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| Geistwesen | |
In der Gegend um Regensburg erzählte man sich die Geschichte von einem roten Weiblein, das auf einer Wiese nahe dem Dorf Wissing gesehen wurde.
Das hätte dort am hellichten Tage das Gras gemäht und zwischendurch das Wetzen der Sense erklingen lassen. Sonst war es friedlich, doch bekreuzigte sich, wer das Weiblein sah und machte sich rasch davon. Den Eigentümer der Wiese, ein reicher junger Bauer, störte das Gespenst nicht. Im Gegenteil, denn wo es Gras abgemäht hatte, wuchs es umso üppiger wieder nach.
Die Nachbarin, eine gottlose und hoffährtige Frau, bedrängte den Bauern, doch einmal das rote Weiblein anzusprechen, was der jedoch aus gutem Grunde ablehnte. Denn schon bald lag die Nachbarin krank darnieder. Gegen ihren Willen holte man einen Priester, ihr die Letzte Ölung zu geben. Doch als der kam, war die Frau schon kalt und tot — und hatte überdies ganz das Aussehen des roten Weibleins angenommen.
Seither gaben die Kühe, welche man mit dem Gras der Wiese fütterte, Blut statt Milch.
Quelle: KUNZE, 177