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 Heilkunde
 
 

Sympathieheilkunde

„Die Sympathie ist eine angebliche Heilung von Krankheiten, die nicht durch Einwirkung bekannter Heilmittel, sondern durch geheimnisvolle Kräfte erfolgt, die mit dem Kranken oft gar nicht in unmittelbare Berührung gebracht werden. Man ninimmt gewisse Handlungen vor, die auf den entfernten Kranken einwirken, oder man ,bespricht’ die Krankheit. Da die damit erzielten Wirkungen aber nicht erklärbar sind, müssen sie auf Suggestion oder Autosuggestion zurückgeführt werden.” So lautet eine gängige Definition dieser alternativen Heilmethode aus Sicht der etablierten, offiziellen Medizin. (zit. n. ATKINSON-SCARTER, Sympathiemagie und Zaubermedizin, 17)

Diese Begriffsbestimmung sei jedoch sehr vage und nur bedingt zutreffend. Tatsächlich handele es sich um eine altüberlieferte und weithin verbreitete Heilmethode, deren Wirkungsweise allerdings ungeklärt ist und die darum nicht den Anspruch erheben könne, fixierte Wissenschaft im gebräuchlichem Sinne zu sein, die aber auch bei sonst realistisch und materialistisch eingestellten Menschen Anerkennung finde und deren Wirksamkeit sich durch Erfahrung bestätigt habe (ATKINSON-SCARTER, bes. S. 17f.)

Als Idee steht hinter der Lehre von der Sympathie die Auffassung, in der Natur stehe alles miteinander in Verbindung und was im Großen den Kosmos bestimme, wirke im Kleinen auch auf Erden und zwar nicht allein in Menschen, Tieren und Pflanzen, sondern in der Natur insgesamt (wie oben — so unten, Mikrokosmos — Makrokosmos). Der Neuplatoniker PLOTIN (205 bis 270) schrieb dazu: „Da alles im Universum in einem natürlichem Zusammernhange steht, und das Ganze eine Mannigfaltigkeit von Kräften ist, welche einander auf mannigfaltige Weise anziehen und abstoßen und vermittelst der Sympathie (Wahlverwandschaft) durch e i n e Kraft zu e i n e m Leben vereinigt werden, so folgt daraus, das es eine natürliche Magie, Theurgie und Mantik geben muß.” (zit. n. SCHRÖDTER, 57; siehe auch Sympathiezauber)

Da also alles miteinander verbunden ist, könne man „Eigenschaften des menschlichen Organismus und gewisse Eigenschaften der äußeren Natur so miteinander verbinden, daß die Eigenschaft der Krankheit verflüchtigt wird.” (ATKINSON-SCARTER, S. 90)

Als beste Methode der sympathetischen Heilweise oder Sympathetik, wie sich auch genannt wird, gilt nach dem Sympathieheiler Oskar GANSER die Verpflanzung (lat. Transplantation), also die Übertragung der Krankheit vom Kranken auf Tiere, Pflanzen oder in die unbelebte Natur. Diese läßt sich in sechs verschiedene Verfahren untergliedern:

1. Insemation (Einsäen)
2. Implantation (Einpflanzung)
3. Imposition (Einsetzung)
4. Approximation (Annäherung)
5. Irroration (Befruchtung)
6. Ineskation (Annetzung; zit. n. ATKINSON-SCARTER, S. 91)

Grundsätzlich gilt, daß ein der Übertragung dienendes Kraut mit dem Waschwasser des Kranken zu gießen ist und ihr Gedeihen mit Mumie zu fördern sei. Ein weiterer Grundsatz ist, daß jeweils nur ein sympathetisches Verfahren zur Zeit einzusetzen sei.

Dem Grundgedanken der Sympathieheilkunde ähnelt der der Homöopathie, bei der nicht ein bestimmtes Mittel selbst, sondern deren durch Potenzierung verstärkte Eigenschaft zur Behandlung eingesetzt wird. Verwandt ist auch die Lehre von den Signaturen.