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| Geistwesen | |
(engl. Drakes, Fire-Drakes, schwed. Krat) Zu den Geistern des Hauses gehören die in vielerlei Gestalt vorkommenden Kleinen Drachen, welche an Gestalt nicht unbedingt klein sein müssen.
Diese Kleinen Drachen leben im engen Verhältnis mit dem Hausherrn, wobei Nutzen und Verpflichtung beiderseits ist. Der Hausherr wird seinen Kleinen Drachen mit dem gebührenden Respekt behandeln und ihm Versorgung sowie Unterschlupf an gewünschtem Platz gewähren, im Gegenzug wird der Hausgeist seinem Wirt allerlei Schätze ins Haus tragen. (ARROWSMITH, 259)
In Reichenfels im Voigtland sagte man: der drache trägt den mist auf dem hofe seinen freunden zu. (J. SCHMIDT, 1827, n. GRIMM, A. 858)
Diese Ausflüge unternimmt der Kleine Drache meist des Nachts. Dazu saust er in Gestalt eines Feuerballs (wie ein Kugelblitz) durch die Luft und soll übelsten Schwefelgestank verbreiten. Davon abgesehen kann eine Begegnung mit einem schatzbeladenen Kleinen Drachen durchaus lukrativ sein, denn wenn man geistesgegenwärtig — je nach Mundart des Geistes — halbe-halbe oder fifty-fifty ruft oder auch ein Messer nach ihm wirft, wird der Kleine Drache Teile seines Transportguts fallen lassen (ARROWSMITH, 260).
Derart mit Gütern beladene Drachen soll man auch zwingen können, ihre Last fallenzulassen, muß allerdings mit unerwünschten Gaben rechnen.
Eine Sage aus Malchin erzählt wie einer, als der Drache geflogen kam, seine Hose herabließ, woraufhin der Drache Erbsen in den Brunnen fallen ließ, daß der bis oben damit gefüllt war. Die Erbsen wollte man dem Vieh geben, doch das habe sie nicht angenommen. Einem anderem erging es nicht so glimpflich. Er stand beim Zwingen des Drachens nämlich nicht unter einem Dach, wie es angeraten ist, und wurde vom Drachen so beschmutzt, daß er den Gestank sein Lebtag nicht mehr losbekam. (KUHN u. SCHWARTZ, S. 4)
Im Saalfeldischen riet man: wenn der drache seinen verehrern eier, butter, käse, speck bringt, rufe man etlichemal den namen des heilands, so läßt er alles fallen. (GRIMM, A. 520)
Fliegt der (stets männliche) Kleine Drache gerade nicht durch die Lüfte, kann seine Gestalt die eines kleinen Jungen sein, eines Hahns oder eines Katers.
In einer Sage aus Nieder-Kränig im früheren Brandenburg ist von einem Kobold die Rede, dessen Äußeres (rote Jacke, rote Kappe) und Aufenthalt (in einer Tonne auf dem Dachboden) dem Puck glich und der am Abend wie ein kleiner Drache in Gestalt eines grauen Streifens oder roten Feuerballs aus dem Haus fuhr und Getreide und Geld heranbrachte. (KUHN u. SCHWARTZ, S. 48)
Verbreitet ist diese Art vornehmlich im nördlichen Europa. In England sind sie als Drakes oder Fire-Drakes bekannt, in Schweden kennt man den Krat, in Litauen die Aitvaras.
Ähnliches wie vom Kleinen Drachen erzehlt man auch vom Mårten.
In der Chemnitzer Rockenphilosophie heißt es: wäscht man sein geld in reinem wasser und legt salz und brot hinzu, so können der drache und böse leute es nicht holen. (GRIMM, A. 6)