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Das biblische erste Buch der Könige beschreibt die Priesterschaft des Baal als hinkend:
Und sie hinkten um den Altar, den sie gemacht hatten
(1. Könige 18,26b)
Diese Besonderheit wird als ein Kulttanz gedeutet (Reclams Bibellexikon, 1982, 215)
Allerdings gibt es viele Gottheiten und Heldenfiguren, meistens Könner der Schmiedekunst, denen ein hinkender Gang zugesprochen wird, etwa dem griechischen Hephaistos und seinem Sohn Erichthonios oder dem irischen Luno. Der germanische Wieland glich seine Lahmheit wie der griechische Daidalos mit künstlichen Flügeln aus. Im Merseburger Zauberspruch lahmt das Pferd des Balder.
KUHN schloss über Vergleiche des Namens Balder und einer Balo genannten südgermanischen Gottheit, deren Name Feuer oder Scheiterhaufen bedeutet (altnord. bâl), daß Balder gleich dem nebst ihm im Merseburger Zauberspruch genannten Phol sei. Balo, den eine Sage als Teufel bezeichnet, sei der Blitz, den der Donner Donar verfolgt. Der Gott des Christentums stürzte den Teufel Luzifer aus dem Himmel, der griechische Zeus den Hephaistos. Beide Gestürzten hinkten hernach (Teufel mit Pferdefuß) und der Merseburger Zauberspruch berichtet vom Balder, dessen Pferd lahm wurde - dreibeinige, also lahmende Tiere - sind gemeinhin des Teufels. Dem Hinken ähnlich ist Einäugigkeit. Ein einäugiger Hecht weist auf den Loki, Loki wurde vom Donnerer Thor verjagt (Edda, Lokis Zankreden). Während der nordische Balder der reine Lichtgott ist, tritt das vernichtende Element des Feuers in seinem Widersacher Loki zutage (KUHN u. SCHWARTZ, Vorw. XXVI).
Auch einer der Böcke des Asen Thor hinkte, nachdem ihn Thor mit seinem Hammer Miöllnir wiedererweckt hatte (Edda, Gylfaginning, 44).
Der homerische Held Achilles - sonst unverwundbar wie Siegfried - hatte seine schwache Stelle in der Ferse.
Die Mutter des Königs Karl, des Großen, hatte einen Fuß mit zwei zusammengewachsenen Zehen. Die Königin von Saba hatte Ziegenfüße und Salomo entdeckte dies durch einen Kunstgriff. (Serrano (1978))
Auch der Teufel hinkt mit seinem Pferdefuß. In dessen Gesellschaft dachte sich der Aberglauben Menschen und Tiere mit diesem Merkmal, die deswegen mißtrauisch beäugt wurden.
Einem hinkenden Bettler gab man lieber etwas, als sich der Gefahr seines Fluches auszusetzen.
Analog den eingangs genannten Kulttänzen muß bei diversen magischen Ritualen gehinkt werden. So konnte Unheil finsterer Mächte vermieden werden (WEHR, 121).
Wie andere Krankheiten auch, galt das Hinken als durch Schadenszauber angehextes Gebrechen.
Der im Sechsten und siebenten Buch Mosis enthaltene Magisch-sympathetische Hausschatz nennt mehrere solche boshafte Praktiken. So soll man jemandem Lahmheit anzaubern können, indem man in dessen Fußstapfen einen Nagel schlägt. Oder man sticht das betreffende Erdstück aus und wirft es in eine frisch gegrabene Grabstätte, wenn man nicht lieber einen Sargnagel in die Fußspur treibt. (BAUER, 1996, 113)
Auf einer Pilgerfahrt nach dem Berge Gargano in die Höhle des Erzengels Michael berührte ein Engel die Hüfte Kaiser Heinrichs II. ,also daß er von jener Stunde an hinkend ward, um seiner Keuschheit willen, weil Gott jene züchtigt, die er lieb hat’. (BÄCHTOLD-STÄUBLI i. Handwörterbuch, IV 59)
Ein Pferd soll lahmen, wenn in einen frischen Hufabdruck ein Nagel geschlagen wird GRIMM>, A. 1040).