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| Hexerei | |
Nach den Vorstellungen der Hexenverfolger sammelten sich die Hexen mehrmals im Jahr zu groß angelegten Festlichkeiten, bei denen sie dem Teufel ihre Treue bewiesen, sich schwelgendem Essen, ekstatischem Tanz und sexuellen Ausschweifungen hingaben, wobei die Vereinigung mit dem Leibhaftigen Höhepunkt des Festes gewesen sein soll.
Dem Anlaß angemessen war bereits die Anreise absonderlich. Auf Hexenbesen, Tieren, ihren Hausgeistern oder behexten Menschen flogen die Hexen des nachts über weite Entfernungen hin zum Ort der Versammlung, meist abgelegene Stellen, Bergeshöhen, Kreuzwege oder heidnische Steinkreise.
Der Ort des nächtlichen Geschehens war festlich mit schwarzen Kerzen beleuchtet, in der Mitte des Festplatzes brannte ein Feuer. Unter Vorsitz des Teufels, dem alten Gehörnten Gott, der gern in Gestalt eines Hundes oder eines Ziegenbocks auftrat und der meist in Begleitung seiner Königin war, der Großen Göttin (z. B. Artemis, Diana) begann das Fest.
Die angekommen Hexen entblößen sich auf möglichst obszöne Weise und berichten von ihren seit der letzten Versammlung begangenen Taten. Dem Teufel wurden auch Neuhexen vorgestellt, denen er Hexensalbe und Hausgeist übergab. Kinder von Hexen wurden in bewußter Verkehrung christlicher Riten getauft und überhaupt allerlei lästerlicher Rituale vollzogen.
Dann begann das große Festmahl. Gereicht wurden Speisen in Fülle, wobei die Meinungen auseinandergehen, ob es ein wirklicher Festschmaus war oder ob nur widerliche, teils verfaulte Speisen, besonders Ratten, Spinnen oder Menschenfleisch, gereicht wurden. Die Unklarheiten dürften den Methoden geschuldet sein, mit denen anno dunnemals das Verhör angeblicher Hexen durchgeführt wurde. Folter war obligatorisch, ebenso der Schuldspruch, so daß es wohl auf den Untersucher ankam, ob der Hexensabbat als Fest fröhlicher Völlerei mit herrlichsten Speisen geschildert wurde, das einem asketischen Fanatiker zuwider sein mußte oder ob von freiwillig eingenommenem ekelhaftestem Fraß berichtet wurde, was dem meist armen Volk gegenüber gewiß die bessere Propaganda war.
Es hieß, die den Hexen bei ihren Sabbaten vorgesetzten Speisen seien ungesalzen gewesen, da der Teufel Salz verabscheue. Salzte doch einmal eine Hexe heimlich ihre Speisen, so sei sogleich ein Dämon herangetreten und habe die Übeltäterin unter dem Gejohle der Festgesellschaft verprügelt. (KUNZE, 260)
Mit gefülltem Magen begannen die Hexen zu tanzen. Stets in Umkehrung christlicher Sitte wirbelte der wilde Reigen, der Teufel selbst, bekanntermaßen ein hervorragender Geiger oder eine der Hexen musizierte. Diese Orgie der Bewegung erhitzte die Gemüter und mündete in eine allgemeine Orgie sexueller Ausschweifung, bei der sich alles bunt durcheinander und mit dem Teufel selbst sowie seinen Dämonen, Succubi und Incubi, paarte.
Mit der Morgendämmerung oder dem ersten Hahnenschrei endete das Fest und alles strebte wie auf dem Hinweg der Heimat zu.
Diese Darstellung vom Hexensabbat, eine rohe Zusammenfassung der Ergebnisse der Inquisitionsgerichte, erinnert insgesamt an die orgiastischen Feste der antike, vornehmlich an Kulte des Bacchus/Dionysos, der Diana oder der Isis.
Bevorzugte Termine für Hexensabbate sind:
Die Nacht zum Thomastag am 21. Dezember. Diese Nacht ist die längste des Jahres.
Als ein besonders berüchtigtes Fest gilt die Walpurgisnacht am Abend des 30. April, in der die Hexen auf dem Brocken im Harz feiern. Gastgeber ist der Leibhaftige höchstselbst, dem sich die Hexen ausschweifend hingeben.
Von Hexen, die sich in der Walpurgisnacht versammeln und ein Kind schlachten wollten, erzählt eine in Neppermin auf der Insel Usedom spielende Sage. (KUHN u. SCHWARTZ, S. 32)
Die Johannisnacht (zum 24. Juni). Sie markiert die Sommersonnenwende und in dieser Nacht sollen die Mächte der Dunkelheit besonders aktiv sein.
Die Nacht zum 1. August (in England früher der Lammas-Tag).
Der Vorabend von Allerheiligen (Halloween, Samhain, zum 1. November), am dem das keltische Jahr endete. An diesem Tag erreicht die Sonne den niedrigsten Teil ihrer Bahn, nach mancher Vorstellung soll sie gar in die Unterwelt eintauchen. Dazu muß sich die Pforte der Hölle öffnen, ein Moment, der von Geistern und Dämonen genutzt wird, in die Menschenwelt zu schlüpfen.
Der Wochentag soll für den Hexensabbat unerheblich sein, allerdings werden Montag, Mittwoch und Freitag bevorzugt. Hingegen soll der Sonntag als Tag der Maria gemieden werden, wohl weniger aus Respekt vor christlichen Sitten als aus Ehrfurcht vor der Großen Göttin, als die Maria angesehen wird.