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 Bestattung
 
 

Grab

Die letzte Ruhestätte des Leichnams und Wohnung des Verstorbenen.

Im Grab soll der Tote seine Ruhe finden, damit er sich nicht zum Wiedergang entschließt. Darum gibt man ihm Grabbeigaben mit, die er benötigt, um ins Totenreich zu gelangen. Unter die Zunge gelegtes Geld etwa sollte Lohn des Fährmanns sein, der die Seele über den Totenfluß setzt.

Wesentlich ist auch die Art der Bestattung, etwa Verbrennung des Leichnams durch Feuer oder Beisetzung des Verblichenen in hockender oder liegender Haltung. Auch auf die Blickrichtung (z.B. Ost-West-Richtung) ist zu achten.

Über das Grab setzt man einen Hügel, einen Grabstein, ein Kreuz oder baut gewaltige Gebäude drumherum, beispielsweise die als Weltwunder gerühmten Pyramiden von Gizeh oder das Mausoleum von Harlikarnassos. Diese baulichen Maßnahmen schützen einerseits die Grabstätte vor äußeren Einflüssen, Dämonen oder Grabräubern, andererseits hindern sie den Geist des Toten am Entweichen.

Behütet werden Grabstätten darüberhinaus von allerlei Wesen. Die Etrusker sahen in dieser Aufgabe die Lasen und auch das Christentum kennt den Erzengel Michael als Schutzherrn der Friedhöfe.

Nicht kultgerecht bestattete Menschen finden keine Ruhe und irren als Wiedergänger zwischen den Welten umher. Das machte sich der listige Sisyphos zunutze, indem er seine Frau Merope anwies, ihn nach seinem Tod vorerst nicht zu begraben. Die Witwe hielt sich daran und im Totenreich hatte man keine Bedenken als er bat, wegen der fehlenden Formalitäten zurück zur Erde gehen zu dürfen, um das Fehlende beizubringen. Natürlich dachte er gar nicht daran und so erreichte Sisyphos noch ein hohes Alter. Diese und andere Streiche hatte er allerdings nach seiner endgültigen Höllenfahrt im Tartaros abzubüßen.

In die Einheit der aufgespaltenen Welt zurückzukehren ist Verheißung von Religionen, die nach dem Tod eine Einkehr in die eine Gottheit verheißen. So gibt es grundsätzlich vier Arten der Bestattung, die den Elementen entsprechen. Die See- oder Flußbestattung, wo das Wasser den Verblichenen zurücknimmt, die Feuerbestattung, bei der die irdische Hülle verbrannt wird, die Grablegung unter die Erde sowie die in Europa heute unübliche, z.B. in Tibet aber lebendige Tradition der Bestattung durch aasfressende Vögel, die den Körper in die Lüfte hinauf tragen.

Die Störung der Totenruhe ist nicht nur mit Freiheitsstrafe bedrohtes Delikt (in Deutschland nach §168 und §304 StGB) und besonders geschmacklose Untat, es droht dem Schänder auch die Rache aus dem Jenseits, wovor selbst hartgesottene Okkultisten zurückschrecken sollten. An Nekromantie versuchte sich beispielsweise Odin erst, nachdem er sich selbst an Yggdrasil geopfert hatte — Odin ist aber selbst ein Gott.

 

Hügelgrab

Eine besondere Form der Grabstätte ist das Hügelgrab (lat. tumulus, engl. barrow), das in vor- und frühgeschichtlicher Zeit üblich war. Über dem eigentlichen Grab wurde aus Erde oder Lehm ein Haufen augeworfen, der oft noch heute sichtbar ist. In seinem Innern befindet sich die Grabkammer, die je nach sozialer Stellung des Bestatteten ausgeführt und mit Grabbeigaben versehen ist.
Sie finden sich besonders in der mitteleuropäischen Stein- (etwa seit 4300 v.) und Bronzezeit (etwa 1550 bis 1200 v.).

 

Kenotaph

(gr. kenotaphion, „leeres Grab”) Wenn die Leiche eines Verstorbenen nicht greifbar war, beispielsweise weil er fern der Heimat gefallen, auf See ertrunken oder sonstwie verschollen war, errichtete man ihm in Griechenland ein Kenotaph genanntes Gedenkmal.

 

Verschiedenes

Den Verstorbenen zum Andenken errichtete man im Norden Bautasteine (Edda, Havamal, 71)

Bei den Juden ist es üblich, abgenutzte Rollen der Heiligen Schrift, die nicht mehr gebraucht werden können, in feierlich in geweihter Erde zu beerdigen.

Bei Muslimen ist eine Erdbestattung ohne Sarg üblich.

 

„Wenn man an Blumen riecht, die von einem Grab gepflückt sind, verliert man den Geruchssinn.” (Magisch-sympathetischer Hausschatz, 122)

Gegen Läuse in den Kleidern riet man laut einer Überlieferung aus Stendal, man solle am neunten Tag eines Monats vor Sonnenaufgang einen bislang nicht besuchten Friedhof betreten, von einem Grab etwas Erde nehmen und sie an der rechten Seite des Körpers tragen. (n. KUHN u. SCHWARTZ, C. 456)

In Litauen riet man: „Um Mitesser zu vertreiben, geht eine alte Frau mit dem Kinde auf den Kirchhof an das Grab des zuletzt beerdigten Kindes. Hier bohrt sie mit einem langen Stabe durch das Grab bis auf den Sarg und klopft dreimal an denselben an. Meldet sich der Todte — was unfehlbar geschieht —, so wird das Kind gesund.” (FRISCHBIER, 79)