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| Speis’ und Trank | |
Die erste Nahrung im Leben eines jeden Säugetiers — und damit auch des Menschen — ist die reine weiße Milch aus den Milchdrüsen der Mutter, welche alle Inhaltsstoffe enthält, welche das Neugeborene bis zur Aufnahme sonstiger Nahrung benötigt.
Milch ist ein sehr bedeutendes Nahrungsmittel, aus dem außer der Trinkmilch zahlreiche Erzeugnisse gewonnen werden, beispielsweise Käse, Quark, Butter, Joghurt usw.
Hermes, der Götterbote des griechischen Pantheon, war die Frucht eines Seitensprunges des Zeus und der Nymphe Maia. Hera, die Gattin des Zeus, stillte ihn zunächst an ihrer Brust, bemerkte dann aber den Betrug und stieß den Hermes von sich.
Dabei verspritzte ihre Milch, die noch heute als Band der Milchstraße am nächtlichen Himmel sichtbar ist.
Ähnlich unfreiwillig säugte Hera auch den kleinen Herakles. Als sie ihn von sich stieß, entsprangen den Milchtropfen weiße Lilien.
Aristaios soll laut griechischer Überlieferung derjenige gewesen sein, der den Menschen die Kunst lehrte, aus Milch Käse zu machen. Dieser Aristaios hatte solches Wissen von Nymphen erworben, bei denen er aufwuchs und die ihn außerdem in der Nutzung des Ölbaums und der Haltung von Bienen unterwiesen.
Einen nie versiegenden Strom Milch gibt in den Mythen des Nordens das Euter der Ziege Heidrun, die am Laubdach des Baumes Lärad frißt (Edda, Grimnirlied, 25).
Auch die Bibel mißt der Milch hohe Wertschätzung zu, etwa wenn das dem Volk Israel verheißene Land beschrieben wird, in dem Milch und Honig fließen. (2. Mose 3,8).
Als lacta philosophica, philosophische Milch, bezeichnet der Alchemist jenen Stoff, welcher bei der Herstellung eines Steins der Weisen der Materie zugegeben wird, um die Gelbung hervorzurufen. Dadurch soll durch Reduktion verlorener Geist zurückgegeben werden (BIEDERMANN, 406).
Vor Sonnenaufgang und nach Sonnenuntergang darf man keine Milch verkaufen. (aus Rauen, KUHN u. SCHWARTZ, C. 364)
In einem Milchsegen des 12. Jh. wa man die milch stelt heißt es:
Ich gib dir heut gunreben, merlinsen und salz,
Und gang uf durch de wolken
Und bring mir schmalz
Und milich und molken.
(MARZELL i. Handwörterbuch IX,196)
Damit das Vieh überhaupt genügend Milch gibt, wird der Anbau des Geißklees auf der Weide empfohlen.
Hüten muß sich der Bauer vor Hexen, die den Kühen durch Behexung die Milch abmelken:
In Caseburg war ein Bauer, dessen Kühe wollten keine Milch geben, so gut er ihnen auch zu fressen gab, so daß er endlich einsah, sie müßten behext sein, und einen klugen Mann kommen ließ, damit er ihm hülfe. Der ging denn auch in den Stall, sah die Kühe an und wußte sogleich, wie es mit ihnen stand: sie waren behext.
Drum ging er im Dorfe umher, um die Hexe ausfindig zu machen; da sah er denn im Stalle des Nachbars dessen Frau, die stand an der Wand des Stalles, die nach dem Gehöfte jenes Bauern zu lag, hatte einen Besenstiel in dieselbe geschlagen, daran einen Eimer gehängt und melkte den Besenstiel, und dieser gab auch Milch wie ein natürliches Euter. Da war die Hexe verrathen; er bedrohte sie gewaltig und von der Zeit an gaben des Bauern Kühe wieder Milch. (aus Swinemünde, n. KUHN u. SCHWARTZ, S. 31)
Ein böswilliger Mensch vermag die Kühe des Nachbarn und deren Milch zu verhexen, indem er eine Maiblume unter die Schwelle zum Stall des Feindes steckt (aus dem. Ermland, n. FRISCHBIER, Hexenspr. u. Zauberb., 6). Gleiches suchte man in Litauen zu erreichen, indem man faule Eier in den Stall wirft oder zwei alte Strauchbesen überkreuz an die Tür hängt (ebd.).
Gelingt es, von der Wäsche eines Andern, die während der Zwölften noch nach Sonnenuntergang draußen gehangen, etwas zu entwenden, so kann man, benutzt man ein Stück davon als Sieblappen, dem Eigenthümer der Wäsche sämmtliche Milch seiner Kühe entführen. (aus d. Samland, ebd., 6f.).
Kühe, die wegen eines Hexenzaubers keine Milch mehr geben, sollen durch Fütterung mit Löwenzahn ihres bösen Bannes ledig werden. (WEHR, 222)
Milch soll vor Behextwerden geschützt sein, wenn man sie mit einem Wacholderzweig rührt (WEHR, 219). Auch die Beimischung von Wasser soll helfen (ebd., 222).
man gebe keine milch aus dem hause, ohne einen tropfen wasser damit zu vermischen. (aus dem Württembergischen, GRIMM, A. 653)
Wenn eine schwangere Frau wissen will, ob sie einen Knaben oder ein Mädchen unter dem Herzen trage, so soll sie in einen Zuber voll Wasser einen Tropfen Milch geben. Bleibt die Milch oben, so gibt es ein Mädchen, fällt sier aber auf den Boden, so bekommt die Mutter einen Knaben. (Magisch-sympathetische Hausschatz, gedruckt im Sechsten und siebenten Buch Mosis, BAUER, 132f.)
Es heißt, wenn durch Einschlag eines Blitzes Feuer ausgebrochen ist, dann lasse sich der Brand nicht mit Wasser, sondern nur mit Milch löschen. (GRIMM, A. 1001)
Zerstört man am Haus die Schwalbennester, so sollen die Kühe blutige Milch geben, meinte man in Osterode am Harz (GRIMM, A. 758)
Ärgerlich ist es, wenn die Milch im Eimer zu gerinnen droht, weil der über eine Wagendeichsel gehoben wurde oder weil ein Schwein daran gerochen hat. Zur Abhilfe wird empfohlen, ein Pferd aus diesem Eimer trinken zu lassen (GRIMM, A. 820)
siehe auch Butterzauber
Stillenden Frauen, denen es an Milch fehlt, wird hie und da geraten, in einer Höhle am Tropfstein zu saugen (WEHR, 124).
Kräutermedizinisch wird Dill empfohlen.
Ein Umschlag mit kalter Milch soll Halsschmerzen lindern.