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 Künste und Gewerke
 
 

Bauer, Ackermann, Landwirtschaft

-- Artikel in gemächlicher Sammlung --

Das lateinische Wort für Bauer, agricola, kommt vom griechischen colon, das auch in Kolonisation enthalten ist. Der Bauer ist also einer, der ursprünglich unkultiviertes Land kolonisiert.

 

Es heißt, der Pflug sei erfunden worden, nachdem im silbernem Zeitalter die Landwirtschaft erforderlich wurde.

Der erste der Landwirte war laut biblischer Überlieferung der Kain, der als Nachkomme der aus dem Paradies vertriebenen pflanzliche Opfer darbot.

Nach antiker griechisch-römischer Mythologie war es die Göttin Demeter, die den Menschen das Getreide brachte und zu bauen lehrte. (OVID, Metamorphosen, 5.341f.)

Pflug und das Ochsengespann soll Dionysos erfunden und die Menschen gelehrt haben.

Im Norden wurde dem Niördr zugesprochen, die Menschen im Ackerbau unterwiesen zu haben (SNORRI, n. GRIMM, I. 180).

 

Christliche Schutzpatrone der Bauern gibt es viele. Ihrem Beruf insgesamt schützen Alban von Mainz, Amalberga von Tamise, Antonius der Große, Barbara, Bartholomäus, Cornelius, Eligius, Georg der Märtyrer, Guido von Anderlecht, Isidor von Madrid, Johannes der Täufer, Lambert von Maastricht, Leonhard von Noblat, Lucia, Medardus, Nikolaus von Myra, Notburg von Rattenberg, Rochus von Montpellier, Theobald von Provins, Walburga und Wendelin. Außer dem Bauern selbst sind auch seine Knechte und Mägde (Sibyllina Biscossi) besonders geborgen. Allgemein um Knechte sorgen sich Anna, Eligius, Guido von Anderlecht und Onesimus, den Landarbeitern steht Barnard bei, den Heuarbeitern Gervasius und Protasius.

Weiter gibt es Schutzpatrone für etliche Einzelbelange rund um Ackerbau und Viehzucht. In allen Anliegen kann der Bauer den hl. Leonhard um Beistand bitten.
Für die Fruchtbarkeit der von Eustasius behüteten Felder sorgt Paulus, bei Unfruchtbarkeit der Felder hilft Florian.
Nach einer dank St. Vitus (Veit) guten Saat, welche unter dem Schutz des Pankratius aufkommt und dank Sophia von Rom wächst, sorgen Jakobus der Ältere, Martin von Tours, Petrus der Märtyrer oder Walburga für weiteres Gedeihen der Feldfrüchte, die insgesamt von Gertrud von Nivelles und Katharina von Alexandria beschützt werden.

Spezialisierte Hüter der Frucht sind Jakobus der Ältere, der für das Gedeihen der Äpfel und Sixtus II., der sich um die Bohnen sorgt.

Verlief das Wachstum glücklich, so darf dank Antonius von Padua, Gregor von Nazianz, Isidor von Madrid, Jodokus, Johannes, Markus, Medardus, Vitus (Veit) und Wendelin auf eine gute Ernte gehofft werden, sofern Amalberga von Tamise Ernteschäden verhinderte, Maginold übermäßiges Feldungeziefer abgehalten und Jodokus den gefürchteten Getreidebrand verhindert hat. Dann haben Gervasius und Protasius für gute Heuernte oder Silvester I. für gute Futterernte gesorgt.

Auch die Viehwirtschaft ist nicht ohne himmlischen Schutz, dessen Belange siehe unter Hirten und Haustiere.

Der Landwirtschaft verwandte Tätigkeiten siehe unter Weinbau, Bäcker, Brauer oder Müller. Mit diesen verhandelt übrigens der unter dem Schutz des Nikolaus von Myra stehende Kornhändler, während der Gastwirt ihre Produkte feilhält.

Im Aberglauben heißt es: „wer frühjahrs sieht ,den ersten bauer im pfluge, die erste schwalbe im fluge’, der hat ein gutes jahr.” (GRIMM, A. 1086)

 

Bauernregeln

Durch jahrhundertelange Beobachtung sammelten Jäger, Fischer, Seeleute und besonders die Bauern eine Fülle von Wissen über die Zusammenhänge des Wettergeschehens, die in zahlreichen Wetterregeln überkommen sind. Andere Regeln befassen sich mit günstigen Zeitpunkten für Viehtrieb, Holzeinschlag und weitere ländliche Tätigkeiten. Einige dieser Weisheiten klingen abstrus, anderen bescheinigt auch die moderne Metereologie brauchbare Zuverlässigkeit - warum auch sollten sich die Bauern Blödsinn über eine Sache ausdenken, mit der sie tagtäglich zu tun haben?

Eine Sammlung von Bauernregeln findet sich unter den jeweiligen Monaten, Januar, Februar, März, April, Mai, Juni, Juli, August, September, Oktober, November und Dezember sowie auf den Seiten zu den einzelnen Tagen („Heute” siehe Link im Datum oben).

 

Aberglaube aus der Landwirtschaft

Der Landmann verwahrt die Schale der zu Ostern geweihten Eier und verstreut sie auf seinen Feldern. Das soll diese gegen Hagelschlag schützen.
Unter das Dach der Scheune gehängt sollen die Schalen vor Feuer feihen.

Im Württembergischen sagte man: „ein bauer, der zum andern das erstemal in den stall tritt und nicht sagt: glück herein! ist ein hexenmeister.” (GRIMM, A. 670)