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| Mensch und Körper | |
(lat. Lacrimae) Ein Drüsensekret. Die Tränenflüssigkeit wird ständig von den Tränendrüsen in die inneren Augenwinkel abgegeben und dient der Reinigung und Feuchthaltung des Auges. Etwa alle fünf bis zehn Sekunden schließt und öffnet sich das Augenlid und verteilt die Tränenflüssigkeit über die Hornhaut, der dadurch auch Nährstoffe zugeführt werden, ehe die Tränen über die Nasenkanäle abfließen.
Durch Reizungen kann der Tränenfluß gesteigert werden, beispielsweise durch Gegenwind und Zugluft, aber auch durch allergische Reaktionen, besonders beim Heuschnupfen.
Ein Phänomen ist die Tränenabsonderung aufgrund einer Gefühlslage. Sowohl bei heftigem Gelächter können Tränen vergossen werden, als auch bei Kummer, wenn der Mensch weint.
In der ägyptischen Mythologie heißt es, die Tränen der um den Osiris trauernden Göttin Isis hätten zur ersten Nilschwemme geführt.
Die nordische Sage erzählt von der Göttin Freya, die auf der Suche nach ihrem verschwundenen Mann tränenvergießend durch die Welt zog. Troffen ihre Tränen ins Meer, so entstand aus ihnen der Bernstein, trafen ihre Tränen das Land, wurden sie zu Gold.
Der Name Fricktau für den Sonnentau könnte eine Abwandelung der Sage darstellen.
Den Tau deutete auch eine griechische Sage als göttliche Tränen. Dabei handelt es sich um die Tränen der Morgenröte Eos, die sich als Tau auf die morgenfrühe Erde legen. Auch die Verwandlung zu Bernstein kannte man im antiken Mittelmeerraum. Hier waren es die Heliaden, deren am Ufer des Eridanus um Phäton vergossene Tränen zu Bernstein wurden (OVID, Metamorphosen II, 340-366).
Aus den Tränen der um Adonis trauernden Aphrodite soll der Schlafmohn gewachsen sein.
Nach christlicher Legende entstammen die Gänseblümchen den Tränen der weinenden Maria. Man nennt das häufige Kraut darum auch Marienblümchen (märkische Sage, n. SIEG, 253). Ebenso wird es auch über die Entstehung des Maiglöckchens erzählt.
Zu den Wundern im Christentum gehört es, wenn Heiligenbilder Tränen vergießen. In der Kathedrale von Lublin begann im Juli 1949 eine Statue der Maria mit dem Vergießen blutiger Tränen (v. DÄNIKEN, Erscheinungen, 282). Fallberichte dieser Art sind nicht selten.
Die Tränen, die Maria Magdalena besonders am 22. Juli um ihren geliebten Herrn Jesus vergießen soll, sollen als Mondflecken sichtbar sein.
Tränen sollen vor dem Bösen Blick schützen.
Tränen der Mollusken nennt man auch die Perlen, die aufgrund des Ungehagens einer Perlmuschel entstehen sollen.
In der Chemnitzer Rockenphilosophie heißt es: bei einer leiche lasse man keine zähren fallen auf den todten, er kann sonst nicht ruhen. (GRIMM, A. 397)
Von tierischen, durch Weinen vergossene Tränen ist wenig bekannt. Einer der seltenen Fälle war das antike griechische Pferd Aethon, das laut VERGIL nach dem Tod seines Reiters Pallas Tränen weinte (Aeneis, XI,89).
Krokodilstränen meint unechte, nur gespielte Tränen.