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| Medizin | |
Im sechzehnten und siebzehnten Jahrhundert erfreute sich in Europa eine Mumia genannte Substanz größter Beliebtheit, es war eines der meistgebrauchten Arzneimittel. Bei Mumia handelte es sich um zerstoßene Teile von meist aus Ägypten importierten Mumien.
Der medizinische Gedanke hinter einem derartigen Heilmittel ist weniger makaber als vielleicht vermutet. Bereits das Altertum kannte die heilende Wirkung von Asphalt und Bitumen, Erdwachs und Petroleum. Ein Fundort war Mumiay in Persien, dort nannte man das Erdpech mûm. Dieser Begriff wurde auf die mit Asphalt behandelten ägyptischen Leichen übertragen, die daher Mumien heißen und nun, wegen des enthaltenen Erdpechs, in den Ruf eines Heilmittel kamen.
Mit der Zeit schrieb man die tatsächliche oder vermeintliche Heilkraft der Mumien aber weniger dem Erdpech zu, sondern hielt die darin konservierten Lebenssäfte für ausschlaggebend und die Mumie selbst sowie das Konservierungsmittel rückten in den Hintergrund.
Wohl auch wegen der kostspieligen Beschaffung ägyptischer Mumien verlegte man sich auf die Herstellung künstlicher Mumien, wobei vorzugsweise rothaarige Erhängte Menschen verwendet wurden. Man nannte diese Mumia frische Mumia, die auch weiter gern verwendeten altägyptischen Mumien dagegen vera mumia. Zum Dritten wurde auch das eigentliche Erdpech vera mumia genannt; dieses fand bis in die jüngere Vergangenheit gelegentliche Verwendung in der Volksmedizin.