| < zurück | |
| Der Mensch und sein Körper - Zähne | |
Wenn beim Kleinstkind die Milchzähne aus dem Kiefer wachsend durch das Zahnfleisch brechen, ist das ein für das Kind ungewohnter und schmerzhafter Vorgang. Weniger unangenehm ist das Wachstum der eigentlichen Zähne, mehr dann manchmal wieder das Hervorkommen der Weisheitszähne.
Um wenigstens den Kleinsten das Zahnen zu erleichtern, werden von Volksheilkunde und Aberglauben viele Maßnahmen gegen den mit dem Zahnen der Kinder verbundenen Schmerz empfohlen.
Eine stillende Mutter soll an drei Sonntagen schweigend aus der Kirche gehen und ihrem Kinde dabei in den Mund blasen. Das erleichtere dem Kind das Zahnen. (Chemnitzer Rockenphilosophie, GRIMM, A. 53)
Eine umgehängte Kette aus Wacholderbeeren soll kleinen Kindern dabei helfen, die schmerzhafte Phase des Zahnens zu bestehen (WEHR, 219). Ebenso rät man zu einer Kette aus dem Samen der Pfingstrose, den man darum auch Zahnperlen nennt.
Sehr verbreitet ist der Einsatz einer Bernsteinkette, welche das Kind nicht nur schmücken sondern ihm auch das Zahnen erleichtern soll.
Auch das Hirtentäschelkraut soll helfen: Dem zahnenden Kinde werden die Früchte (wegen ihrer zahnänlichen Form?) in ein rotseidenes Fleckchen eingebunden um den Hals gehängt; nach der Zahnung wird das Amulett von der Mutter stillschweigend rückwärts in fleßendes Wasser geworfen. (MARZELL i. Handwörterbuch, IV 140)
Einem Berliner Aberglauben zufolge wird dem Kind rasch ein neuer Zahn wachsen, wenn der ausgefallene Zahn in ein Mäuseloch geworfen wird. (KUHN u. SCHWARTZ C. 443)
Praktischere Abhilfe bot die Zwiebel der Schwertlilie, die zahnenden Kindern zum Beißen gegeben wurden (nach LOSCH, 25).
Sicher gut gemeint, aber dennoch eine recht robuste Methode ist diese, die ein Aberglaube aus dem Land ob der Ens rät: wer den ersten zahn des kindes sieht, gibt ihm auf der stelle eine ohrfeige, so zahnt es hernach leicht. (GRIMM, A. 751) Ähnlich zweifelhaft ist der aus Gernsbach im Speierschen stammende Rat, dem Kind einen mit den Zähnen abgebissenenen Mäusekopf umzuhängen. Man soll den Kopf aber auch mit Gold abschneiden können. (GRIMM, A. 581) Da gebe man lieber dem Kind, wo es zuerst in ein Haus kommt, ein Ei, denn auch das soll ihm das Zahnen erleichtern, wie man in Gernsbach meinte. Allerdings heißt es auch, daß das Kind davon plauderhaft werde. (GRIMM, A. 582)
Ein dem Kind umgehängtes Amulett mit Delphinzähnen soll jenem das Zahnen erleichtern. (BÄCHTOLD-STÄUBLI, II,186)