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 Der Mensch und sein Leben
 
 

Heirat und Hochzeit

„Drum prüfe, wer sich ewig bindet.”

-- Artikel in sammelnder Vorbereitung --

Die durch familiäre, religiöse oder amtliche Bekräftigung verbindlich geschlossene Lebensgemeinschaft (Ehe) wird durch Heirat begründet und meistens als Hochzeit festlich begangen.

Die auf Dauer angelegte Heirat stellt ein bedeutendes Kapitel im Leben dar, entsprechend reichhaltig ist der Brautleute und Hochzeitsfeier umrankende Volksbrauch und Aberglaube.

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Stichwortsammlung: religiöse Vorschriften; Ehe-Orakel; Braut und Bräutigam, Brautkranz, Brautstrauß, Hochzeitsblumen, Hochzeitsfeier, Hochzeitsmahl, Kindersegen

Bei den alten Israeliten mußte der angehende Bräutigam den Brautpreis bei seinen zukünftigen Schwiegereltern sieben Jahre lang abarbeiten (Jakob, 1. MOSE 29,13-30). Bei Heirat einer Philisterin mußte Simson erst eine siebentägige Wartefrist einhalten, dann eine siebentägige Hochzeit ausrichten. (Richter 14)

 

Verlieben und Verlöbnis

„zwei die trauer haben, da sie sich zuerst begegnen, sollen sich nicht verlieben.” (GRIMM, A. 835)

 

Brauchtum und Aberglaube zum Tag der Hochzeit

Am Abend vor der Hochzeit wird der Polterabend gefeiert. Zu diesem meist feuchtfröhlichen Anlaß bringen die Gäste Keramik mit und werfen diese laut polternd zu Boden. Der Lärm soll böse Geister vertreiben.

„Im Mai soll man nicht heiraten weil man riskiert, einen Wiedergänger zum Gatten zu bekommen oder eine Frau aus der anderen Welt.” (LECOUTEUX, 221)

Griechische Mädchen badeten vor der Hochzeit in Flüssen. (KERÉNYI, 19)

„was man montags beginnt, wird nicht wochenalt, daher auf diesen tag keine hochzeit und keine wäsche anzustellen ist” (GRIMM, A. 821)

Einem Volksglauben zufolge sollte an einem 1. August nicht geheiratet werden, da dieser Tag einer der unheilvollen Schwendtage ist.

„Hochzeiten werden gern am Dienstag gefeiert”, heißt es in den Praktika des täglichen Lebens (333).

In Pforzheim galt der Mittwoch als verworfener Hexentag, an dem nicht geheiratet wird. (GRIMM, A. 613)

„Wenn man Donnerstags freit, so donnerts in der Ehe”, meinte man in Mellin. (KUHN u. SCHWARTZ, C. 285)

In Osterode am Harz hieß es: „trauungen müssen im vollmond geschehen, sonst hat die ehe keinen segen.” (GRIMM, A. 734)

Auch in Stendal sagte man: „Heiraten muß man beim Vollmond, so hat man nachher alles im Vollen.” (KUHN u. SCHWARTZ, C. 289) Als beste Tage zur Hochzeit empfahl man dort den Dienstag und den Freitag. (ebd.)

„Verliert die Braut am Hochzeitstage den Ring des Bräutigams, so stirbt sie vor ihm, oder umgekehrt.” (KUHN u. SCHWARTZ, C. 288)

„zerreißt ein weib die hochzeitsschuh, so wird sie vom mann geschlagen.” (GRIMM, A. 795)

„Bei Hochzeiten bekommen im Havellande, z. B. in Liepe, der Prediger und Küster ein Glas Bier, ein Licht und einen Rosmarinstengel, mit einem Faden rother Florretseide umwunden; von dieser trägt auch die Braut einen Faden um den Hals; diesen nennt man die Brautseide.” (KUHN u. SCHWARTZ, C. 282)

 

Während der Hochzeit zu beachtender Aberglaube und Brauchtum

Der Ablauf der Hochzeitsfeier wird als Vorbote der kommenden Ehe angesehen. Verläuft alles nach Wunsch, wird es einer problemlose Ehe, Mißgeschicke werden dagegen auch im ehelichen Alltag wiederkehren (WEHR, 123).

„bei hochzeiten wird außer dem großen kuchen ein junggesellenkuchen verfertigt, den die ledigen mädchen zerreißen; welche davon das größte stück kriegt, bekommt zuerst einen mann.” (GRIMM, A. 839, 464)

„Wenn einem Brautzug ein Schwein begegnet, dauert die Ehe nicht.” (Magisch-sympathetischer Hausschatz, 121)

Vorsicht in hügeligen Gegenden: „rollt auf dem kirchweg den brautleuten ein stein entgegen, so bedeutet es böses.” (GRIMM, A. 833)

Braut und Bräutigam sollten beim Kirchgang die Dachtraufe meiden und sich nicht umschauen, riet man in Gernsbach im Speierschen. (GRIMM, A. 558)

„Mädchen, die bei der Hochzeit keine Jungfern mehr sind, wird der Weg an vielen Orten mit Häcksel bestreut.” (KUHN u. SCHWARTZ, C. 287)

Bei der Hochzeit wird der Trauring heute gleich auf den Ringfinger gesteckt. Bis ins 16. Jahrhundert war es dagegen Brauch, daß der Bräutigam den Ring zunächst unter den Worten „Im Namen des Vaters” auf den Daumen schob, dann „Im Namen des Sohnes” sprechend den Ring auf den Zeigefinger steckte. Weiter ging es mit den Worten „Und des Heiligen Geistes”, bei denen der Ring auf dem Mittelfinger landete, ehe er bei einem Amen seinen Platz auf dem Ringfinger fand. (BRASCH, 44)

Wenn der Ring bei der Trauung herunterfällt, so verheißt das eine unglückliche Ehe.

Die Ehe wird auch unglücklich, wenn Braut und Bräutigam die Nacht vor der Hochzeit unter einem Dach verbringen.

In Gernsbach im Speierschen meinte man, wer bei der Trauung die Hand oben hat, werde in der Ehe das Sagen haben. (GRIMM, A. 560)

Beim Ausgang aus der Kirche wird über das Brautpaar Reis geworfen — das soll für Fruchtbarkeit sorgen.

„In der Gegend von Mülrose ist es Sitte, daß der Tänzer auf einer Hochzeit seiner Tänzerin einen Krug Bier reicht und dafür einen Apfel von ihr bekommt.” (KUHN u. SCHWARTZ, C. 290)

„ist ein paar verlobte auf der hochzeit, so darf es nicht mit dem neuen ehepaar an einem tische sitzen, nicht einmal die füße unter den tisch stecken, wo jenes sitzt, sonst hat eins der paare allerlei unglück.” (GRIMM, 840)

Eine typische traditionelle Hochzeitssuppe ist Rindfleischbrühe mit Fleischklößchen, Gemüse, Eierstich und Spargel.

Bei der Hochzeitsfeier wirft die Braut einen Strauß Blumen in die Schar der unverheirateten weiblichen Gäste. Wer von denen diesen Brautstrauß fängt, wird als nächste heiraten.

 

Gemeinsames Eheglück

Am Tag der Hochzeit darf der Bräutigam kein Messer mit sich führen, da er sonst das eheliche Glück zerschneide (Das sechste und siebente Buch Mosis, 122).

Unglück für die Ehe soll das Anspannen von Schimmeln vor die Hochzeitskutsche heraufbeschwören (ebd., 122).

Das Brautkleid sollte erst ein Jahr nach der Hochzeit in den Schrank gehängt werden, sonst bringt es Unglück. (Lesermitteilung)

Reich soll die Braut werden, wenn sie sich Geldstücke in den Schuh tut. Auch wenn es der Braut in den Brautkranz regnet, soll das Glück und Reichtum bedeuten (ebd.).

Regen soll aber auch ein schlechtes Omen bedeuten, Sonnenschein hingegen ist erwünscht. Nebel soll ein beschwerliches Leben ankünden (WEHR, 123).

„wenn eine braut getraut wird, und regnet unterwegs, so hat sie geweint, scheint die sonne, gelacht.” (GRIMM, A. 285)

„begegnet dem brautpaar auf dem wege zur trauung ein fuder mist, so bedeutet das unglückliche ehe.” (GRIMM, A. 1088)

„wenn auf der hochzeit die hunde sich beißen, schlagen die eheleute einander.” (GRIMM, A. 433)

„schimmelt die rinde des aufbewahrten hochzeitsbrots, so steht eine unzufriedene ehe bevor.” (GRIMM, A. 883)

Vor dem Altar müssen Braut und Bräutigam so nah beieinander stehen, daß niemand zwischen ihnen hindurchkommt. Dann soll sich später auch niemand zwischen die Eheleute drängen können (Das sechste und siebente Buch Mosis, 122). Bei Gernsbach im Speierschen empfahl man: „unter der trauung dicht zusammenstehen, sonst schleichen sich hexen dazwischen ein.” (GRIMM, A. 559)

 

Schadensmagie zur Hochzeit

„wer unter eheleuten trennung stiften will, drückt ein hackschloß zu, wenn sie vom priester zusammengegeben werden.” (aus Worms, GRIMM, A. 550)

 

Empfehlungen an die Braut

Wenn die Frau später in der Ehe das Regiment führen will, soll sie noch vor ihrem Bräutigam mit dem rechten Fuß zuerst über die Schwelle der Kirchentür schreiten. Die häusliche Herrschaft soll die Ehefrau auch dann haben, wenn ihr die geringelte Schwanzfeder eines Erpels (Entenkringel) in den Schuh gelegt wurde. Brav daheim bleibe der Ehemann später stets, wenn sich die Braut bei der Trauung auf einen der Rockflügel des Bräutigams kniet (Das sechste und siebente Buch Mosis, 122).

 

Reicher Kindersegen

Reger Nachwuchs soll sich einstellen, wenn sich in der Aussteuer eine Puppe befindet oder wenn das Hochzeitshaus mit Kinderrasseln geschmückt wird. (WEHR, 123)