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| Gottheiten | |
Häufig ist, abgesehen von dem Geruch der menschengebrachten Opfergaben, von einer besonderen Nahrung die Rede, durch welche Götter sich stärken sollen und dem sie ihre Unsterblichkeit verdanken.
Altindische Götter kannten den Unsterblichkeitstrank Amrita, der aus milchreinem Wasser, Kräutersaft, flüssigem Golde und aufgelösten Edelsteinen bestehen soll.
Die griechischen Götter sollen Nektar und Ambrosia zu sich genommen haben. (HESIOD, Theogonie, 640)
Den Göttern wird dabei ein Mundschenk zugeschrieben, erst die Hebe, später, um Zeus’ Becher zu füllen, der Ganymed. (HOMER, Ilias, 4,2-3 u. 20.234)
Als die olympischen Götter im Kampf gegen die Titanen des Beistands der hundertarmigen Riesen bedurften, verhalfen sie diesen mit Nektar und Ambrosia zu frischer Kraft. (Theogonie, 639-644)
Wenn einer der Götter einen am Wasser der Styx geleisteten Schwur bricht, ist die Strafe dafür ein zeitweiliger Entzug von Nektar und Ambrosia und der Ausschluß aus der Gesellschaft der anderen Götter. Ohne die Götterspeise liegt der Gott ein Jahr lang ohne Atem und Stimme ohnmächtig danieder, ehe ihm für neun Jahre der Zugang zu Rat und Gastmahl verwehrt bleibt. Erst nach zehn Jahren wird er wieder in die Runde aufgenommen. (Theogonie, 793-804)
Zum nordischen Göttergeschlecht der Asen heißt es in der Edda, daß die Einherier in Walhalla vom Fleisch des Ebers Saehrimnier äßen. Von Odin hingegen wird gesagt, er esse nichts, sondern nehme nur vom Wein. Die Speisen hingegen gebe er seinen beiden Wölfen Geri und Freki. (Grimnirlied, 18 u. 19) GRIMM nahm an, mit diesem Wein der Asen verhalte es sich wie mit dem Nektar der griechischen Götter. (Dt. Myth., 265)
Weiter ist von Äpfeln die Rede, welche die Göttin Idun hütet und deren Fehlen die Götter altern läßt, als der Riese Thiassi sie einmal in seiner Gewalt hat. (Skaldskaparmal, 56)
Aus dem Blut des Qvasir und Honig bestand der Trank Odhrœrisdreckr, der Dichtergabe und damit (geistige) Unsterblichkeit verleiht. Jener Qvasir war in dem Kessel entstanden, in welchem Asen und Vanen zur Besiegelung ihres Friedensschlusses ihren Speichel gemischt hatten. GRIMM mutmaßte, der Odhrœrisdreckr könne womöglich zu dem indischen Amrita und dem griechischen Ambrosia gehalten werden. (Dt. Myth., 265f.)
Allerdings trinken die Götter auch, als sie beim Riesen Aegir sind, Bier und von Heimdall heißt es, er trinke aus seinem Horn den Met, Thor verschmäht nicht den Ochsen.
Auch manche irdischen Nahrungsmittel werden als Götterspeise bezeichnet, beispielsweise der beliebte Wackelpeter.
Lebensverlängernde Wirkung wird dem als Gel Royale bezeichneten Honig zugesprochen, mit welchem Bienen diejenigen Larven füttern, welche zu Königinnen heranreifen sollen. Dieser besondere Honig wird gelegentlich Götterspeise genannt. (Leserhinweis)
Meistens ist mit Götterspeise jedoch ein chemischer Glibsch gemeint, dessen Geschmack entfernt an Waldmeister, Kirsch o. ä. erinnern soll und der, stände er nicht im Lebensmittelregal, vermutlich von den meisten Menschen als Scherzartikel wahrgenommen würde.