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 Geistwesen
 
 

Mahrt

Zu den häufigen Sagengeistern gehört die Mahrt, welche als ein Nachtgeist den Schlafenden plagt, auch das Vieh wird von ihnen besucht. Um sie zu fangen, so heißt es, muß man das Loch verschließen, durch das sie ins Schlafimmer gelangt war, denn nur durch dieses kann sie wieder heraus.

Eine aus Swinemünde überlieferte Sage erzählt von zwei Knechten, die eine Kammer teilten. Einer litt sehr unter dem nächtlichen Rat und er bat seinem Kameraden, er möge das nächste Mal, wenn er im Schlafe ächze und stöhne das Astloch in der Kammertür verstopfen. Als der Schläfer wieder von der Mahrt besucht wurde, rief der andere ihn an, der nach der Mahrt griff und einen sich windenden Strohhalm in der Hand erfasste, der andere verstopfte unterdessen rasch das Astloch. Den Strohhalm legte sein Fänger auf den Tisch und am nächsten Morgen entdeckten die beiden in der Kammer ein schönes Mädchen. Der welche sie gefangen hatte, erhielt sie nach einigem hin und her und war zunächst auch recht glücklich verheiratet und bekamen auch Kinder. Häufig fragte die Frau aber, durch welches Loch sie zu ihm gekommen sei. Lange widerstand der Mann ihrer fragte, aber als seine Gattin meinte, sie höre „ihre Mutter in England die Schweine locken” (bald sterben), sie wolle sie noch ein einziges Mal sehen, hatte ihr Mann Erbarmen und zeigte ihr das Astloch, wodurch sie augenblicklich auf Nimmerwiedersehen hinausflog. (KUHN u. SCHWARTZ, S. 16)

Der in Sagen zu diesem Thema häufige Zug mit der sterbenden Mutter in England könnte auf ein britannisches Totenreich anspielen. (KUHN u. SCHWARTZ, S. A. 16)

Auch Pferde können von solchen Plagegeistern befallen werden.

Eine Sage aus Mellenthin weiß von einem Wirt auf Usedom zu berichten, der ein gutes und starkes Pferd im Stall stehen hatte, das auf einmal trotz guter Pflege immer mehr abkam. Ein kluger Mann wurde herbeigeholt, der in der Nacht zum Stall ging und das Astloch in der Tür verstopfte. Er betrat mit dem Wirt den Stall und sie entdeckten auf dem Pferd eine dem Wirt bekannte Frau sitzen. Sie war als Pferdemahrt erkannt und mußte versprechen, daß sie nie wieder kommen werde und so ließ man sie diesesmal noch frei. (KUHN u. SCHWARTZ, S. 21)

 

Die Mårten, wie man die Wesen auch nennt, ähneln auch den sonst als Kleine Drachen bezeichneten Hausgeistern. In Cremlingen hieß es, man sehe diese Mårten nachts als feurige Streifen durch die Luft in die Schornsteine ziehen. Beobachtet man ein solches „Mårtentrecken” genanntes Schauspiel, muß sich der Geist, wenn man Rasch ein Rad vom Wagen zieht, durch die Decke des Hauses hindurchbrennen. Aus Klein-Schöppenstedt kommt der Bericht von Bauern, welche es nachts rufen hörten, der Weizen sei gesackt, sie sollen auf den Dachboden kommen. Man ging hinauf und fand dort Säcke voller Weizen, welche der Mårten herbeigetragen hatte. (KUHN u. SCHWARTZ, S. 168)