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Hexen und Hexerei

Hexenwesen; engl. witchcraft, von altengl. wiccian, Hexe vielleicht von ahdt. Hag Hecke.
Das altenglische wiccian meint Zauberei betreiben.
Der Begriff Hexe tauchte schon Beginn des fünfzehnten Jahrhunderts im Allemannischen auf (RUST, 74).
Weitere Ausdrücke für Hexen sind Bacularia, Fascinatrix, Hags, Herbaria, Incantatrix, Jenara, Lamia, Maga, Malifica, Saga, Sortilega, Strega, Strix oder Venifica.
In Italien heißt der Hexenkult la vecchia religione, „die alte Religion”, womit ein Kult um Gehörnten Gott und Große Mutter gemeint ist (DONOVAN, 9 u. 13ff.).
Eine juristische Definition dessen, was eine Hexe in den Augen ihrer Gegner ausmacht, formulierte zur Zeit der Hexenverfolgungen der Dämomologe Jean Bodin: „Jemand, der, obwohl er Gottes Gesetze kennt, dennoch versucht, durch einen Pakt mit dem Teufel einen bestimmten Zweck zu erreichen” (DONOVAN, 160). Hexen selbst dürften das anders sehen.
Das Wort „Hexerei” kam 1419 in Luzern in den Schweizer Alpen auf. (BORST, 266)

Unter Hexerei wird in der Regel etwas anderes verstanden als die reine Zauberei. Während der Zauberer ganz allgemein Stoffe, Tiere, Symbole oder Dämonen beschwört, um einen Zweck zu erreichen, geht die Hexe, christlichen Vorstellungen zufolge, einen Bund mit einer zauberkundigen Macht ein, der sich sich ganz verbindet. Nach Darstellung der christlichen Inquisitoren war diese Macht durchweg der Teufel. Von ihm erhielt sie auch ihren Hausgeist, der auf ihren Befehl hin die Zauber durchführt.

In der Gesellschaft zur Zeit des ausgehenden Mittelalters/der frühen Neuzeit waren besonders alte, alleinstehende und womöglich etwas wunderliche und unheimliche Frauen als Hexen angesehen. Sie verfügten über das hergebrachte Wissen, waren Weise Frauen und wurden ihrer Kräuterkundigkeit wegen als Heilerinnen bei Krankheiten und Geburten herbeigeholt, wohl auch um Wahrsagerei und verschiedene Zaubereien befragt. Weil der Mensch so ist, wie er ist, waren sicher auch Aufträge darunter, die dem Nachbarn des Kunden Schaden zufügen sollten. Solcherlei Hexerei wurde - wenn entdeckt - dem angerichten Schaden entsprechend bestraft. Aber erst in der als Renaissance bekannte Epoche der (angeblich so fortschrittlichen) frühen Neuzeit begannen die ausufernden Hexenverfolgungen mit ihren Exzessen, denen beileibe nicht nur, aber besonders häufig Frauen zum Opfer fielen (In manchen Regionen Norddeutschlands waren mehr Männer als Frauen betroffen.)

Bevorzugt der Hexerei verdächtigt wurden Hebammen, da die angeblich entweder die Kinder gleich nach der Geburt töteten oder sie heimlich dem Teufel weihten, wozu sie mehr als andere Gelegenheit hatten. Auch Schneiderinnen, Schusterinnen, Bäckerinnen oder Müllerinnen waren überproportinal häufig angeklagt. Denn diesen Berufsgruppen wurde vielfach nachgesagt, sie würden von dem gelieferten Rohstoff etwas unterschlagen. Das war schwer zu kontrollieren und Boden für grundsätzliches Mißtrauen. (KUNZE, 322)

Als einer der ersten Inquisitoren vertrat Nicholas Jacquier (1402 bis 1472) die Ansicht, Hexen gehörten einer organisierten, antichristlichen Sekte an (BIEDERMANN, 237), seien also Häretiker und als solche zu verurteilen.

In jüngerer Zeit lebt das Interesse am Hexenkult auf. Die vornehmlich weiblichen Anhängerinnen eines modernen Wicca-Kultes führen die Hexenkulte auf alte Mutterreligionen zurück und lehnen damit jeden Zusammenhang mit dem viel später entstandenem Christentum ab. In der Tat dürften viele Hexenprozesse angestrengt worden sein, weil die vermeintlichen Hexen ihren Göttinnen und Göttern huldigten, die in den Augen fanatischer Mönche nichts anderes als Teufel und deren Huren waren.

 

Sammlung: Diana, Gehörnter Gott, Große Göttin, Hausgeist, Herodia(s), Hexen, Hexenflasche, Hexenhammer, Hexenkratzen, Hexenmal, Hexenring, Hexensabbat, Hexenverfolgung, Kielkropf, Magischer Kreis, Maitagshorn, Verhexen, Zauberei

 

Vermischte Sammlung

„auf einer hexe frage antworte nicht, sonst kann sie dir etwas nehmen”, heißt es in der „Chemnitzer Rockenphilosophie”. (GRIMM, A. 59)

In Pforzheim riet man: „hat man nachts furcht vor einer hexe, kehre man nur den linken schuh um.” (GRIMM, 642)

zur Hexenverfolgung siehe den Hexenverfolgunggesonderten Artikel