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 Allmende
 
 

Honig

Die „Frucht” der Biene ist seit Menschengedenken von besonderer Bedeutung in Ernährung und Medizin, Mythos und Brauchtum. Ehe man den Zucker kannte, war Honig das einzige Süßungsmittel.

Der süße Honig wurde im Volksglauben zur Besänftigung widriger Mächte eingesetzt, er war Opfer bei Fruchtbarkeitsriten und diente als gern benutztes Aphrodisiakum.

Schon die Bibel kennt den Honig als auserlesenes und wohltuendes Erzeugnis (1. Mose 43,11).
Beim Auszug aus Ägypten verheißt Jahwe dem Volk Israel Palästina als „ein Land, in dem Milch und Honig fließen”. (2 Mose 3,8).

Dem Imker empfiehlt der Volksglaube: „ein bienenwirt schenke bei der honigernte vielen davon, so sind die bienen wieder mildtätig gegen ihn.” (GRIMM, 1992, Bd. III, 476)

Aus vergorenem Honig gewinnen der Germane und der Kelte ihren Met.

Die nordische Mythologie berichtet von dem Weisen Kvasir, der von Zwergen erschlagen wurde. Sein Blut mischten sie mit Honig und brauten so den Skaldenmet Odrörir. Jeder, der davon trinkt, wird ein Weiser und Dichter.
Vom Weltenbaum selbst, der Yggdrasil, trieft als Hunangsfall unablässig Honig.

Der Römer PLINIUS liefert eine Sammelanweisung für das zauberkräftige Eisenkraut, dernach man vor dem Pflücken zunächst die Erde mit Wachs und Honig versöhnen müsse (n. ARENS, 132).

Vom Honig zur Anfertigung einer Wunderlampe schreibt Agrippa von NETTESHEIM: „Wenn man Tausendgüldenkraut mit Honig und Wiedehopfblut vermischt und ein Licht daraus bereitet, so erscheinen die Anwesenden größer als gewöhnlich, und wenn man bei Nacht im Freien und bei heiteren Himmel es anzündet, so erscheinen die Sterne gegen einander hin und her zu schießen.” (De Occulta Philosophia, Kap. IL, n. SCHRÖDTER, 62)

Das „Sechste und siebente Buch Mosis” rät zu einer Mischung aus Bier, Honig und fein gepulvertem Kristallinglas, was einen heilsamen Trank ergebe (BAUER, 198).

Bereits im alten Ägypten wurde Honig medizinisch verwendet. Dabei nutzte man Verbände, die mit einer Mischung aus Honig und Fett bestrichen waren zur Vorbereitung weiterer Therapie sowie zur Nachbehandlung des Patienten, Honig war allgemein das am häufigsten gebrauchte Heilmittel (SCHIMITSCHEK, 14).

Im finnischen Epos Kalewala vermag die Mutter des schwerverletzten Lemminkäinen mit Hilfe eines Bienenzaubers ihren Sohn zu retten, nachdem acht andere Zauber Lemminkäinen zwar körperlich wiederherstellen konnten, ihn aber nicht zum Leben erweckten (15. Rune) — auch die alten Finnen wußten also um die Heilkraft des Honigs.

Hohe Wertschätzung bringt auch der Koran dem Honig entgegen.