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 Künste und Gewerke
 

Hirte, Schäfer

Der Beruf des seine Herde hütenden Schäfers ist symbolisches Vorbild für die geistliche Führerschaft über die Gemeinde. Der Hirte sorgt für seine Herde, indem er sie zusammenhält, vor Feinden bewahrt zu fruchtbarer Weide führt. Er sorgt für Gedeihen und Vermehrung, Erkrankten steht er bei. Andererseits ist der Schäfer der größte Feind der Schafe seiner Herde: Er wählt aus, welches Schaf als nächstes zur Schlachtbank geführt wurde.

Der Hirte eines Dorfes hatte innerhalb der Dorfgemeinschaft eine besondere Stellung, lebte er doch lange Zeit des Jahres einsam außerhalb der Siedlung, wo er auf der ehedem üblichen Allmende die Tiere der Dorfgemeinschaft weidete. Da er für den Viehreichtum aller verantwortlich war, mußte der Hirte gute Kenntnisse vom Verhalten der Tiere besitzen, sich mit Kräutern, Viehkrankheiten und dem Wetter gut auskennen, wobei die Zauberkunst wichtige Grundkenntnis war (s. FRISCHBIER, Hexenspr. u. Zauberbann, 139ff.)

Der erste der Schäfer war laut biblischer Überlieferung der Abel.

Das Bild des Schäfers zieht sich durch die gesamte Bibel. Mose führt seine „Herde” aus Ägypten zum Gelobten Land, wobei er mehrmals das Attribut des Schäfers, den Hirtenstab, als Zauberstab benutzt.

Im Neuen Testament ist Jesus der Gute Hirte, der das führerlose Gottesvolk sammelt (Mk 6,34 oder Joh 10,11f.). Auf ihn berufen sich die Apostel (Apg 20,28), die auch gern mit dem Stab dargestellt werden, bis hin zu den heutigen Bischöfen (griech. Episkopos „Aufseher”) als geistliche Führer der Gemeinden und Mittler zwischen Christ und Gott.

Hirten werden vielfach als Empfänger überirdischer Botschaften angegeben, vielleicht wegen ihres abgeschiedenen Lebens. So erscheint einigen von ihnen bei Bethlehem der Engel des Herrn und verkündigt die Geburt Jesu (Lukas 2,8-14).

Der Erzengel Michael erschien am 8. Mai 495 in Apulien, Italien einer Gruppe von Hirten, 709 in der Normandie auch einem Bischof (=Hirte).

 

Sammlung von Hirten

Griechen

Von den um den Berg Helikon ihren Reigen tanzenden Musen will der altgriechische Dichter HESIOD, der als Hirt dort seinerzeit seine Schafe hütete, die Dichtkunst und die Kunde von Künftigem und Vergangenem erhalten haben (Theogonie, 1-34)

Das griechische Wort poimhn konnte bei den Alten sowohl König als auch Hirte bedeuten (HEDERICH, Sp. 466), wie der Hirte gewissermaßen König der Herde ist.

In Gestalt eines Hirten näherte sich Zeus der Mnemosyne. Sie wurde Mutter der Musen. (OVID, Metamorph. VI,114)

Der Kyklop Polyphem, der den Odysseus fängt, war ein Hirte.

Ein Hirte zog den Amphion auf, der später durch seine Kunstfertigkeit im Spiel der Leier berühmt wurde.

Als Schutzgott der Hirten gilt Pan, auch Apollo hütet Hirten und Schafherden.

Mythischer Erfinder der bukolischen Dichtung ist Daphnis, ein Hirte in Sizilien.

 

Slawen

Ein dämonischer Kollege der Hirten ist bei den Slawen der Laskowiec. Der hütet als „Herr der Wölfe” mit seinen Wölfen die Tiere des Waldes, wie der Hirte mit seinen Hunden die Herde schützt.

Als Waldgeist Borovit erschien er in Gestalt eines Hirten oder Wolfs.

 

Christliche Schutzpatrone

... der Hirten

Ägidius, Bartholomäus, Kastulus, Dominikus von Silos, Ebrulf von St.-Évroult, Genoveva, Johannes der Täufer, Mamertus, Martin von Tours, Paschalis Baylon, Simeon Stylites der Ältere, Wendelin, Wolfgang

... der Hirtinnen

Agatha von Catania, Germane Cousin

... der Schäfer:

Wendelin

... der Schweinehirten:

Antonius der Große

... der Herden:

Wendelin

Selbst Hirte war (neben vielen anderen) Tryphon.

 

Aus der Berufspraxis des Hirten

(in Sammlung)

Damit die Herde beim ersten Austrieb nicht von Krankheiten verursachenden Dämonen befallen wird, wirft der Hirte ihnen hartgekochte Eier unter die Füße.

Zur Steigerung der Fruchtbarkeit zieht mancher Hirte mit einem Stab einen Kreis um seine Herde und steckt ihn anschließend in gedachten Mittelpunkt (siehe auch magischer Kreis). Dem Hirtenstab werden Zauuberkräfte beigemessen, sei es zur Heilung erkrankter Tiere bzw. zur Abwehr von Dämonen, die Krankheiten verursachen oder zur Abwehr von Raubtieren.

„Ist der April zu gut,
schneit´s dem Schäfer auf den Hut.”