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| Hexerei | |
Weil die Hexe für ihre Magie nach Ansicht ihrer Verfolger den Beistand finsterer Mächte bedurfte, kam im christlichen Weltbild nur der Widersacher Gottes als Förderer der Hexerei in Frage. Weil der Teufel aber nichts gutes schaffen kann, muß der Pakt mit ihm abgrundtief böse und ganz und gar gegen das Christentum und die Kirche Jesu Christi gerichtet sein.
Als einzig mögliche Strafe für solchen Frevel kannte die Inquisition den Tod, möglichst auf dem Scheiterhaufen, um ein Teil des zu erwartenden Fegefeuers vorwegzunehmen. Nach eher halbherzigen Versuchen gelang es den Befürwortern eines energischen Vorgehens gegen das Hexenwesen, Papst Johannes XXII für eine eindeutige Haltung einzunehmen.
In der Folge kam es besonders in Südfrankreich, Norditalien und Süddeutschland zu ersten systematischen Hexenjagden. Vorgeworfen wurde die Ketzerei der Hexerei, Teilnahme an Hexensabbaten, Geschlechtsverkehr mit Dämonen (Succubi, Incubi) und Verehrung des Teufels in Gestalt eines Ziegenbocks. Die Prozesse führte die die Kirche durch, die Verurteilten übergab die Heilige Kirche dann der weltlichen Obrigkeit, der die Vollstreckung des Urteils zukam, durchweg Verbrennung auf dem Scheiterhaufen. Ab 1390 beteiligte sich die weltliche Gerichtsbarkeit auch an den Prozessen selbst und führte sie in eigener Regie durch. Zugleich entwickelte sich eine einheitliche Typologie der Hexerei. Grundlage für Anklage und Urteil war der Pakt mit dem Teufel, Nebenstraftaten waren Teilnahme am Hexensabbat, Besenritt und Schadenszauber. Erkennbar sind sie am Umgang mit Dämonen und ihren Kobolden, meist Amseln oder schwarze Katzen, die die Hexe wie Egel an ihrem Körper nährt. Die Nahrungsaufnahme hinterläßt als Narbe das Hexenmal. Diese Schnittstelle zum Leibhaftigen ist schmerzunempfindlich. Einstich an verdächtiger Stelle mit spitzem Gegenstande war den der Inquisition zuarbeitenden Hexenriechern daher wertvolles Instrument zur Wahrheitsfindung.
Die Auswüchse des Hexenwahns waren bis dato beispiellos. Unbeschreibliche Folterungen gehörten zum Standardprogramm peinlicher Befragung Verdächtiger, das als Hexenhammer bekannte Werk Malleus maleficarum erschien 1486 und gab dem Verhörenden ein Standardwerk zur Hand, mit dem er an jedem seiner Opfer beliebige Quälereien vornehmen konnte. Den im Hexenhammer empfohlenen Verhörmethoden dürfte eine enorme Aufklärungsquote zu verdanken gewesen sein. Wer sich nicht schuldig bekannte, das war Voraussetzung zur Aburteilung, und den widerwärtigsten Foltern widerstand, konnte solche Zähigkeit nur vom Unaussprechlichen selbst haben. Es schadete daher nicht weiter, wenn so einer vorerst in Haft blieb und schließlich dem Irrsinn verfiel und starb. Besonders fahndeten die Hexenjäger im Verhör nach Mittätern. Daß die Gefolterten in ihrer Qual zuweilen ganze Dörfer als Komplizen nannten, liegt auf der Hand. Für die Ankläger günstig war, daß Hab und Gut der abgeurteilten Kirche oder Staat verfiel. Das dürfte den Behörden Grund genug für eifrige Arbeit gewesen sein.
Der Hexenwahn ergriff Mitte des 15. bis Mitte des 18. Jahrhunderts die ganze christliche Welt, gleichgültig, ob katholisch oder protestantisch. Neben Westeuropa waren nordamerikanischen Kolonien wegen ihrer Hexenjagden berüchtigt. Hier wurden die Verurteilten, anders als in Europa, meist gehängt. 1692 markierte in Nordamerika der Prozess um die Hexen von Salem Höhepunkt und Abflauen des Wahns.
Im kontinentalen Vergleich recht früh, nämlich kurz nach 1600, fanden in den Vereinigten Niederlanden die Hexenprozesse ihr Ende, Mitte des 17. Jahrhunderts in Frankreich. In Deutschland hörten um 1680 die Massenverfolgungen auf, nicht jedoch einzelne Hexenprozesse. (DAXELMÜLLER, 183) 1775 war in Deutschland der letzte offizielle Hexenprozess, 1782 in der Schweiz (Anna Göldin).
In anderen Teilen der Welt wütete der Irrsinn fort und ist sicher nicht ausgerottet. Die angegebene Zahl der Opfer schwankt beträchtlich. Vorsichtigste Schätzungen gehen von etwa 14.000 Opfern aus, moderatere von einigen Zehn- bis Hunderttausend, andere sogar von 9 Millionen Toten; solche Jonglierei mit Opferzahlen scheint allgemein üblich.