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| Künste, Gewerke und Gerät / Zauberei | |
Der Ring, in seiner Gestalt ohne Anfang und Ende, ist ein Sinnbild der Ewigkeit und von daher ein zaubermächtiges Zeichen. (MALA, 99)
Der geschlossene Ring symbolisiert Abgeschlossenheit, etwa als Feuerring, gibt als magischer Kreis Schutz vor dämonischem Schaden und ist Zeichen der Verbundenheit, den Brautleute austauschen.
Beliebt ist, den von einem selbst oder einem anderen getragenen Ring für allerlei Zauberei zu verwenden, da der enge Kontakt das Schmuckstück spirituell eng mit seinem Träger verbindet.
Beim Pendeln wird der Ring an einem Haar aufgehängt und über Schriftzeichen oder einer Wasserschale schwebend gehalten. Dieses Prognoseverfahren wird als Dactyliomantie bezeichnet (BIEDERMANN, 292).
Die griechische Mythologie erklärt die Sitte, einen Fingerring zu tragen, als Erinnerung an eine Bestrafung und damit an die herrschenden Machtverhältnisse: Der Titan Prometheus hatte heimlich für die Menschen das Feuer geholt, das Zeus ihnen zuvor genommen hatte.
Dafür wurde Prometheus auf Befehl des Olympiers Zeus für 30.000 Jahre an den Kaukasus gekettet, täglich besuchte ihn ein Adler, der ihm die ständig nachwachsende Leber wegfraß. Prometheus kannte aber sein weiteres Schicksal und teilte dem Zeus mit, daß einst die Thetis einen Sohn gebären werde, der den Adler beseitigen und Zeus an Macht übertreffen werde. Der gab Prometheus die Freiheit wieder, war die Erfüllung dieser Prophezeiung doch nicht in seinem Interesse. Nur einen eingefaßten Stein vom Kaukasus hatte Prometheus fortan als Ring zu tragen, ihm zu dauernder Mahnung.
So sollen die Fingerringe entstanden sein.
Ein eiserner Ring war Erkennungszeichen der auf der Insel Samothrake in die Mysterien von Kabiren und Großen Gottheiten eingeweihten.
Der Polos war ein schmaler, ornamentgeschmückter Reif, der als Symbol des Himmelsgewölbes gedacht war (E. MEYER i. d. Anm. zu. PAUSANIAS, Beschreibung Griechenlands, II, 597).
Der rote Ring Andwaranaut des Andwari wird zum Ursprung des fluchbeladenen Hortes, als Loki dem Zwerg das Kleinod abnötigt (Edda, Lied vom Drachenhort).
Der nordische Gott Odin besitzt den Ring Draupnir von dem alle neun Tage weitere Ringe träufeln.
Den Ring wirft Odin schmerzerfüllt dem brennenden Schiff Hringhorni hinterher, auf dem Balder und Nanna bestattet sind. Den Ring erhält er zurück und der Untergang Ragnarök nimmt seinen Lauf.
Eine ähnliche Geschichte gibt es aus Griechenland. Polykrates wirft seinen Ring ins Meer, um sein übergroßes Glück zu mindern. Wider erwarten erhält er ihn zurück und Nemesis straft ihn für diesen Übermut.
Ganz ähnlich erging es auch einer reichen Frau, die ihren Wohlstand mit der Frage verknüpfte, ob ein ins Meer geworfener Ring wiedergefunden würde oder nicht. (KUHN u. SCHWARTZ, Sa. 347, siehe Meerweizen)
Schon König Salomo warf derart einen Ring von sich. Der erlangte mit einem Ring Macht über den Dämon Ashmodei, daß der ihm beim Bau des Tempels helfen mußte. Als Salomo den Ring ins Meer geworfen hatte, brachte den ein Fisch zurück.
Eine Frau Kröte soll dereinst den Fürsten von Anhalt einen Ring übereignet haben, der ihrem Ausspruch zufolge der fürstlichen Familie das Glück wahre, solange die den Ring behalte (KUHN u. SCHWARTZ, Anm. 9, S. 468). Diese Frau Kröte ist womöglich eins mit den germanisch-deutschen Göttinnen Holda oder Bertha.
Dank eines Zauberringes, ein Stein in einer goldenen Einfassung, den ihm seine Mutter gegeben hatte, kann der Sagenkönig Ortnit seinen Vater Alberich erkennen und ihn in der Schlacht zur Hilfe rufen.
Gegen den weißen Fluß soll man laut Magisch-sympathetischen Hausschatz einen silbernen Ring am Finger tragen. (Das sechste und siebente Buch Mosis, 38)
Wenn der Ring bei der Trauung herunterfällt, so verheißt das eine unglückliche Ehe.
Das Halsband der Freya heißt Brisingamen. Es zu erhalten verbrachte die Göttin vier Nächte mit vier Zwergen.
Ein besonderes Halsband, das seinem Träger Unglück bringt, fertigte der griechische Schmiedegott Hephaistos. Seine Gattin Aphrodite hatte mit dem Ares Liebschaft, wobei sie Hephaistos überraschte. Als Tochter ging aus diesem Seitensprung die Harmonia hervor. Als die heiratete, war des Hephaistos’ Geschenk besagtes Halsband.
Harmonia zieht mit ihrem Gatten Kadmos ins Elend, das Halsband gelangte weiter zu Eripyhile, Jokaste, Semele und Argia, die allesamt im Unglück enden.
Endlich wird das Unglücksband im Tempel der Athene zu Delphi aufgehängt, doch richtet es weiteres Unheil an, als es Phayllus aus Liebe zu dem entwendet hatte und das Unglück über die damit beschenkte brachte.