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   Künste, Gewerke und Gerät
 

Glas und Glaserei

Das hochdeutsche Wort Glas kommt vom germanischen Wort glesum, womit die Alten des Nordens den durchschimmernden Bernstein meinten (TACITUS, Germania 46). Über das lateinische glaesum kam der Begriff für das Glas, das die Germanen von den Römern kennenlernten, ins Deutsche zurück.

Die Kunst des Glasmachens (Glas ist eine Schmelze aus Sand und Soda) war schon viertausend Jahren v. Z. in Mesopotamen bekannt.

In Sagen, Legenden und Märchen gibt es häufig die Schilderung von gläsernen Palästen, es gibt das Glasmännlein und gläserne Berge, deren glatte Wände nur mühsam zu überwinden sind.

In der biblischen Offenbarung wird das Glas mit dem Gold verglichen. Das „reine Gold”, aus dem das neue Jerusalem erbaut sei, sei gleich dem „reinem Glase” (21.18). Gleich durchscheinendem Glas seien die aus „lauterem Gold” bestehenden Gassen der Stadt (21.21).

Die Sagen und Lieder kennen irdische Glasberge und Glasburgen als Aufenthalt der Helden und weiser Frauen. Brynhild wohnt im glatten unersteigbaren glarbjerg (...), im Wolfdietrich (...) erscheinen vier Glasberge, ein Glashaus in der Luft kommt schon im altfranzösischen Tristan (...) vor. (GRIMM, II, 685)

Ein gläserner Berg wird als erstrebenswertes Ziel gesehen, ähnlich dem Paradies. Ihn zu erlklimmen fällt den mit Sünden oder irdischem Reichtum Beladenen schwer, da er dauernd an den glatten Wänden abgleitet.
In Polen kennt man den szklanna gora (gläserner Berg), den die verdammten Seelen zur Strafe ersteigen müssen, und wenn sie den Fuß auf den Gipfel setzen, gleiten sie aus und stürzen herab. (GRIMM, II, 689)

Im deutschen Märchen darf „das mädchen, das ein hünkelbein mitnimmt, um es (wie die bärenklaue) in den glasberg zu stecken und zuletzt seinen kleinen Finger abschneidet, um ihn endlich zu erklimen oder aufzuschließen”, angesehen werden, „als suche es seine verlorenen Brüder in der Unterwelt auf.” (GRIMM über Die sieben Raben, KHM No. 25, in: Deutsche Mythologie, II, 698)

„Henrik Ranzau gibt seinen Söhnen folgenden Rat: ,(...) Im Munde solltet ihr zuweilen einen Amethyst halten, etwas Kristall [=Bleiglas], einen Granat oder etwas reines Gold oder Silber.’” (in: Sechstes und siebentes Buch Mosis, n. BAUER, 198)

Christlicher Schutzpatron der Glasmacher ist St. Mauritius.