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Das Bedürfnis sich gelegentlich einen Rausch anzutrinken dürfte nur wenig jünger sein als die Menschheit selbst. Schon die Bibel berichtet, daß Noah, kaum daß die Sintflut überstanden war, einen Weinberg anlegte und sich betrank (1. Mose 9,10ff.).
Wo der Alkoholgenuß nicht durch religiöse Gesetze verboten ist (wie im Islam) dürfte kein Volksfest ohne die eine oder andere Schnapsleiche auskommen. Daß die Sauferei aber nicht reines Vergnügen ist, belegen viele Mythen. Erwähnter Noah verfluchte, aus dem Rausch erwacht, einen seiner Söhne, die griechische Mythologie kennt die Kentauren, denen der Suff bei der Hochzeit des Peirithoos zum Verhängnis wurde.
Weil er ein großer Säufer war, soll der griechische Held Akratopotes in Munichia (Attika) kultisch verehrt worden sein. Dieses wird aus seinem Namen geschlossen, welcher bedeutet, daß er nur bloßen klaren Wein trank. (HEDERICH, Sp. 48)
Andererseits ist der Alkohol Bestandteil kultischer Handlungen, sei es der Meßwein beim Abendmahl oder der Met, dem der nordische Skalde seine Dichtergabe verdankte.
Gegen die verderblichen Folgen der Trunksucht suchte man sich zu schützen, wobei Mäßigung nur ein Rezept unter vielen ist. So erhoffte man sich vom Amethyst Trinkfestigkeit, der Trunksucht sucht(e) man sich durch Anrufung verschiedener Heiliger zu erwehren, Bibiana, Johannes der Täufer, Matthäus und Urban.
Im Schwabenland soll man Säufern einen Wein zu trinken gegeben haben, in dem zuvor ein Aal ertrunken war. Der Säufer, dem man von der Behandlung nichts sagen durfte, sollte davon seiner Trunksucht ledig werden. (Sechstes und siebentes Buch Mosis, 310)
Das Gegenteil — eine Feindin zur Säuferin machen — soll erreichen, wer sich vom Friedhof einen Menschenknochen holt, den in Wasser kocht und das Kochwasser vor der Türschwelle der Feindin auschüttet. (ebd., 112)
Ist der Säuferwahnsinn bereits eingetreten, so rät man in der Homöopathie zum Stechapfel (LOSCH, 163), was dann vermutlich auch nicht weiter schadet.
Mancherorts glaubt man, den zukünftigen Beruf eines Kindes daraus zu erfahren, daß man vor das Kind an seinem ersten Geburtstage verschiedene Gegenstände hinlegt; welchen es dann wählt, der Gegenstand deutet auf seinen zukünftigen Beruf. Zum Beispiel, es ist ein Schnapsglas, ein Gebetbuch, ein Geldstück vor ihm hingelegt worden, dann wird es ein Säufer, greift es nach dem Schnapsglas, ein Geistlicher, greift es nach dem Gebetbuch, und wohlhabend, greift es nach dem Geldstück. (Magisch-sympathethischer Hausschatz, 126)