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 Geistwesen
 
 

Wassergeister, Nixen

(männl. der Nix; Nichhus, nich-us, nic-or, nich-esa). Laut P. Herrmann ist Nix oder Nixe „eigentlich ein am Baden sich ergötzender Seegeist. Die Nixe (nichesa) ist die Wäscherin, das Plätschern des fließenden Wassers rief die Vorstellung des Waschens bei den geisterhaften Weibern hervor” (HERRMANN, 137).

Der Nix erscheint in mancherlei Gestalt, wie es das wechselhafte Element nahelegt. Als tosende Woge gemahnt das Wasser an die Gestalt eines sich aufbäumden Pferdes (vgl. „Wellenroß” für das Wikingerschiff), an lauem Sommertag gluckst er wie Harfenklang. Außer als Roß erscheint der Wassergeist besonders als Fisch oder Mischwesen aus Mensch und Fisch (HERRMANN, 137).

Gewöhnlich ist die Gestalt des Wassermanns aber die eines alten Mannes mit grauer, grüner oder roter Kleidung und Behaarung und grünen Zähnen sowie mit spitzen Ohren und, wie viele Kobolde, Platschfüßen. Mal taucht er zwergenhaft klein auf, mal als riesenhafter Recke. (HERRMANN, 138)
Die Nicker der Flüsse sind ähnlich, nur meist keine Greise sondern besonders in Skandinavien kräftige junge Männer, die man sicher an ihrer goldenen Harfe erkennt (ARROWSMITH, 101).

Die weiblichen Nixen gleichen ganz dem Menschen und sind von unvergleichlicher Schönheit.

Zu fürchten ist der Nix, weil er Menschen, besonders Kinder mit einem Haken zu sich ins Wasser zieht. Daran erinnert im Heldengedicht der fürchterliche Grendel, der ebenso wie seine Mutter in einem tiefen Sumpf hauste und das Wasser nachts verließ, um Menschen zu rauben, bis Beowulf ihn überwand.

Vor dem Neck soll Stahl jeglicher Art schützen, empfohlen wird auch das Sprüchlein:

„Neck, Neck, Nadeldieb, du bist im Wasser, ich bin an Land. Neck, Neck, Nadeldieb, ich bin im Wasser, du bist an Land.”
(ARROWSMITH, 101)

Vor den weiblichen Nixen, Fluß- und Meerfrauen sollten besonders Jünglinge in acht nehmen, da sie stets Gefahr laufen, von liebeslustigen Wassergeistern in den unterseeischen Palast gezogen zu werden.
Meermaid im Ortswappen von Wangerland
Meermaid von Minsen im Ortswappen von Wangerland

 
Eine in der Nordsee wohnende Meermaid strafte einmal Fischer aus Minsen, indem sie ihrem Dorf eine Sturmflut sandte. Diese Meermaid ziert bis heute das Ortswappen von Wangerland in Friesland (Die Schwarzen Führer, 122ff.).

Ihr Wesen zwischen Bedrohung und Schönheit macht die Wassergeister gewissermaßen zu Pförtnern, die den in aller Regel über Wasser führenden Weg in die geheimnisumwobene jenseitige Welt hüten (vgl. den Fährmann Charon, Artus` Fahrt nach Avalon uvm.).

 

Namen

In Deutschland sind bekannte Namen des männlichen Wassergeistes Nix, Wassermann, Hakelmann, Seemensch, Nicker, Nickel, Nickert, Nickelmann. Die weiblichen kennt man als Else, Ilse, Lissen oder Wasserlissen, Lixen (Schlesien), Seejungfer, Seeweiber, Muhme, Wassermuhme, Meerweib (HERRMANN, 137f.), Meermaid u. a.

In Schweden heißt er Strömkarl, in Norwegen Fossegrim, auf der Isle of Man Nikkisen (ARROWSMITH, 103). Ein schottischer Meermann, der als gewaltiges Pferd erscheint, ist der Kelpie (ebd., 120).

 

Wassermann: Nickert u. ä.

Ein Wassermann wie der Nickert in Sachsen ist ein gefürchteter Zeitgenosse, der ungetaufte Kinder oder die Kindbettnerin stiehlt und ihnen im Gegenzug Wechselbälge unterschiebt, die sich zu außergewöhnlich kräftigen Nickerkindern auswachsen, meist aber nicht sehr lange bei ihren Zieheltern verbleiben (KUHN u. SCHWARTZ, S. 103).

Die Begegnung mit einem Wassernix behagte einem Knecht in der Nähe von Pritsche, Brandburg schlecht. Der erblickte einen sich sonnenden Nix, der wie ein Heinzelmann ein rotes Hütchen trug. Der Knecht bewarf den Geist frech mit Steinen, ertrank aber an gleicher Stelle ein Jahr später (KUHN u. SCHWARTZ, S. 110).

Wohl um solchen Verlusten vorzubeugen, wurde in manches Wasser ein schwarzes Huhn geworfen (so in Thale, nachdem dort regelmäßig Kinder ertrunken waren, die wohl der Nickert mit seinem Haken zu sich herabgezogen hatte, KUHN u. SCHWARTZ, S. A. 235, 236, 237).

Solche Opfer sollen den Wassermann auch dazu bringen, in seine hohe Kunst des Fidelns einzuweihen (ARROWSMITH, 101).

In Schweden kennt man so einen Könner als den Nöck oder Neck. Der sitzt im Wasser und spielt Geige oder Harfe, wen seine Musik bezaubert, den lehrt er seine Weisen.

Ein Wassergeist der Slawen ist der Vodyanoy.

 

Wasserfrauen

Eine Nixe war Mutter von Wieland dem Schmied.

Hagen überraschte die beiden Meerweiber Sigelind und Hadburg und stahl ihre Schwanenkleider, weshalb die ihm das Schicksal der Nibelungen enthüllten (Nibelungenlied, 25. Abenteuer).

Als heilkundig erwies sich eine Meerfei, die im südwestschottischen Galloway einem schwindsüchtigen Mädchen Beifuß empfahl (SIEG, 204).

Vom Luftgeist zur Wasserfrau wandelte sich die Melusine (HERRMANN, 137).

Als musizierende Wesen erscheinen die Nixen in der Sage vom Tannhäuser, die im Hörselberg den Hofstaat der Frau Venus bilden.

Die Nixen ähneln wasserbewohnenden Nymphen der griechischen Mythologie.

 

Verschiedene Sagen

Alle Geister sollen einen Abscheu vor dem Knoblauch haben, so auch die Nixen. Einem Bauern bei Ostende half einmal ein Nix. Der hieß Flerus und er verrichtete seine Arbeit glänzend und brachte dem Haus Wohlstand. Einmal erlaubte sich die Magd, die dem Nix täglich seine Schüssel süße Milch bereitete einen Scherz mit Flerus, indem sie in die Milch Knoblauch statt Zucker gab. Das stimmte den Nix verdrießlich:

„Milch und Lauch!?
Flerus zieht weg
Und das Glück auch!”

Woraufhin es mit dem Hof bergab ging (n. SIEG, 253).

 

Nach einer Kärntener Sage soll ein Drache von einer Nixe verschmäht worden sein. Darum schlug der eifersüchtig um sich und zerrüttete die Berge, wovon das 1348 Kärnten heimsuchende Erdbeben seine Ursache hatte. (BORST, 536)

 

Siehe auch Seejungfern.