordnete relativ kurze Fasern miteinander verdrallt und so ein Faden genenntes Gespinst beliebiger Länge erzeugt.
Die alten Griechen kannten die drei Moiren, von denen die eine den Lebensfaden spinnt, die andere ihn aufspult und die dritte ihn abschneidet.
In Litauen sagte man, die Werpeja (Spinnerin) beginne den Faden den Faden der neugeborenen am Himmel zu spinnen und jeder Faden endee in einem Stern. Naht der Tod des Menschen, dann reiße sein Faden und der Stern und falle erbleichend als Sternschnuppe nieder. (GRIMM, 602)
In Deutschland wurde besonders die Frau Holle bzw. Frau Hulla mit dem Flachs und dem Spinnen in Verbindung gebracht:
Zwei Kinder, die auf dem Kyffhäuser Frau Hulle mit ihrem Flachs dort sitzen und spinnen sahen. Die Kinder bekommen jeder ihre Taschen voll mit Flachsknotten. Die meisten warfen ihre auf dem Heimweg fort, nur eines behielt seine und hatte daheim seine Taschen voll Gold. (KUHN u. SCHWARTZ, S. 245,2)
Die wichtige Kulturtechnik des Spinnens ist von einer Vielzahl abergläubischer Vorstellungen umwoben, insbesondere gibt es eine Reihe tabuisierter Zeiten, in denen nicht gesponnen werden dürfe:
In der Chemnitzer Rockenphilosophie heißt es: in den zwölften soll man die obstbäume keinen spinnrocken sehen lassen, sonst gibt es kein obst. (GRIMM, A. 399)
Links der Weser, um Höxter, Polle bis nach Bodenwerder meinte man, wer an Großneujahr oder in den Zwölften spinne oder haspele, der erhalte statt des Garns Blutwürste oder Bratwürste. Andernorts hieß es, man spinne sich dann Kröten ins Haus. (KUHN u. SCHWARTZ, C. 153)
Auf Usedom und Wollin hieß es, wer in den Zwölften gesponnenes Garn trägt, den fresse der Wolf. (KUHN u. SCHWARTZ, C. 164)
spinnt eine magd sonnabends den rocken nicht ab, so wird aus dem übrigen flachs oder werg kein gut garn und bleicht nimmermehr. (GRIMM, A. 130)
In der Gegend um Ansbach sagte man: wer samstag abends spinnt, spukt nach seinem Tod. (GRIMM, A. 680)
Auch in der Altmark und in Meklenburg meinte man, Sonnabends nach Sonnenuntergang dürfe nicht mehr gesponnen werden. In Rocklum bei Wolfenbüttel ergänzte man: sonst nesteln de mûs (Müse) in. (KUHN u. SCHWARTZ, C. 356)
Der Donnerstag soll zum Zaubern besonders geeignet sein. (FRISCHBIER, 7) Darum dürfe an demselben nach dem Abendbrote nicht mehr gesponnen werden. (ebd., 10)
In der Altmark sollte man nicht nur Sonnabends, sondern auch Donnerstags Abend nicht spinnen. (KUHN u. SCHWARTZ, A. 356) In Plauen hieß es, man dürfe zu Michaelis (29. September) nicht spinnen. (KUHN u. SCHWARTZ, A. 119)
In der Gegend von Querfurt und Sangerhausen heißt der Aschermittwoch Knoblichsmittwoch. An diesem Tag darf nicht gesponnen werden, weil man sonst krumme Gänse und Küchel bekomme. (KUHN u. SCHWARTZ, C. 10)
Im Lande ob der Ens warnte man: in den sechswochen darf die frau nicht spinnen, weil U. L. F. auch nicht gesponnen. sonst wird aus dem garn ein strick fürs kind. (GRIMM, A. 733; U. L. F. = Unsere liebe Frau, näml. die Maria) So heißt es auch in der Chemnitzer Rockenphilosophie: spinnt eine sechswöchnerin wolle, hanf oder flachs, so wird das kind dereinst aufgehängt. (GRIMM, A. 240)
Von einem siebenjährigen Kinde gesponnenes Garn macht kugelfest, meinte man in Liepe. (KUHN u. SCHWARTZ, C. 441)
Die Chemnitzer Rockenphilosophie gibt folgende Empfehlung wieder: wenn weiber garn sieden, sollen sie dabei lügen, sonst wird das garn nicht weiß. (GRIMM, A. 7)
Eine besondere Spinnerin ist die Spinnerin im Monde