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 Allmende
 
 

Kranz

--- in Vorber. --

Nach einem dem AISCHYLOS zugeschriebenem Fragment soll der Kranz zu Ehren des Prometheus eingeführt worden sein. Diese sollen daran erinnern, daß Prometheus sich einst doch dem Zeus beugte und darum selbst von seiner Qual erlöst wurde. Die gebeugten Zweige, aus denen erste Kränze geflochten werden, fanden sich auf Abbildungen in den Haaren von Urmenschen bzw. Kabiren, die zur Weihe schritten. Selbstbeugung im Sinne eines Sündenbekenntnisses waren Bestandteile entsprechender Aufnahmerituale.
Leider ist die Prometheus-Trilogie des AISCHYLOS nur lückenhaft erhalten. (Vergleiche KERENYI, 129f.).

Gegen die Ordnung des Zeus hatte neben Prometheus auch Herakles verstoßen. Als er dem Zeus den Vorschlag unterbreitete, der leidende Chiron wolle für Prometheus sterben, nahm er einen Ölzweig zur symbolischen „Fessel” KERENYI, 130).

Der gebogene Zweig wird auch in Zusammenhang mit der Sichel des Mondes gesehen. Auf der Insel Samos war ein Lygos-Baum (Agnos castus, ähnlich der Weide) der Hera geweiht. Unter diesem Baum soll nach einer samischen Sage die Göttin die Ureinwohner der Insel, die Karer, geboren haben.
Im Gesträuch dieses Lygos war das Kultbild der Göttin versteckt, während der Mond in der Neumondphase verborgen war KERENYI, 130f.). Sein Wiederauftauchen als schmale Sichel mag in den gebogenen Zweigen erkannt werden.

Ein Zweig bzw. Kranz von Lorbeer war Siegespreis bei den hellenischen Spielen und Krone der römischen Kaiser.

Bei den Pythischen Wettspielen erhielt der Sieger anfangs einen Kranz aus Eichenlaub zum Preis. Nachdem Apollo, der diese Spiele begründet hatte, die Daphne nicht bekommen hatte, weil die sich in einen Lorbeerbaum verwandelt hatte (OVID, Metamorphosen, I.452-566), änderte sich der Preis in Verehrung dieses Baumes in einen Lorbeerkranz. Das immergrüne Laub bekränzte fortan Haupt, Leier und Köcher des Gottes.

 

Bekränzt mit Weinreben und Efeu stellte man den Dionysos dar.

Im alten Griechenland wurden auch aus dem hier Kosmosandalon genannten Gartenrittersporn Kränze gebunden. Auf dessen Blüten sollen die Buchstaben Aiai [griech. „Ach!”, Ausdruck d. Klage, d. Erstaunens; „o daß doch!”] zu erkennen sein. Bei der Prozession zu Ehren der Göttin Demeter (siehe Chtonia) in Hermione wurden von Männern, Frauen und Kindern weiße Gewänder und auf dem Kopf solche Kränze getragen. (PAUSANIAS, Argolis, 34,7f. u. Anm. S. 584)

 

Die zur Adventszeit beliebten Kränze aus immergrünen Pflanzenteilen, meist von Nadelbäumen, auch von Mistel und Efeu, könnten ihren Ursprung darin haben, daß die Menschen den Naturgeistern im kalten Winter, besonders zu den zwölf Rauhnächten, Unterschlupf anboten (ARROWSMITH, 295). Dafür dankte dann beispielsweise Knecht Ruprecht, der mit Sack und Rute Kinder belohnt oder straft.
Christianisiert ist er der Nikolaus, dessen Fest am 6. Dezember ist.

Der heute übliche Adventskranz mit den vier Kerzen, die an den Adventssonntagen nacheinander entzündet werden, ist aber eine recht junge Erfindung, die sich erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts durchsetzte (AU, 225).

Die vier Kerzen auf dem Kranz zum Weihnachtsfest (oder Julfest) sollen für die vier Jahreszeiten stehen. Der Kranz ohne Anfang und Ende ist dabei Sinnbild ewigen Lebens. Andere festliche Anlässe, bei denen ein Kranz üblich ist, sind Maienkranz, Erntekranz, der Kranz beim Richtfest oder auch der Kranz als Grabschmuck.

Im Christentum ist der Kranz aus immergrünen Gesträuch, wie er als Grabschmuck üblich ist, als Symbol des immerwährenden Lebens und der Auferstehung, mithin des Sieges Jesu über den Tod, weshalb er auch als Siegeskranz gesehen wird.

 

Mädchen sollen in der Johannisnacht ihren Zukünftigen sehen, wenn sie zwischen 11 und 12 Uhr einen Kranz aus neunerlei Blumen winden — so jedenfalls der im „Sechsten und siebenten Buch Mosis” enthaltene „Magisch-sympathetische Hausschatz” (n. BAUER, 135).
An gleicher Stelle heißt es, wenn das Mädchen einen Kranz aus Klebkraut windet und dabei dreimal ums Haus geht, wobei es spricht: „Klebekranz ich winde dich, Schätzchen, empfinde mich”, dann erscheine ihr der Zukünftige im Traum. Wird der Kranz während der Umgänge allerdings nicht fertig, so droht dem Mädchen Krankheit. (ebd.)

In Swinemünde herrscht die Sitte, daß in der See badende Frauen, wenn sie das letzte Bad genommen, einen Kranz in’s Meer werfen; nimmt ihn die See mit fort, so kommt ihr Uebel nicht wieder. (KUHN u. SCHWARTZ, C. 478)