| < zurück | |
Links steht in der deutschen Sprache oft im Zusammenhang mit falsch oder schlecht: er benimmt sich linkisch oder er hat mich gelinkt, darum werde ich ihn linksliegenlassen, er hat ohnehin zwei linke hände.
Dagegen bedeutet rechts meistens das Richtige oder Gute: Recht so, rechtschaffen, richtig, richten, das Herz auf dem rechten Fleck haben, Gerechtigkeit, Recht und Unrecht.
So verhälte es sich auch in anderen Sprachen. Im Italienischen bedeutet sinistra links, sinistro unheilvoll, Unglück. Das Deutsche kennt als Fremdwort sinister im Sinne von er schmiedet sinistre (finstere) Pläne.
Sinister stammt aus dem Lateinischen. Bereits die alten Römer sahen die linke Seite als schlechte Seite an. So galt es für unheilvoll, in ein Haus mit dem linken Fuß zuerst einzutreten. Reiche Römer bestallten darum einen Diener mit der Aufgabe darauf zu achten, daß Gäste das Haus mit dem rechten Fuß zuerst betreten (BRASCH, 19).
Links ist der Welt des Dämonischen zugeordnet. Linksherum, gegen den Lauf der Sonne, werden passende Rituale durchgeführt, siehe Widdershins.
Tarotkarten sollen nach allgemeiner Auffassung mit der linken Hand gezogen werden.
In 2. Mose 23,2 heißt es: Du sollst nicht folgen der Menge zum Bösen und nicht also verantworten vor Gericht, daß du der Menge nach vom Rechten weichest.
Prediger Salomo: Des Weisen Herz ist zu seiner Rechten; aber des Narren Herz ist zu seiner Linken. (Kap. 10, 2)
Im babylonischen Talmud heißt es: Zwei Nieren sind im Menschen, die eine rät ihm zum Guten, und die andere rät ihm zum Bösen, und es ist wahrscheinlich, daß die gute zu seiner Rechten und die böse zu seiner Linken sich befindet. Berakhoth IX, i-v, Fol. 61a.
Als man Jesus zum König der Juden erklärt hatte, statte man ihn mit Purpur und Dornenkrone aus und drückte ihm ein Rohr in die rechte Hand, als wäre es ein Zepter.
In muslimischen Ländern wird (wenn nicht mit Besteck gegessen wird) beim Essen nur die rechte Hand benutzt. Die linke Hand betrachtet man als unrein, mit ihr erledigt man beispielsweise die Toilettenhygiene.
Beim Ausgang soll man grundsätzlich zuerst den rechten Fuß über die Schwelle der Tür setzen. (aus Pforzheim, GRIMM, A. 591)
Einem Aberglauben zufolge ist der Tag gelaufen, wenn man zuerst mit dem linken Fuß aufsteht.
Juckt einem die linke Hand, so wird man Geld einnehmen, juckt die Rechte, so gibt man es aus. (handschriftl. aus Stendal, KUHN u. SCHWARTZ, C. 468)
Bei den antiken Spielen Griechenlands erhielt der Sieger einen Palmzweig in die rechte Hand. Das hatte Theseus eingeführt, als er auf Delos Spiel zu Ehren des Apollo ausrichtete (PAUSANIAS, Böotien 40,4 u. HOMER, Illias 18.590ff.).
Der Römer PLINIUS liefert eine Sammelanweisung für das zauberkräftige Eisenkraut, wie sie von keltischen Druiden beachtet wurde. Dernach müsse man beim Aufgang des Hundssterns zunächst die Erde mit Wachs und Honig versöhnen, ehe in sonnen- und mondscheinloser Zeit mit Eisen ein Kreis um das Kraut gezogen wird, das man dann mit der linken Hand pflückt (n. ARENS 132).
Zur Diebesjagd wird mit der linken Hand ein Ast des Wacholders nach Osten hin zu Boden gebogen. (FISCHER-RIZZI, 167)
ein neugeboren kind lege man nicht zuerst auf die linke seite, sonst bleibt es linkisch. (Chemnitzer Rockenphilosophie, GRIMM, A. 137)
In Pforzheim riet man: hat man nachts furcht vor einer hexe, kehre man nur den linken schuh um. (GRIMM, 642)
In Sportstadien wird auf der ovalen Aschenbahn in aller Regel linksherum gelaufen.
Von windenden Pflanzen heißt es: Alle ,lunaren’ (mondbeeinflußten) Pflanzen, wozu z. B. die Nachtschattengewächse und die Bohnen gehören, spinnen links herum, die ,solaren’ (sonnebeeinflußten), wie z. B. der Hopfen, dagegen rechtsherum. (SCHRÖDTER, 201)
Die politische Einordnung in linke und rechte Partei geht auf die Sitzordnung in der französischen Revolution bzw. der Nationalversammlung zurück. Links saßen die Radikalen (Jakobiner, Sozialisten), rechts die konservativen Kräfte (politische Gesäßgeographie).
Der Schriftsteller Botho Strauss in seinem Anschwellenden Bocksgesang: Seltsam, wie man sich links nennen kann, da links von alters her als Synonym für das Fehlgehende gilt. [...] Man heftet sich also ein Zeichen des Verhexten und Verkehrten an, weil man, voller Aufklärungshochmut, seine Politik auf den Beweis der Machtlosigkeit von magischen Ordnungsvorstellungen begründet. (Spiegel 6/1993, 203/204)
In der Chemnitzer Rockenphilosophie heißt es: wer an stück von der wäsche verkehrt oder links anzieht, wird nicht beschrien (GRIMM, A. 3)
In Osterode am Harz hieß es: montag soll man nichts ausleihen, beim kauf nichts schuldig bleiben, auch keinen strumpf links antun. (GRIMM, A. 771)