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 Künste und Gewerke
 

Dieb und Diebstahl

Wer einem Anderen eine Sache widerrechtlich und heimlich wegnimmt, der ist ein Dieb.

Im 1930 erschienenen zweiten Band des Handwörterbuchs des deutschen Aberglaubens heißt es: „Der Diebstahl ist ob seiner eine niedere Gesinnung zeigenden Missetat schon in der ältest bekannten Rechtsanschauung der germanischen Ackerbaustaaten, im Gegensatz zu manchen Spuren antiker Auffassung, durchaus verachtet und strafwürdig. Heimlichen Diebstahl, Neidingswerk (obd. unêrliche sache) zu verüben, steht dem kraftvollen Germanen nicht an. (...) Heute noch ist dieses Vergehen in ausgeprägt germanischen Ländern, auch in Städten, viel ungewöhnlicher als im Süden.” (BÄCHTOLD-STÄUBLI, II, 197)

Schutzgott der Diebe war bei Griechen und Römern der Hermes bzw. Merkur. Dieser Gott stand auch den Kaufleuten vor.

Die „Peinliche Gerichtsordnung” Kaiser Karls V. (1519 bis 1556) bestimmte: Wird jemand betretet, der zum drittenmal gestohlen hat, ... das ist ein mehrfach verleumdter Dieb, und (wird) auch einem Vergewaltiger gleich geacht, und soll darum vom Leen zum Tod gestraft werden. (zit. n. KUNZE, 342)

Als diebisch gelten nicht nur Menschen, sondern auch viele albische Geister, besonders Zwerge, von den Vögeln die Elster.

 

Mittel gegen Diebstahl und zur Diebesjagd

Magische Puppen sollen sich befragen lassen, um von ihnen den Namen eines Diebes zu erfahren. (HABIGER-TUCZAY, 247)

Zur Diebesjagd wird der Wacholder genutzt. Dazu begibt man sich vor Sonnenaufgang zu einem solchen, biegt mit der linken Hand einen der Äste nach Osten hin zum Boden hinunter und beschwert ihn mit einem Stein. Man spreche „Wacholderstrauch ich tue dich bücken und drücken bis der Dieb sein gestohlenes Gut wiedergebracht hat.” Nun wird der Dieb bald kommen und sich offenbaren. Sobald der Dieb aber das Gestohlene zurückgegeben hat, muß man den Stein entfernen (FISCHER-RIZZI, 167).

„in diebsfußstapfen lege man brennenden zunder: dadurch wird er gebrannt und verrathen.” (GRIMM, Dt. Mythol., A. 978) In Worms meinte man, wenn ein Dieb bei Regen stiehlt und seine Fußabdrücke im Gras hinterläßt und man das betreffende Rasenstück aussticht und in den Schornstein hängt, dann welke wie das Gras auch der Dieb dahin. (GRIMM, A. 556)

Um Diebe ausfindig zu machen, soll man — laut „magisch-sympathetischen Hausschatz” — vor dem Schlafengehen die ersten vier Bücher Mose aus dem Alten Testament herausreißen, davon drei Blätter nehmen, sie über Kreuz legen, in der Mitte zusammennähen und sie in der linken Ecke des Kopfkissens anbringen, die übrigen Blätter soll man unter den Kopf legen. Alsbald solle der Dieb im Traum erscheinen (Das sechste und siebente Buch Mosis, 105).

In Bielefeld sagte man: „wickeweiber zeigen den dieb an, und zeichnen ihn an seinem leib.” (GRIMM, A. 790)

Wer bestohlen wurde, soll sich die Wegwarte als „Inkubationsmittel” unters Kopfkissen legen. Im Traum erkenne er dann den Dieb. (SCHRÖDTER, 131)

Vorbeugend gibt es gegen Diebstahl eine ganze Reihe magischer Praktiken. Mancher spuckt neben die Frontseiten oder an die Ecken seines Hauses, andere schreiben die Cabeme, das Zeichen für die Heiligen Drei Könige oder die Satorformel an die Tür, macht am Heiligen Abend drei Kreidekreuze ans Gebälk usw. (MALA, 64f.). Speziell zum Schutz vor BBüchern siehe hier.

Christlicher Schutzpatron gegen Diebstahl ist Petrus, speziell gegen den Diebstahl von Pferden Kastulus.

 

Erleichterung des Diebstahls

Natürlich gibt es auch Empfehlungen, die den Diebstahl erleichtern sollen.

Die abgetrennte Hand eines Gehenkten soll Schlösser öffnen und, wenn sie angezündet wird, alle Menschen in ihrer Umgebung in lähmenden Schlaf fallen lassen. Solche Main de la gloire genannte Leichenhand ist daher Dieben begehrtes Werkzeug.

Bei den Slawen warf mancher Dieb den Knochen eines Toten über das Dach des Hauses, in das er einbrechen wollte und sprach dazu: Wie dieser Knochen aufwachen kann, so mögen auch diese Leute aufwachen. Solcher Zauber sollte die Hausbewohner in tiefen Schlaf versetzen. Auf Java streuten Einbrecher zu gleichem Zweck Graberde um das auszuraubende Haus. Derlei Bräuche sind sehr verbreitet. (FRAZER, 43)

Der „Magisch-Sympathetische Hausschatz” empfiehlt, während der Predigt in der Silvesternacht vom Hof des Nachbarn Holz zu stehlen. Dann werde einen das ganze kommende Jahr über der Förster nicht ertappen, wenn man verbotenerweise im Walde Holz holt Das sechste und siebente Buch Mosis, 136).

Im Samland meinten Diebe, wenn sie rückwärts das zu bestehlende Haus beträten, seien sie vor Entdeckung sicher. Ebenso soll ihrer Untat förderlich sein, vor der Tat ein „großes Geschäft” zu erledigen. Solange der Haufen warm bleibt, würden sie nicht ertappt. (FRISCHBIER, 112)

Dieben riet man, sich die bannende Wirkung des Wassers nutzbar zu machen. Es heißt: „der dieb soll etwas vom gestohlnen ins wasser werfen.” (GRIMM, A. 826)

 

Wozu Diebesgut zu verwenden sei

„Setzt man eine Henne, eine Gans oder eine Ente zum Brüten, so hat man, soll die Brut gedeihen, die Eier in eine Männermütze, am besten in einer heimlich weggenommenen, in das Nest zu tragen. So riet man in Angerburg und Königsberg.” (FRISCHBIER, 127)

Zum Neubau eines Hauses soll man geschenktes, gekauftes und gestohlenes Holz verwenden.

Man soll den Hennen einen gestohlenen Sandwisch ins Futter legen, damit sie ihre Eier nicht verlegen. (Chemnitzer Rockenphilosophie, GRIMM, A. 431)