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Üblicherweise gilt das Niesen als Symptom des Schnupfens, ob nun hervorgerufen durch Erkältung oder durch Pollenflug.
Einen Riecher haben meint eine Art siebten Sinn, bei dem ein unbestimmtes Gefühl der Nase zugeordnet wird.
So soll dann auch unerwartetes Niesen auf die Anwesenheit einer anderweltlichen Präsenz deuten, etwa, daß der Teufel den Betroffenen an der Nase kitzle (MALA, 92).
Das dem Niesen entgegengebrachte Gesundheit! oder Helf Gott! ist dementsprechend nicht allein Segenswunsch, daß ein Erkälteter genesen möge, es ist auch ein Abwehrzauber, damit vermuteter unsauberer Geist nicht die eigene Nase zwicke.
Oder man meinte, der Atem sei mit der Seele des Menschen identisch. Fährt diese so rasch aus dem Körper, wie es beim Niesen der Fall ist, könnte das Ableben des Niesenden zu befürchten sein, weshalb göttlicher Beistand anzurufen war. Papst Gregor soll den Brauch des Helf Gott! eingeführt haben, indem er in Zeiten der Pest ein Gebet verfaßte, das einen Vorspruch enthielt, welcher die Niesenden vor Schaden bewahren sollte. (BRASCH, 73)
Niest man nüchtern am Sonntag, so deutet das auf angenehme Gesellschaft, am Montag auf ein Geschenk, am Dienstag auf ein Getränk, am Mittwoch auf einen Brief, am Donnerstag geht alles schief, am Freitag auf Glück, am Sonnabend geht manches zurück. (Magisch-sympathetischer Hausschatz, 134)
In der Chemnitzer Rockenphilosophie heißt es: wer früh nüchtern niest, bekommt am selbigen tag etwas geschenkt. Aber auch: niesen beim schuhanziehen bedeutet unglück. (GRIMM, A. 93 u. 161)
Dort sagt man auch: wer frühmorgens im aufstehen nieset, soll wieder legen, und drei stunden liegen bleiben, sonst ist sein weib meister die ganze woche. (GRIMM, A. 437)
Die getrockneten Blüten des Maiglöckchens regen aufgrund ihres Saponingehaltes zum Niesen an und sind Bestandteil des Schneeberger Schnupftabaks (DÜLL u. KUTZELNIGG, 135).