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 Allmende
 
 

Himmel

In vielen Weltbildern der Aufenthaltsort der lichten Gottheit(en), die Sphäre der Planeten und Gestirne, des Lichts und der die Erde befruchtenden Gottheit sowie Dach der von Menschen bewohnten Erde und Ursprungsort des Wetters.

Als dem Menschen normalerweise unzugängliche Lokalität ist der Himmel dem Jenseits zuzuordnen. Nur Helden, Heroen oder Heiligen gelingt es, hier, wo gute Götter und Geister wohnen, als Ergebnis einer Himmelfahrt ein dem Paradies entsprechendes Endziel zu finden, bei Erlösungsreligionen ist dieses allen Gäubigen verheißen.

Der glückliche Himmel steht im Weltbild neben der trostlosen Unterwelt, wo die unerlösten Seele ihrer Wiedergeburt harren und im Gegensatz zur Hölle, dem Aufenthaltsort der Verdammten.

Dabei muß man sich den Himmel nicht als konkreten Ort vorstellen, es kann sich auch um einen Zustand handeln, der dem auf Erden lebenden Menschen normalerweise unzugänglich ist.

Wo die Welt die Polarität zweier Geschlechter kennt, werden ein männlicher Himmelsgott und eine weibliche Erdgöttin unterschieden. Der Vatergott befruchtet z.B. mit dem Blitz die Mutter Erde, woraufhin die Äcker fruchtbar werden. Bei Betrachtung des Zyklus von Werden und Vergehen liegt auch im Tod ein gewisser Trost, ist er doch Voraussetzung der Wiedergeburt.

Die Trennung in Geschlechter wird sehr vielseitig erklärt. Im Ergebnis schied sich das allumfassende überwiegend in eine oben liegende männliche Gottheit und seine weibliche Partnerin in venus observa. Ausnahmen gibt es, beispielsweise die ägyptische Nut, die den Erdgott Geb überspannt.

Als die Erde wie einen Mantel, sternenübersät, umspannend, wird der Himmel gedacht. Er ist ein Kuppelbau, worin durch ein Fenster der höchste Gott von seinem Throne aus auf die Erde hinabsieht.

Diese Sphäre hoch über den Wolken tragen Berge, der Weltenbaum Yggdrasil oder die Irminsul oder Riesen wie der Titan Atlas.

Entstanden sein soll der gewölbte Himmel nach eddischem Mythos aus der Hirnschale des gewaltigen Riesen Ymir, den einst die Asen erschlugen und aus ihm die Welt erbauten. Aus dem unter der Hirnschale befindlichem Hirn wurden beispielsweise die Wolken, aus den Augenbrauen die Menschenwelt (Edda, Grimnirlied 40f.).

Die Pforte zum Himmel, die, wie Jakob im Traum erschienen, über eine Leiter erreichbar ist, wird von Helfern Gottes bewacht. So gebietet Petrus über die Schlüssel zum christlichen Himmel. Oder der Weg geht über eine Brücke, etwa dem Regenbogen.

Himmels-Sammlung: ägyptisch Earu, buddh. Abhirati, Jodo und Sukhavati, chinesisch Chung-Ming und Kun-lun, german./nordisch Asgard und Walhall, griechisch Elysion und Olympos, indian. Hanan Pacha und Tlalocan, islam. Djanna, jüdisch Shamajim, shintoist. Takama-ga-hara, keltisch Annwn, litauisch Dausos, polynes. Hawaiki, ungar. Kacsalabon (nach BELLINGER, 189 u.a.).

Der Himmel als Wohnsitz der Gottheit erklärt manche abergläubischen Vorstellungen. So gilt es als respektlos, mit dem Finger in den Himmel zu zeigen oder ein Werkzeug mit den Spitzen nach oben liegen zu lassen (abgesehen davon, daß das Unfälle geradezu „heraufbeschwört”). Als schwere Sünde gilt auch, in den Himmel hinein zu schießen.

Eine mündlich aus Gramzow in der Uckermark überlieferte Sage weiß von einem Gutsbesitzer aus der Nähe von Stettin zu berichten, der, als einmal das Getreide zur Erntezeit naß war, mit seiner Flinte hinausging und in den Himmel hinein schoß. Im selben Augenblick fuhr ein Blitz vom Himmel und schlug den Schützen in die Erde hinein. Zwar bemühte man sich ihn herauszugraben, aber er sank tiefer und tiefer und hat jämmmerlich umkommen müssen. (n. KUHN u. SCHWARTZ, S. 8)