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 Der Mensch und sein Körper
 
 

Hand

Die menschlichen Hände sind ein Meisterwerk — je nach Sichtweise — von Schöpfung oder Evolution.

Dem Auflegen der Hände wird besondere Wirksamkeit zugesprochen. Schon vom Kentauren Chiron, der ein Meister der Heilkunst war, ist dieses Phänomen berichtet, später vielfach von Jesus und seinen Jüngern.

Als die zwölf Apostel zu Jerusalem die sieben Diakone bestimmten, weihten sie diese durch Auflegen der Hände.

Auch bei der Behandlung mit Reiki wird die heilende Energie durch die Hand des Heilers geleitet.

Die in solchen Fällen segnende oder heilende Hand wird auch für Schadenszauber eingesetzt, wie FRISCHBIER am Beispiel der Lähmung von Schweinen mitteilt: „Nicht minder wirksam [als das Verrufen oder Beschütten] ist die Berührung, das Handauflegen. Es wirkt vorzugsweise bei abnehmenden Monde und an Feiertagen und muß dreimal wiederholt werden. Das zu verrufende Glied wird mit der Hand überstrichen und dabei [die Zauberformel] gesprochen” (Hexenspruch und Zauberbann, 5).

Bestimmte Gesten von Hand und Fingern sind gebräuchliche Abwehrzeichen in magischer Praxis. So soll es möglich sein, durch das Entgegenstrecken von Zeige- und Mittelfinger einen Gegner zu bannen, ebenso wirke das Ausstrecken von Zeige- und kleinem Finger, eine Geste, die auch den gehörnten Teufel darstellt. Sehr wirksam soll auch sein, die vier Finger in rascher Folge vom Daumen wegzuschnellen, jeweils in Richtung des Angreifers (MALA, 48).

Die abgetrennte Hand eines Gehenkten soll Schlosser öffnen und, wenn sie angezündet wird, alle Menschen in ihrer Umgebung in lähmenden Schlaf fallen lassen. Solche Main de la gloire genannte Leichenhand ist daher Dieben begehrtes Werkzeug (PICKERING, 206).
Die Verwendung von Kinderhänden, besonders von noch ungetauften Kindern, galt als besonders vielversprechend. Denn in ihnen sei noch die gesamte Lebenskraft enthalten und zudem hätten diese Hände noch keine Sünde getan. Derartige Verbrechen waren Angkalagepunkte mehrerer Hexenprozesse. (vgl. z. B. KUNZE, Straße ins Feuer)

Dem ersten Händedruck wird ein Gutteil bei der Entscheidung sympathisch-unsympathisch beigemessen, wo diese Art der Begrüßung üblich ist.

Zur feierlichen Bekräftigung des Eides wird die Hand erhoben. Ebenso wird versucht, die Kraft des Eides durch die andere Hand abzuleiten.

Die mantische Deutung des individuellen Schicksals aus der Handfläche wird als Chiromantie bezeichnet.

Auch die Astrologie wird mit der menschlichen Hand verknüpft: der Saturn ist dem Mittelfinger zugeordnet, der Jupiter dem Zeigefinger, die Sonne dem Ringfinger, dem Merkur der kleine Finger, der Handteller dem Mars, der Berg am Daumen dem Mond und die Daumenwurzel die Venus.

 

Einmal hatte der phrygische König Midas dem Weingott Dionysos seinen im Rausch verloren geglaubten Silenos wiedergebracht und durfte sich dafür etwas wünschen. Midas entschied sich dafür, seine Hände sollten alles zu Gold machen, was er berühre. Von dieser Gabe, die den Törichten fast verhungern ließ, erlöste den goldgierigen König wiederum Dionysos (OVID, Metamorphosen, 11,99).

Ohne Hände wird der griechische Gott Hermes dargestellt. Palästra hatte ihrem Geliebten Hermes die Geheimnisse des Ringens verraten, weshalb ihr Vater Choricus dem Hermes deshalb seine beiden Söhne nachschickte, die dem Gott die Hände abschnitten.

Ein einhändiger Gott der Germanen ist Tyr, er verlor die Rechte im Rachen des Fenrir (Edda, Gylfaginning, 34).

 

Zur Ermittlung der eigentlichen Händigkeit (Linkshänder werden oftmals unwissentlich zu Rechtshändigkeit verzogen) soll man in die Hände klatschen. Liegt dabei die rechte Hand oben, dann ist der Mensch von Natur aus Rechtshänder, liegt die linke Hand oben, so liegt Linkshändigkeit vor. Diese Übung liefert natürlich nur dann brauchbare Ergebnisse, wenn sie unwillkürlich erfolgt.

Das Gehirn des Menschen ist in zwei Hälften geteilt, die überkreuz dem Körper die nötigen Signale mitteilen. Das Unterbewußte soll sich dabei vornehmlich in der rechten Hälfte vollziehen, weshalb zum Beispiel bei der Arbeit mit dem Tarot die Karten mit der linken Hand gezogen werden.

 

Juckt einem die linke Hand, so wird man Geld einnehmen, juckt die Rechte, so gibt man es aus. (handschriftl. aus Stendal, KUHN u. SCHWARTZ, C. 468)

Sich die Hände besehen, gibt Zank. (aus Stendal, KUHN u. SCHWARTZ, C. 454)

 

Der Grieche HESIOD mahnte, niemals mit ungewaschenen Händen einen Fluß zu durchwaten.” (Werke und Tage, 736-741)

Man soll seine Hände nicht betrachten, denn dann gäbe es Streit. Zur Abwendung desselben bespucke man seine Schuhe.

(aus Norddt.)  

Siehe auch den Artikel zu den Fingern.

 

Hand wächst aus dem Grabe

In der Kirche zu Lindow zeigte man eine vertrocknete, zusammengeballte Hand. Diese gehörte einem Sohn, der in gottloser Weise seinen Vater geschlagen hatte. Als er gestorben war, wuchs seine Hand immer wieder aus dem Grabe hervor, sooft man sie auch wieder eingrub und auch das Peitschen mit der Rute half nichts. Endlich schnitt man die Hand ab, steckte ihr die Rute zwischen die Finger und stellte zur Warnung gottloser Kinder in der Kirche aus. (n. KUHN u. SCHWARTZ, S. 46)

 

Hand wächst nach

Dem Johannes Damaskenos (gest 760) wurde in Damaskus Betrug vorgeworfen und ihm die rechte Hand abgehauen worden. Johannes Damaskenos ging daraufhin nach Jerusalem, wo ihm die Hand wieder nachgewachsen sein soll. (SCHMIEDER, 73)