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 Künste, Gewerke und Gerät
 
 

Spiegel

Ein Gerät mit einer reflektierenden Oberfläche, das zur Selbstschau dient. Ältere Spiegel waren eine polierte Metallplatte, beispielsweise aus Silber. Heute besteht der übliche Spiegel aus einer Glasscheibe, deren Rückseite sehr dünn mit einer Schicht Silber versehen ist.
Der wohl älteste Spiegel ist aber die ruhige Wasseroberfläche.

In der griechischen Sage erblickte Narkissos sich selbst in einer Quelle, verliebte sich in sein Spiegelbild (sich selbst) und wurde darüber in die nach ihm benannte Blume (Narzisse) verwandelt. (OVID, Metamorphosen, 3,402f.)

Spiegel, besonders Handspiegel, sollen — wie andere eng mit ihrem Besitzer verbundene Gegenstände, beispielsweise Kleidung — Charaktereigenschaften ihres Besitzers aufnehmen und sie bei Wechsel des Besitzers auf den Nachfolger übertragen. Agrippa von NETTESHEIM schrieb dazu: „Man sagt, daß diejenige Person, welche das Kleid oder Hemd einer Hure anzieht oder den Spiegel, in dem sie sich täglich beschaute, bei sich hat, frech, furchtlos, unverschämt und unzüchtig werde.” (De Occulta Philosophia, Kap. XVI, zit. n. SCHRÖDTER, 36)

„läßt man es [ein Kind] unter einem jahr in den spiegel sehen, so wird es stolz.” (GRIMM, Dt. Myth. III., A. 29, S. 435)

„wer nachts in den spiegel schaut, schaut in den teufel darin.” (GRIMM, A. 104, S. 438)

Der Aberglaube mahnt zudem, eine Frau solle während ihrer Tage nicht in den Spiegel schauen, weil der sonst blind werde.

Eine besondere Form des Spiegels ist der Zauberspiegel, in dem wie in der Kristallkugel jenseitiges Wissen geschaut wird.

Die mantische Weissagung aus Spiegelbildern heißt Katoptromantie.

Als eine Art des Hochzeitsorakels rät der „Magisch-Sympathetische Hausschatz” Unverheirateten, in der Silvesternacht mit Lichtern in den Händen vor einen Spiegel zu treten und dreimal den eigenen Namen zu rufen. Dann zeige sich der oder die Zukünftige (Das sechste und siebente Buch Mosis, 136).

Einen Spiegel zu zerbrechen soll sieben Jahre Pech bedeuten.