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| Krankheiten | |
Auch Fallsucht, das Höchste oder die schwere Krankheit). Dem Volksglauben zufolge ist diese heilige Krankheit (morbus sacer) als Einfluß von Dämonen zu bewerten. Austreibung dieser durch Exorzismus war daher gängige Praxis, ebenso Maßnahmen gegen Ansteckung. Außer Gebeten gilt Ausspucken als wirksamer Gegenzauber. Der Ort, wo ein Epileptiker seinen Anfall hatte, galt als heilig.
Von ihnen gibt es eine ganze Reihe, was auf die Verbreitung dieser Krankheit hindeutet. Einige von ihnen sind Alban von Mainz, Bibiana, Drei Könige, Johannes der Täufer, Johannes (Evangelist), Johannes Chrysostomus, Sebastian, Willibrord;
siehe auch Veit.
Der Volksglaube empfiehlt das Hirn der Ziege gegen epileptische Anfälle, Schlaf unter einem Altar oder Verbrennen der während eines Anfalles getragene Kleidung. Als Heilstein soll der Chrysolith helfen. Auch Teilnahme am Abendmahl soll vor Anfällen schützen.
Auch ein lebend verbrannter und pulverisierter Igel soll helfen (Tierschutzbestimmungen beachten!).
Das Blut Enthaupteter zu trinken soll gegen Fallsucht helfen. Erkrankte stellten sich darum bei einer Hinrichtung nahe dem Schafott auf und reichten Gehilfen des Henkers Gefäße. Die Gehilfen fingen das Blut des Geköpften auf und überreichten es den Epileptikern, die es sofort tranken — so beobachtete es 1858 der angehende Anatom Wilhelm Waldeyer in Göttingen. (SCHREIBER, 269)
Der Edelstein Chrysopras soll nach Hildegard von Bingen den epileptischen Anfall lindern (Edelsteine in der Medizin I., 44).
Häufiger wird die Wurzel des Beifuß empfohlen. So empfehle Hugo Schulz, kurz vor dem zu erwartendem Anfalle etwa 5 Gramm der trockenen, gepulverten Wurzel in etwas warmem Getränk genommen, worauf der Patient sich zu Bett legen und den nachfolgenden Schweißausbrauch abwarten soll (SIEG, 204).
In Masuren hält man das von den Kirchenlichten ablaufende Wachs als gegen die Epilepsie besonders wirksam. (FRISCHBIER, 47)
An der fallenden Sucht litt in der Antike der Athener Demokrates. Das Orakel von Delphi riet ihm, er solle dagegen die Larven der Nasen- und Rachenbremsen von Schaf, Ziege, Dam- und Rothirsch (Cephenomyia spec.) nehmen. Die aus der Nase fallenden Würmer sollte der Patient in einem Tuch auffangen und an den Hals binden. Man meinte, diese Larven würden die Drehkrankheit auslösen, nach dem Grundsatz Gleiches mit Gleichen hoffte man die Krankheit zu bezwingen (SCHIMITSCHEK, 28).
Von der heiligen Krankheit waren eine Reihe bekannter Persönlichkeiten der Geschichte betroffen, unter ihnen der römische Eroberer und Diktator Julius Caesar.
Auch Mohammed, der Prophet Allahs, soll Epileptiker gewesen sein.