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 Geistwesen
 
 

Nachtmahre: Trud, Alp

Ein Wesen, das sich nachts auf den Schlafenden setzt und ihn bis zum Ersticken drückt, wenn der so geplagte nicht rechtzeitig — dann schweißgebadet — erwacht.

Auch das Vieh ist durch den Nachtmahr gefährdet. Dem Pferd setzt er sich im Stall auf den Rücken und verwirrt und knotet ihm die Mähne, daß es am Morgen ganz erschöpft ist. Das verknotete Pferdehaar nennt man nach daher Alpzopf, Drutenzopf, Wichtelzopf, Weichselzopf, Elfklatte (GRIMM, Deut. Mythol., Bd. I., 384).

Vom Alp leitet sich daher der Begriff Alptraum her; sein eigener Name kommt von Alben (auch Alven, Elben) dem Sammelbegriff für verschiedenerlei Geistwesen. In Hessen, Thüringen, Bayern und Sachsen sagt man zum unerfreulichen Schlaferlebnis die Trud drückt, nach dem dort üblichen Namen Trud für diese Wesen, die auch als Nachtmahre bezeichnet werden.

Gegen den Besuch solcher unerfreulichen Zeitgenossen sollen allerlei Pflanzen helfen, die im Schlafzimmer aufgehängt werden (Tausendgüldenkraut, Palmzweige, Eisenkraut, Johanniskraut, Mistelzweig, geweihte Oliven, Holzäpfel oder Weinblatt). Oder man legt beim Schlafen Amulette mit Diamant, Koralle, Pechkohle, Jaspis, getrocknetem Menstruationsblut oder Esels- und Wolfshaut um. Hilfreich sollen auch ein Kruzifix, der Verzicht auf Wachskerzen oder Messer im Haus sein, auch vor die Tür ausgestreuter Flachs oder ein an die Tür gemalter Drudenfuß oder Schweinskopf wird empfohlen, weiter ein Messer oder Ginsterzweig unter dem Kopfkissen, ein Socken unter dem Bett, die Schuhe verkehrt vor das Bett zu stellen oder vor dem Schlafen Arme und Beine zu kreuzen. Kindern und Pferden bindet man ein rotes Tuch um den Hals (ARROWSMITH, 125).

Ist der Nachtmahr einmal im Haus, so sucht man ihn durch Ausspruch des Namens Jesu zu vertreiben, schlägt mit der Zunge das Kreuz oder nennt den Plagegeist beim Namen. Auch Zaubersprüche gelten für wirksam. Eine andere Methode ist es, den Nachtmahr von seinem Vorhaben abzulenken, indem man Hirse auf den Boden streut (den er mühsam aufsammeln soll) oder ihm Wolle zum Spinnen hinzustellen. Man soll ihn auch fangen können, indem man alle Öffnungen des Raumes bis auf eines verstopft, da er auf gleichem Wege hinausmuß, wie er hineingekommen ist. Oder man verkorkt hörbar eine Flasche der neugierige Geist wird sich die Sache besehen wollen (bzw. er muß zwanghaftz hinein urinieren) und läßt sich leicht darin einsperren (ebd., 127).

Viele Namen sind für die Nachtmahre aus allen Teilen Europas bekannt. Außer Alp und Trud (oder Drud) heißt er Stendal, Waalrüter, Cauchemar, Nachtmart, Cinciut, Le Rudge-Pula, Marui, Painajainen, Marantule, Pandafeche, Shishimora, Schrätteli, Toggeli, Calcatràpole, Engue, Quældrytterinde, Nachtmännle, Schrecksele und — polnisch — Mora (ebd. u. GRIMM, Bd. I., 384).

Im oberfränkischen Dorf Aufseß bemerkte Luise Heim, geborene Freiin von Aufseß, im Hause eines Bauern einmal, daß auf der Decke des Bettes eines Wickelkindes eine gegen die Tür hin geöffnete Schere lag. Die Großmutter des Hauses erläuterte dieses, da „das Boppela” noch ungetauft sei, könnte möglicherweise die böse Trud kommen und das Kind gegen einen „Wechselbuttn” (Wechselbalg) umtauschen. In der geöffneten Schere verfange sich die Trud jedoch und könne nicht zu dem Kind gelangen. (n. DAXELMÜLLER, 28)